|
|
| Erwartungen: |
| Obwohl (oder gerade weil) ich großer Fan der alten Filme bin, waren meine Erwartungen von Anfang an nicht gerade hoch. |
| NIEDRIG |
| Umstände: |
Ungelogen zum ersten Mal übrhaupt (da es eigentlich meiner Respektiere-das-filmische-Werk-Mentalität widerspricht) sah ich mir den Film auf die Art an, bei der Bild- und Tonqualität nicht optimal sind (wir verstehen uns ).
Diese Review soll sich allerdings auf meine Sichtung der DVD beziehen. Die Umstände hierbei: freier Tag, allein zu Haus, bester Laune und guten Willens, dem Film nochmals eine Chance zu geben, ohne dass es ihm Einschränkungen technischer Natur unnötig schwer machen. |
| GUTER EINFLUSS |
| Bilder:: |
|
|
|
|
| IN ZAHLEN
Jahr: 2008
Länge: ca. 117 Min
US-Kinostart: 22.05.2008
dt. Kinostart: 22.05.2008
Budget: 185 Mil.
Box Office: 786 Mil.
(USA: 317 Mil. / weltweit: 469 Mil.)
Bestenliste: 2 (weltweit 2008)
|
CAST
Harrison Ford
Shia LaBeouf
Cate Blanchett
Karen Allen
Ray Winstone
John Hurt
Jim Broadbent
Igor Jijikine
Alan Dale
Andrew Divoff
Neil Flynn |
CREW
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp,
George Lucas, Jeff Nathanson
Kamera:Emmanuel Lubezki
Schnitt: Bob Duscay,
Jim May
Musik: John Williams
|
Zunächst von KGB-Agentin Irina Spalko, später von Jungspund Mutt Williams gedrängt, begibt sich Indiana Jones auf die abenteuerliche Suche nach dem Kristallschädel…
Indiana Jones funktioniert für mich als in sich geschlossene, sich selbst stylistisch treu bleibende Trilogie zu gut, als dass man einer Fortsetzung 19 Jahre nach dem dritten Teil besonders hoffnungsvoll hätte entgegen blicken können. Dies nicht aus nostalgischen Gründen, sondern vielmehr im Wissen, dass die Filmwelt sich drastisch verändert hat und diese Veränderungen vor einem Indiana Jones-Film (leider, leider) wohl kaum Halt machen würden. Dramaturgie und Effekte der Trilogie waren zu ihrer Zeit bahnbrechend, sprachen dabei aber stets die mit Jäger des verlorenen Schatzes eingeführten ‘Sprache’. Diese Sprache würde ein Fim aus dem Jahr 2008 einfach nicht finden, nicht ‘(wieder)erlernen’ können. Auf Steven Spielbergs Ankündigung, er werde so weit wie möglich auf den Einsatz vo CGI verzichten, gab ich absolut nichts. ODER würde er mich doch eines besseren belehren können und Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels zu einem würdigen Nachfolger machen? Leider, leider…
Hm. Gleich die erste Szene ein CGI-Erdmännchen. Da dürfte sich das so-weit-wie-möglich-verzichten schon erledigt haben. An sich ist die Eröffung des Films aber durchaus gelungen, die Lagerhallen-Sequenz führt gut in Handlung und Charaktere ein und stellt Cate Blanchett als böse KGBlerin vor. Andererseits propagiert sie bereits so deutlich die Auflösung des Films, dass man über diese am Ende nur umso mehr den Kopf schüttelt muss. Schließlich lässt diese Offensichtlichkeit hoffen, dass am Ende ein unerwarteter Kniff präsentiert wird, der das Ganze rausreißt. Doch da wären wir wieder beim leider…
Noch etwas anderes wird in der Anfangssequenz deutlich: Harrison Ford gibt fraglos sein Bestes und kann im Großen und Ganzen auch überzeugen, jedoch nicht in den Action-Einlagen. Zu deutlich klafft die Lücke zwischen dem, was tatsächlich Ford spielt und dem, was ein Stuntman für ihn erledigt.
Nach erster Action, weiteren CGI-Erdmännchen und kurzer Beruhigung folgt jene Szene, in der Indiana Jones eine Atomexplosion in einem Kühlshrank überlebt (und wiederum ein CGI-Erdmännchen). Und diese Kühlschrank-Nummer ist erste Bestätigung meiner These: dieser Film spricht nicht die richtige Sprache, wenngleich ab hier seine stärkste Phase beginnt: Jones begegnet Mutt Williams, dessen Darstellung durch Shia LaBeouf (bis auf die undankbare Einführung) zunächst in Ordnung geht, der Plot kommt ins Rollen (und nährt wiederum die Hoffnung auf ein anderes als das befürchtete Ende), Jones und Mutt begeben sich auf Spurensuche in alten Gemäuern. Hier kommt echtes Indiana-Jones-Feeling auf. Schöne Sets, handgemachte, bodenständige Action, nette Verweise auf die Trilogie. Vor allem entwickelt der Film aus dem Zusammenspiel zwischen Ford und LaBeouf große Kraft und Charme. Bis die von Cate Blanchett angeführten KGBler wieder auftauchen.
Nach etwa 70 Minuten wird der Film zu einer fortwährenden Aneinanderreihung von unlogischen, überstilisierten und in ihrer plumpen Darstellung (Affen und Lianen, Schwertkampf) an Frechheit gegenüber dem Zuschauer grenzenden CGI-Einlagen. Aus so-wenig-wie-möglich wird so-viel-wie-nur-reinpasst. Die Qualität der Effekte erreicht dabei nicht annähernd die plastische Authenzität, die man von einer solchen Großproduktion gewöhnt ist, wodurch der Film unangenehm künstlich wirkt und einen dadurch geradezu aus seiner Handlung und ‘Welt’ herausprügelt. Ab hier beginnt Das Königreich des Kristallschädels endgültig, eine Fremdsprache zu sprechen, die nichtmal Indy entschlüsseln kann. Weitere (negative) optische Auffälligkeit: bei Tageslicht wirkt die Szenerie völlig überbelichtet, bedingt dadurch, dass auch ‘Außenaufnahmen’ im Studio stattfanden und Hintergründe nachträglich eingefügt wurden.
Ein paar Worte zu den Charakteren: ein großes Problem des Films ist es, dass Indiana Jones hier nicht (wie in den Vorgängern) die treibende Kraft ist. Es ist stets die Motivation zweiter oder dritter, die er aufnehmen muss und die ihn förmlich durch die Handlung schubst. Er wird für alle (KGBler, Mutt, den Zuschauer) bloß zum Erklärbär. Bis auf einen Boxkampf zum Schluss ist auch in Sachen Actionszenen eher der junge LaBeouf der Aktive, der dafür reihenweise Fords berühmtes Grinsen erntet. Trotz forgeschrittenen Alters: man will nicht wirklich einen Ersatz-Indy die Kämpfe des Originals austragen sehen. Weniger (an Indys Alter angpasste) Action wäre wahrscheinlich mehr gewesen.
Die Nebencharaktere werden mit Ausnahme von LaBeouf allesamt verschenkt. Karen Allens Marion Ravenwood-Revival verkommt zur Farce, wenn man sieht, wie die starke, selbstbewusste Frau aus Jäger des verlorenen Schatzes hier nach einem einzigen schnulzigen Kompliment von Indy ihre vergessene Liebe wiederentdeckt und fortan nur noch dauergrinsend auftritt. Ray Winstone wechselt als Sidekick so oft die Seiten, wie es dem Drehbuch gerade aus dem einen oder anderen Grund passt, wodurch die Glaubwürdigkeit der übrigen Charaktere mächtig untergraben wird. John Hurt als verrückter Professor ist wie jeder verrückte Professor: verrückt und am Ende wieder klar genug, um dem Zuschauer die banale Auflösung zu erklären. Cate Blanchett samt Gefolge ist auf Schurkenseite sicher das Schwächste, das bisher in Indy-Filmen aufgeboten wurde. Schade um ihr überragendes Talent. Insgesamt trägt keine dieser Figuren etwas postives zum Film bei und hätten entweder gestrichen oder entscheidend umdesignt werden sollen.
Über das Ende möchte ich gar nicht viel schreiben, es hätte mit einem den Anfang auskonternden Twist funktionieren können. So jedoch wird spätestens wenn Indy das berühmte Star Wars-Zitat »Ich hab’ da ein ganz mieses Gefühl« zum Besten gibt klar, dass man es hier mit Science-Fiction, nicht mit klassischem mystisch angehauchten Abenteuer zu tun hat. George Lucas sei Dank…
|
Pingback: Indiana Jones [Complete] (1981-2008) « of bastards and dwarves