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Review: BURN AFTER READING

Burn After Reading - Krimi-Groteske - Freigegeben ab 12

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Erwartungen:
Die Coens, die Besetzung, mehr brauchte es nicht für:
HOCH

Umstände:
Seit Wochen mal wieder eine DVD gekauft, erfreut festgestellt, dass sie mit einem Wendecover ausgestattet ist, womit man die unsäglichen FSK-Logos austricksen kann und nach einem harten Tag voller anstrengender Arbeiten in der Wohnung reichlich erschöpft und unterhaltungswillig. Andererseits: leicht übermüdet und mit der Konzentration vielleicht nicht ganz auf der Höhe. Insgesamt dennoch eher:
GUTER EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2008
Länge:
ca. 92 Min

US-Kinostart: 12.09.2008
dt. Kinostart:
2.10.2008

Budget: 37 Mil.
Box Office:
163 Mil.
(USA: 150 Mil. / weltweit: 151 Mil.)
Bestenliste:
39 (weltweit 2008)

CAST

George Clooney
Frances McDormand
John Malkovich
Tilda Swinton
Richard Jenkins
Brad Pitt
Elisabeth Marvel
David Rasche
J.K. Simmons
Olek Krupa
Dermot Mulroney

CREW

Regie: Joel & Ethan Coen

Drehbuch: Joel & Ethan Coen

Kamera: Emmanuel Lubezki

Schnitt: Joel & Ethan Coen

Musik: Carter Burwell


Inhalt

Der CIA-Analyst Osbourne Cox kündigt empört seinen Job, als man ihm Alkoholismus vorwirft. Er beschließt seine Memoiren zu schreiben, die durch einen Zufall in den Händen der beschränkten Fitnesstrainer Linda und Chad landen. Da Linda dringend Geld für diverse Schönheitsoperationen benötigt erpressen sie und der tumbe Chad den ehemaligen Bundesagenten – während dessen Frau ihn mit dem paranoiden Harry betrügt, der wenig später ebenfalls mit Linda anbandelt…


Der Film

Nebst ihren beiden, zumindest was die Anerkennung seitens der Verleiher renommierter Filmpreise angeht, größten Werken Fargo (1996, 2 Oscars) und No Country for old Men (2008, 4 Oscars), schufen Joel & Ethan Coen auch eine ganze Reihe schwarzhumoriger, kultig verehrter Filmperlen, oft bitterböse, meist brüllend komisch. Daneben versuchen sich die Brüder auch immer mal wieder an vergleichsweise harmlosen Stoffen, Fingerübungen sozusagen, die aber dennoch dank der typischen Würze und Kreativität in den Dialogen sowie ausgefallenen Charakterzeichnungen einen Blick wert sind. Auf Burn After Reading trifft dies nur sehr bedingt zu…

Der Inhalt klingt zwar sehr nach einer klassichen Coen-Story, kann in der Umsetzung mit deren bisherigem Schaffen aber nicht so recht mithalten. Die Story kommt schleppend in Gang und ehe sich das Verwirrspiel richtig entfalten kann, hat man beinahe schon völlig das Interesse daran verloren. Wenn die Figuren erst einmal alle ihre Verbindungen zueinander gefunden haben kommt das Geschehen zwar etwas besser in Fahrt, trotzdem trudelt der Film weder besonders spannend, noch wirklich witzig seinem Ende entgegen. Das grenzdebilde Unterfangen von Chad und Linda, den erfahrenen CIA-Mann um ein ordentliches Sümmchen zu erpressen folgt zwar einem der gängisten Schemata der Coens, nämlich der Gier des Einfältigen nach Reichtum, nimmt in Burn After Reading aber nie die Form an, in der man eine weitere Variation dieses Motives noch als unbedingt erlebenswert ansehen könnte. Zu wenig greift hier außerdem eins ins andere und obwohl sämtliche Handlungsstränge nach der erwähnt langen Anlaufzeit zueinander finden, passen sie einfach nicht sonderlich gut aneinander. Unpassend wirkt in diesem Sinne auch Carter Burwells Score, der dem seichten Geschehen eine seltsame Dramatik und Ernsthaftigkeit unterjubelt, statt locker und dem doofen Treiben der Protagonisten angemessen zu untermalen. Man denke da nur an den Soundtrack zu O Brother, Where Art Thou?

Einigermaßen gut funktionieren die paranoiden Züge des von George Clooney gespielten Aufreißers Harry. Deren Kopplung mit der tatsächlichen Überwachung des Geschehens durch mehere Parteien (Anwälte, CIA, Russen), wodurch Clooney hinter jeder Sonnenbrille einen Spion vermutet, ist als Allegorie auf das Sicherheits- und Überwachungsbedürfnis verschiedener staatlicher Organe sicher ganz amüsant und hätte als isoliertes Thema und bei entsprechender Ausweitung und Verschärfung sicher schon allein einen besseren Film abgeben können, als es ‚Burn After Reading‘ im Ganzen geworden ist. Ein Hauptproblem ist, dass es jeder Figur an Sympathiewerten mangelt. Die sonst so einnehmende Frances McDormand als Linda nervt nicht nur mit ihrem Spruch, sich selbst mithilfe der angestrebten Schönheits-Ops „neu erfinden“ zu wollen, was im allgemeinen zwar eine zeitgemäße, aber im Gegensatz zu vielen anderen Coen-Protagonisten, keine unbedingt publikumsgewinnende Motivation ist. Man denke da nur an den Dude, der seinen Teppich ersetzt haben wollte…

Pitt macht sich in der Rolle des Chad zwar genüsslich zum Affen, dies wirkt aber, genauso wie bei Clooney, so bemüht, als hätten die beiden Superstars es einfach nur darauf anlegen wollen, einmal möglichst extrem gegen, bzw. mit ihrem Image zu spielen. Dass Pitt als Ersatz für jedes Wort, das dem beschränkten Chad nicht einfallen mag, ein schnell abgenutztes „Scheiße“ einsetzt, erhöht seinen komödiantischen Faktor dabei auch nicht gerade. Man denke da nur an „Jesses!“ aus Fargo

John Malkovichs cholerische Anfälle als Osbourne Cox machen auf die Dauer auch nicht viel her, die betrügerische Ehefrau, gespielt von Tilda Swinton, bleibt als Dauerzicke mit Frostmimik blass. Einzig Richard Jenkis bekommt als Fitnessstudio-Boss und Lindas Verehrer, die für seine schüchteren Annäherungsversuche wahrnehmungsresistent ist, ein paar nette Szenen, die als einzige irgendeine emotionale Regung gegenüber dem Sammelsorium der Charaktere auslösen: Mitleid. J.K. Simmons und David Rasche sind prinzipiell gern gesehen und bringen als völlig ahnungslose Obere des CIA ein nettes parodistisches Zwischenspiel, mehr aber nicht. Man denke da nur an John Goodman und William Forsythe in Arizona jr….

Burn After Reading dem Vergleich mit anderen Werken der Coens zu unterziehen ist sicher nicht gerade die fairste Methode, da vieles im Film jedoch derart eindeutig gängige Elemente aufwärmt, die zuvor bei voller Hitze kochten und hier nur vereinzeltes Blubbern einsetzt, müssen die Brüder sich dies gefallen lassen. Unter dem Strich ist der Film schon ein wenig mehr, als bloß einfallsloses Selbstzitat, doch auch losgelöst vom Gesamtwerk der Coens ist er schlicht uninteressant, kaum witzig, es mangelt ihm an Bissigkeit, die Charaktere und Story zünden nicht und nicht einmal ein gewisses Vergnügen an der Starbesetzung an sich setzt ein. Handwerklich ist Burn After Reading solide bis gut umgesetzt, die Kamerafahrten zu Anfang und am Ende sind nett anzuschauen und in der ganzen optischen Gestaltung erlauben sich die Coens nicht die Mängel, die sich in ihre Story eingeschlichen haben. Die Lücke zwischen Regie und Buch klaffte bei den beiden wohl noch nie so weit auseinander. Man denke da nur an [beliebigen Coen-Film]…


Wertung & Fazit


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Mehr zum Film

Bewerten & Teilen

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  • http://whoknowspresents.blogspot.com/ Whoknows Best

    Weitgehend einverstanden. Ich frage mich jedoch immer, wie die Leute wohl auf “Burn After Reading” reagieren würden, hätten sie es nicht mit einem Film der Coen-Brüder zu tun. Ähnlich ging es mir schon im Fall des meiner Meinung nach meisterhaften “The Hudsucker Proxy”.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Tja, schwer zu sagen. Ich habe annähernd jeden Coen gesehen und sicher ist nicht jeder ein Meisterwerk, aber “Burn After Reading” fällt in meiner Wahrnehmung ziemlich ab und ich hätte ihn auch kaum toll gefunden, wenn er nicht von den Coens wäre (glaube ich zumindest ;) )
      „The Hudsucker Proxy“ fand ich übrigens auch sehr gut!

  • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

    Also ich habe mich bei dem Film köstlich amüsiert! Die Naivität von Pitt und Dormand ist extrem lustig und überzeugend. Man sollte aber vielleicht an dem Tag des Sehens allgemein schon lustig und gut drauf sein, sonst sind die Witze vielleicht doch etwas zu flach…
    Und bezüglich Dormands Schönheits-OP-Vernarrtheit fehlt vielleicht einfach nur das männliche Verständnis ;)

    Liebe Grüße

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ich werd dem bei Gelegenheit auf jeden Fall nochmal ‘ne Chance geben, es mag nämlich wirklich an meiner nicht ganz so berauschenden Stimmung gelegen haben, dass der mit sooo sehr nicht gefallen hat. Besser als durchschnittlich wird er aber für mich kaum werden, vielleicht ja tatsächlich auch ein bißchen geschlechtsbedingt ;)

  • bergfexxx

    Ich kann da nur bedingt zustimmen, mir hat der Film recht gut gefallen… klar fällt er jetzt von anderen Coen-Filmen ab, bestreite ich nicht, aber dennoch hebt er sich in meinen Augen doch vom Durchschnitt ab.

    Brad Pitt und george Clooney allein fand ich schon zum schießen komisch, wie auch Simmons und Rasche.

    Allein die Gesamtkonstellation und ein letztenendes großes Wirrwarr um eigentlich nichts setzt dem die Krone auf.

    7/10 Punkten würde ich da schon geben…=)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Simmons und Rasche fand ich auch gut, Clooney und Pitt haben mir hier aber eben irgendwie zu gezwungen albern gewirkt, das können beide besser (Clooney z. B. hervorragend in O Brother, Where Art Thou? oder Intolerable Cruelty).
      Aber wie schon weiter oben gesagt: bei Gelegenheit bekommt der Film von mir noch ‘ne zweite Chance ;)

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