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| IN ZAHLEN
Jahr: 2003
Länge: ca. 128 Min
US-Kinostart: 2.05.2003
dt. Kinostart: 1.05.2003
Budget: 110 Mil.
Box Office: 407 Mil.
(USA: 214 Mil. / weltweit: 192 Mil.)
Bestenliste: 9 (weltweit 2003)
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CAST
Hugh Jackman
Patrick Stewart
Ian McKellen
Famke Janssen
James Marsden
Halle Berry
Anna Paquin
Brian Cox
Shawn Ashmore
Aaron Stanford
Alan Cumming |
CREW
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Michael Dougherty,
Dan Harris, David Hayter
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: John Ottman,
Elliot Graham
Musik: John Ottman
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Größer, lauter und von allem einfach ein bißchen mehr – diese simple Fortsetzungsrechnung geht in vielen Fällen nicht annähernd auf. Bei Bryan Singers zweiter Mutantenoper jedoch liefert sie in der Summe ein überragendes Ergebnis und einen der ganz wenigen Filme, der seinen Vorgänger nicht nur qualitativ erreicht, sondern ihn sogar toppt.
Musste der erste Teil in der Hauptsache die Aufgabe erfüllen, eine Vielzahl Charaktere und ihre Fähigkeiten adäquat vorzustellen, kann X2 nun mit den bereits etablierten Protagonisten vom Start weg in die Vollen gehen. Wo der Vorgänger die Möglichkeiten, die die Mutatenkräfte für aufwendige Actionsequenzen bieten, höchstens andeuete, werden sie hier schon in der Eröffnungsszene nahezu in Perfektion ausgereizt. Der Angriff des teleportierenden Nightcrawlers auf den US-Präsidenten im Weißen Haus ist ein visueller und choreographischer Geniestreich. Darüber hinaus füttert er die Story mit weiterer politischer Brisanz, so dass diese bei der wesentlich actionorientierteren Umsetzung nicht hoffnungslos in den Hintergrund gedrängt wird. So verkommt auch X2 nie zur stumpfsinnigen Aneinanderreihung von Krawallmomenten, sondern setzt das Aufbegehren der Regierung gegenüber den Mutanten mit konsequenter Härte fort. Das Eindringen schwerbewaffneter Soldaten in Xaviers Schule für Hochbegabte ist dabei von beispielhafter Intensität. Wenn sich einer der Soldaten, das Gewehr im Anschlag, einem kleinen Jungen nähert, geht dies in seiner Drastik mindestens einen Schritt weiter, als es die typische Blockbuster-Produktion tut.
Weniger vordergründig, doch nicht minder gewichtig als im ersten Teil klingen die großen Themen des X-Men-Universums so immer wieder durch. Wenn Teenager Bobby, genannt Iceman, seinen Eltern von seinen Mutantenfähigkeiten berichtet und diese in einer ähnlichen Mischung aus Beschämung und als elterliche Fürsorge getarnter Hilflosigkeit reagieren, wie es wohl viele Eltern beim Outing eines homosexuellen Nachkommen früher taten und auch heute noch tun, schwingt eine ernste Bitterkeit in diesem vordergründig entlarvend-lustigen Augenblick. „Hast du schonmal versucht, kein Mutant mehr zu sein?“ fragt Bobbys Mutter. Vorurteile, Diskriminierung, Furcht und versucht, kein Mutant mehr zu sein?“ fragt Bobbys Mutter. Vorurteile, Diskriminierung, Furcht und Gewaltbereitschaft bis hin zur radikalen Auslöschung schlägt den Mutanten entgegen, die einfach nur ihren Platz in den Reihen der Gesellschaft beanspruchen.
Verkörpert wird der Wille zur Auslöschung des sogenannten Homo Superiors von einem sensationell aufspielenden Brian Cox als Colonel William Stryker. Bedingt durch seinen eigenen Mutantensohn, den telepatisch einzigartig mächtigen Jason, bekommt seine Figur einen starken, mehrdimensionalen Hintergrund, etwa wenn er von seiner Frau berichtet, welche sich die von Jason erzeugten Visionen mit einem Schlagbohrer aus dem Kopf entfernen wollte. In seiner Darstellung und Verbalisierung der Auswirkungen und der Reaktionen auf die Mutanten legt X2 also neben der Action ebenfalls ein gehöriges Pfund zu.
Darstellerisch verlagert der Film die Gewichtung im Vergleich zum Vorgänger massiv. Besonders Patrick Stewart als Charles Xavier und James Marsden (dem schon der erste Teil wenig Profil gönnte) treten storybedingt kürzer. Während Xavier aber dennoch eine zentrale Bedeutung zukommt, geht Marsdens Cyclops (gerade im Verhältnis zur Comicvorlage, in der Cyclops der Anführer des X-Teams ist) ziemlich unter. Seine Love-Story mit Jean Grey wird keinen Meter weiterentwickelt, so dass Konkurrent Wolverine in seiner Abwesenheit ungestört punkten kann. Dies kommt der Story aber durchaus zugute, da sich das balzende Gezänke aus dem Vorgänger hier wohl als ermüdend und den düsteren Grundton störend entwickelt hätte. Mehr Raum zur Entfaltung (und diesen auch nutzend) erhält Famke Janssen als Jean. Die Entwicklung der durch Steigerung ihrer Psy-Kräfte zur Selbstwerdung findenden Jean unterlegt Janssen mit faszinierender Aura. Aus der dritten Reihe des ersten Teils rückt Shawn Ashmore als Iceman auf, sein Einsatz beschränkt sich jedoch auf die Storyline der schwierigen Beziehung zu Anna Paquins Rogue, deren bloße Berührung tödlich enden kann. Als Neulinge gesellen sich Alan Cumming (Nightcrawler) und Aaron Stanford (Pyro) zur Riege, die einige tolle Actionszenen bekommen. Besonders die Teleportationen des Nightcrawlers sind tricktechnisch extraklasse. Beachtenswert: in der Originalfassung spricht Alan Cumming einige Sätze in Deutsch, der mit bürgerlichem Namen Kurt Wagner heißende Mutant stammt nämlich aus München.
Hauptattraktion ist nach wie vor Hugh Jackman als Wolverine. Die grimmigen Oneliner bringt er noch stimmiger rüber, dazu kommt, dass auch er in X2 weit spektakulärere und auch gewalttätigere Kämpfe bestreitet. Sein Duell mit Lady Deathstrike, einer verbündeten Strykers mit ähnlichen Fähigkeiten wie Wolverine, ist wohl so brutal, wie es unter der Maßgabe einer FSK12-, bzw. PG13-Freigabe überhaupt nur sein kann. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet holt der Film das absolute Maximum aus dem Krallenmann heraus, er darf ausrasten, sich durch Soldaten schnetzeln und in einem Flashback blutverschmiert auftauchen. Ian McKellen, der zwangsweise vom Schurken zum kurzzeitigen Verbündeten der X-Men mutiert, gibt dem Charakter wie im ersten Teil die nötige Klasse eines ernstzunehmenden Antagonisten, sein Zusammenspiel mit der blauen Formwandlerin Mystique funktioniert hervorragend. Magnetos Flucht aus dem Plastikgefängnis, bei der er einem Wachmann das Eisen aus dem Blut zieht, ist außerdem ein großartiger, origineller Moment und neben einem ‚Wirbelstürme-gegen-Jagdbomber‘-Duell weiterer Beleg für den visuell enorm verbesserten Umgang mit den Mutantenfähigkeiten.
Der bombastische, gut dreiviertelstündige Showdown ist schließlich der Höhepunkt des Films. Singer fährt hier ein wahres Bombardement an Spannungshöhepunkten auf und liefert mit das Beste, was es im Genre des Comicfilms überhaupt zu bestaunen gibt. Hier setzt sich allerdings auch eine partielle Schwäche des ersten Teils fort: hatte dieser mit dramaturgisch etwas schlichten Dialogen zu kämpfen, wird in X2 das unheilvolle „Oh mein Gott“ unfassbar überstrapazier. Doch dieser Ausspruch bleibt einziges Merkmal des Films, bei dem weniger mehr gewesen wäre. |