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Review: SLUMDOG MILLIONAIRE

Slumdog Millionaire - (dt. Titel: Slumdog Millionär) – Romanze/Drama - Freigegeben ab 12

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Erwartungen:
Eine schwer zu benennende Mischung aus Skepsis (vornehmlich bezüglich des Settings, da ich mit der indischen Kinokultur nicht besonders viel anzufangen weiß und rein faktisch ebensowenig mit einer „westlichen Interpretation“ eben dieser) und hoher Erwartungen aufgrund des Award-Regens und nicht zuletzt des Regisseurs: Danny Boyle lieferte u. a. mit Trainspotting, 28 Days Later und zuletzt Sunshine beeindruckende Leistungsnachweise ab. Insgesamt:
MITTEL

Umstände:
Keine besonderen.
OHNE EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2008
Länge: ca. 120 Min

US-Kinostart: 12.11.2008
dt. Kinostart: 19.03.2009

Budget: 15 Mil.
Box Office: 377 Mil.
(USA: 141 / weltweit: 236)
Bestenliste: 14 (weltweit 2008)

CAST

Dev Patel
Madhur Mittal
Freida Pinto
Anil Kapoor
Irrfan Khan
Saurabh Shukla
Mahesh Manjrekar

CREW

Regie: Danny Boyle

Drehbuch: Simon Beaufoy

Kamera: Anthony Dod Mantle

Schnitt: Chris Dickens

Musik: A. R. Rahman


Inhalt

Der 18jährige Jamal Malik steht als Kandidat der Quizshow Wer wird Millionär kurz vor dem großen Hauptgewinn. Unter Folter wollen zwei Polizisten ihn am Vorabend der entscheidenen Show zu einem Geständnis zwingen, wonach er die Antworten nur mittels Betruges nennen konnte. Doch Jamal erzählt den Polizisten seine Lebensgeschichte, über sein ärmliches Leben auf den Straßen der indischen Mega-Metropole Mumbai, über seinen Bruder Salim – und über seine große Liebe, die er glaubt, für immer verloren zu haben: Latika…


Der Film

Slumdog Millionaire ist ohne Zweifel die große Überraschung der diesjährigen Award-Saison. Der Siegeszug der zehnten Regiearbeit des Briten Danny Boyle bei fast sämtlichen relevanten Preisverleihungen ist eine kaum weniger märchenhafte Geschichte, als sie der Film selbst erzählt.

In Teilen seiner Konstruktion drängt sich bei Slumdog Millionaire der Vergleich mit dem 2002 veröffentlichten City of God auf. Dies liegt auch an der Exotik des Schauplatzes, die in beiden Fällen nicht Postkartenmotiv-tauglich aufbereitet wird, sondern den Blick vor den realen (oder von außen als real wahrgenommenen) Umständen, die in Indiens, beziehungsweise Brasiliens, untersten Schichten herrschen nicht verschließt. Die Protagonisten beider Filme werden von frühester Kindheit an mit Gewalt und Armut konfrontiert, die Authentizität des Geschehens wird jeweils durch die Besetzung einheimischer (Laien)Darsteller miterzeugt. Dennoch ist Slumdog Millionaire ein sehr eigenständiges Werk, bereitet es doch aus ähnlichen Zutaten ein im Geschmack gänzlich unterschiedliches Gericht zu. Wo Fernando Meirelles die kompromisslose Härte des Stoffes auf die Spitze treibt und das Schicksal seiner Figuren ein stets bedrohtes und ungewisses ist, ist der Weg hin zum Happy End bei Slumdog Millionaire zwar ein beschwerlicher und verlustreicher, nichtsdestotrotz ein geradezu unausweichlicher. Am Anfang werden dem Zuschauer im Sinne von Wer wird Millionär? vier Antwortmöglichkeiten auf die Frage geboten, wie Jamal es geschafft haben kann, kurz vor der Beantwortung der finalen Frage zu stehen: „A: He cheated, B: He’s lucky, C: He’s genius, D: It is written“. Betrachtet man den Aufbau des Films ist nicht schwer auf die Lösung zu kommen.

Der Erzählrythmus sieht es vor, dass mit jeder Frage, die Jamal in der Quizsendung zu beantworten hat, ein Ereignis aus seiner Vergangenheit verknüpft ist. Dieses wird dann in annähernd episodischer Form wiedergegeben, wobei sich Jamal, sein Bruder Salim und später auch Latika immer wieder in ausweglose Lagen manövriert sehen und sie schließlich meistern, nicht selten unter großen Verlusten, die im Umkehrschluss eben wieder zu den benötigten Antworten führen. Aus den einzelnen Rückblenden und Kapiteln der Geschichte versteht Boyle es meisterlich, ein funktionierendes Ganzes im Einklang mit dem Gegenwartsplot rund um das Verhör, die Begeisterung der Mitmenschen für den jungen Fernsehhelden, bis hin zum großen Finale, zu schaffen. Dass das gesamte Konstrukt des Film damit letzlich genau das, nämlich ein konstruierter Bogen zwischen passiertem und präsentem ist, könnte beim Zusehen stören, da damit eine gewisse Offensichtlichkeit einhergeht. Die entscheidende letzte Frage der Quizshow ist konsequente Folge dieses Schemas, das einigen möglicherweise einen Tick zu deutlich der Struktur einer Handlungsmontage, statt einem Aktionsrealismus folgt.

Doch im Grunde kann man Slumdog Millionaire daraus keinen Vorwurf machen, da es sich eben trotz aller gezeigten Abgründe und Niederungen des Lebens in Indien um einen postiven, einen lebenbejahenden und einen Film voller Hoffnung handelt. Auf das einfachste reduziert ist er eine Liebesgeschichte, bis ins komplexeste ausgebreitet eine Allegorie über das Schicksal, über Ereignisse im Leben eines jeden, deren Sinn und Nutzen sich erst später und oft in den unerwartetsten Zusammenhängen offenbaren. Aus der Geschichte um das bettelarme Straßenkind, das am Ende unter keinen anderen, als den eigenen Lebensumständen zum Millionär werden kann, wird damit eine ebenso unwahrscheinliche, wie wahrhaftige, erhellende und einfach erlebenswerte. Selten genug gelingt es einem Film, die sensible Balance zwischen reell Abgebildetem und fiktiv Erzähltem zu halten und in der Summe eine schöne, bewegende Story zu erzählen. Slumdog Millionaire gerät bei diesem Drahtseilakt noch nicht einmal ins Schwanken, es gelingt ihm fehlerfrei.

Audiovisell ist der Film hervorragend gelungen. Die musikalische Untermalung veredelt die emotionalen und dramatischen Momente. In ausgewogenem Wechsel zwischen Nah- und Panoramaaufnahmen, kombiniert mit mal ruhiger, mal rasender Schnitttechnik, findet Boyle eine tolle optische Umsetzung. In den Slums von Mumbai werden die Protagonisten wie durch Hauptschlagadern gepumpt, die Stadt wird zur pulsierenden organischen Materie. Ein näheres Erleben würde wohl nur eine Urlaubsreise bieten. Dennoch, um noch einmal den Vergleich zu City of God zu ziehen: dessen brachiale Virtuosität erreicht Slumdog Millionaire nicht ganz, kommt mit ein, zwei motivischen Wiederholungen sogar etwas ins Schleppen. Aber das hindert den Film nicht ernsthaft am Entfesseln seiner Bilderflut.

Wertung & Fazit


Mehr zum Film

Bewerten & Teilen

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  • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

    “Slumdog Millionaire” hatte mich stark enttäuscht. Vermutlich hatte ich zu hohe Erwartungen, oder einfach Andere. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht mehr so genau, aber irgendwas hatte mich unheimlich gestört. Vielleicht war es auch nur der völlig kitschige und kindische Abschlusstanz am Ende des Filmes, der mich derart verärgert hat, dass ich kurz darauf die DVD wieder verkaufen musste. Anhand deiner Kritik sollte ich ihm wohl doch noch mal eine zweite Chance geben…

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Die Tanznummer ist auch nicht gerade meine Lieblingsszene, aber da kann ich am Ende besser mit leben, als während des Films, wie’s ja im Bollywood-Kino üblich ist.
      Ansonsten steht der Film bei mir demnächst mal für die überfällige Zweitsichtung an, die Review hier stammt ja noch aus grauer Blogger-Vorzeit, da wär mal ‘ne Überarbeitung fällig ;)

ChristiansFoyer

is written,

produced and directed

by Christian Hoja

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