Die Eintrittskarte zur Filmwelt
Hollywood Gewinnspiel
FILM
ARCHIV
PREVIEW
ARCHIV
STAR
ARCHIV
BONUSMATERIAL
ARCHIV
GEWINNSPIELE SHOP
Skip to content

Review: PUBLIC ENEMIES

Public Enemies - Gangster-Drama - Freigegeben ab 12

Review-Navigation (Einzelne Punkte dieser Review direkt anwählen)
Lesen: Inhalt Lesen: Der Film Lesen: Wertung & Fazit Surfen: Relevante Themen Surfen: Mehr zum Film



Erwartungen:
Michael Mann, Johnny Depp, Christian Bale und eine Vielzahl weiterer Hochkaräter auf Seiten von Cast und Crew. Was anderes, als hohe Erwartungen soll da garantiert sein?
HOCH

Umstände:
Wieder mal im größten Saal des Kinos beinahe völlig allein, zwar durchwachsenes Trailer-programm (klares Highlight: Martin Scorseses Shutter Island), aber insgesamt nichts anderes als:
GUTER EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2009
Länge: ca. 140 Min

US-Kinostart: 1.07.2009
dt. Kinostart: 6.08.2009

Budget: 100 Mil.
Box Office: 214 Mil.
(USA: 97,1 Mil. / weltweit: 117 Mil.)
Bestenliste: 28 (weltweit 2009)

CAST

Johnny Depp
Christian Bale
Marion Cotillard
Jason Clarke
Stephen Dorff
Stephen Graham
Billy Crudup
Stephen Lang
David Wenham
Giovanni Ribisi

CREW

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Ronan Bennett,
Michael Mann, Ann Biderman

Kamera: Dante Spinotti

Schnitt: Paul Rubell,
Jeffrey Ford

Musik: Elliot Goldenthal


Inhalt

1933, die USA zur Zeit der Großen Depression: der spätere Gründer des FBI, J. Edgar Hoover, erklärt den flüchtigen Bankräuber und mutmaßlichen Mörder John Dillinger zum Staatsfeind Nummer Eins. Eine Spezialeinheit um den erbarmungslosen Melvin Purvis heftet sich an Dillingers Fersen und schränkt die Kreise seiner Gang mehr und mehr ein…


Der Film

Die Geschichte des John Dillinger ist eine jener großen amerikanischen Mythen, zu deren Entstehen nicht zuletzt auch das Kino seinen Teil beigetragen hat. Bereits 1945, elf Jahre nach seinem Tod, wurde das Schaffen des populären Gangsters zum ersten Mal verfilmt, damals mit Lawrence Tierney in der Hauptrolle. Auf den schlicht Dillinger betitelten Film folgten 1973 die gleichnamige Variante von John Milius und schließlich 1991, mit Mark Harmon in der Hauptrolle und unter der Regie von Rupert Wrainright, Dillinger – Staatsfeind Nummer 1. Nun nimmt sich dem kurzen, aber umso heftigeren Leben des John Dillinger Meisterregisseur Michael Mann an, der der bekannten Story als einer der gefeiertsten und besten Kreateure des Crime-Genres eigentlich gerecht werden sollte. Aber was kann Mann letztlich noch neues bieten, welche Facetten kann er noch aufdecken?

Zunächst mal und vom Start weg ist es die Optik von Public Enemies, die Frische hereinbringt. Kein Epochenfilm wartete bisher mit einer solchen, durch den Einsatz von HD-Kameras erzeugten Bildschärfe auf, was angesichts des 30er Jahre Settings und der aus anderen Filmen gewohnten optischen Umsetzung dieser vergangenen Tage zu Anfang sicher befremdlich wirken kann. Betrachtet man es jedoch ganz und gar pragmatisch, so muss man sagen, das nunmal auch die reale Welt von 1933 nicht von Unschärfen getrübt war und Mann bedient sich damit eines Ansatzes, der komplett auf Realismus setzt. Die Gewöhnung daran erfolgt schnell, zumal Public Enemies perfekt und authentisch ausgestattet ist und trotz modernster Technik genügend Flair erzeugt.

Dass der Einstieg in den Film dennoch eher misslungen ist, was sich tief bis in dessen Mitte hinein zieht, liegt an ganz anderen Dingen. Nachdem ein soeben gefangener John Dillinger und seine bereits länger inhaftierten Kumpanen aus dem Gefängnis, in das Dillinger gerade überführt werden soll, fliehen können, montiert Mann seine Kontrahenten parallel zueinander und einander entgegen. Dillinger überfällt eine Bank, Agent Melvin Purvis erschießt mit Pretty Boy Floyd einen Weggefährten des Gangsters, dieser lernt Billie Frechette kennen, Purvis wird von J Edgar Hoover nach Chicago entsandt, um mit einer Spezialeinheit Dillinger endlich zu stellen. Bei all dem und einigem mehr an Exposition ist man dank Dante Spinottis teils furioser Handkameraführung zwar geradezu unmittelbar im Geschehen dabei, aber einfach doch zu sehr als bloßer, teilnahmsloser Beobachter. Denn fesseln können Film und Charaktere hier noch nicht.

Dazu kommt eine gewaltige erzählerische Holprigkeit. Die Inszenierung von Liebesgeschichten gehört im allgemeinen nicht zu Michael Manns Paradedisziplinen, zu wenig differnziert geraten dazu meistens die weiblichen Protagonisten und zu wenig investiert Mann in ihre Gefühle und Gründe für die Bindung zu den harten Kerlen. Public Enemies krönt diese narrative Schwäche, denn zwischen Dillinger und Frechette funktioniert es nicht. Dabei mangelt es Johnny Depp und der französischen Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard nicht etwa an Chemie, sondern ihren Figuren an Sinn. Depp spielt seinen Dillinger lange Zeit nicht als Person, nicht als lebendigen Mensch, sondern vielmehr als eine einzige, zudem ziemlich platte Attitüde. Mit selbstbewusster Arroganz, aber ungewohnt wenig Charisma und Ausstrahlung geht er zu Werke und mit seinem offenen Bekenntnis, der meistgesuchte Mann des ganzen Landes zu sein, hätte er wohl auch nicht jede Frau innerhalb weniger Sätze rumgekriegt. Doch Cotillards Frechette entscheidet sich nach sehr kurzem Zögern für eine Liason mit dem gewieften Bankräuber und Michael Mann weiß diesem Handlungsstrang so gar nichts anderes abzugewinnen, als ihn bloß seiner historischen Notwendigkeit halber passieren zu lassen. Zu Ausleuchtung Dillingers verwendet er ihn ganz sicher nicht, der seiner Angebeteten allzu oft mit hohlen Machophrasen begegnet, während Cotillard vor lauter Anbetung die Augen immer weiter aus den Höhlen treten.

Nicht besser, betreffs der Zeichnung ihrer Charaktere, ergeht es der Vielzahl an Nebenfiguren. Beinahe bis in die kleinste Rolle namhaft besetzt, bietet Public Enemies hier niemanden von Interesse, einzig dem von Billy Crudup stark gespielten J. Edgar Hoover gönnt er Profil, Dillingers Bande allerdings verschwimmt zur gesichtslosen Masse. Wer da wann erschossen wird und wer genau überhaupt wen gespielt hat, das dürfte nach dem Film kaum jemand beantworten können. Mit Christian Bales Spezialeinheit sieht es nicht anders aus, Bale selbst spielt seinen Melvin Purvis stoisch und zielgerichtet, keine Sekunde ist er in privater Haltung zu sehen. Somit wird auch in seinem Fall nichts wirklich ausgedeutet, aber immerhin schafft Bale es, dem pflichtversessenen Purvis hinter seiner Fassade doch ein paar Brüche zu verleihen. Dies gelingt dem Waliser in jenen Momenten, wenn er mit dem eigenen Morden oder dem Tod von Kollegen konfrontiert wird. Für Sekundenbruchteile lässt Bale Zweifel, Überdruss und Ausgebranntheit hinter Purvis aufblitzen, der übrigens nach Abschluss des Falls Dillinger seinen Dienst quittierte und sich 1960 umbrachte.

Was im Zuge der Optik und Akkustik des Films von Beginn an stimmt sind die Actionsequenzen. Die Maschinengewehre rattern, der Gewaltgrad ist nicht unbedingt gering. Eine völlig enthemmte Ballerszene ist es dann auch, die das leicht schlingernde Ruder von Public Enemies endlich in feste Hände legt. Dillingers Bande flüchtet im Verlauf der Story in eine abgelegene Hüttenanlage in den Wäldern, doch durch einen Verrat ist ihnen Purvis mit seinen Männern auf der Spur. Was dann bei Nacht losbricht ist in seiner brachialen Direktheit einer der besten Actionmomente des gesamten Filmjahres und der beste Shoot Out seit langer Zeit. Man ertappt sich selbst bei dem Reflex, hinter dem Kinositz in Deckung springen zu wollen, derart hautnah ist diese überragende Sequenz eingefangen. Für den gesamten Film markiert sie eine Art Weckruf, denn hiernach zieht Public Enemies in allen Bereichen an, die Gesamtsituation wird für Dillinger endlich spürbar gefährlich und angespannt, die Methoden der Staatsbeamten steigern sich in eine verachtenswerte Radikalität und einzig der besonnen/überdrüssige Purvis scheint im Kampf gegen Dillinger die Nerven zu behalten. Nun endlich, nach viel zu langem Leerlauf, erreicht der Film ein solches Maß an Nachdruck und Stärke, dass man ihm völlig verfällt. Seine Schwächen gänzlich vergessen machen kann er beileibe nicht, dafür entschädigt Public Enemies immerhin nun vollends und nahezu uneingeschränkt mit dem virtuos-ästhetischen Können seines Regisseurs. Auch Johnny Depp beginnt in seiner Rolle endlich zu atmen und setzt mit Dilligers hochnäsigem Ausflug in die verlassene Zentrale seiner Gegner einen brillianten Moment.

Public Enemies braucht lange, beinahe zu lange, bis er seine Vorzüge voll zur Entfaltung bringt. Über weite Strecken stehen die recht ungenügend plausibel gemachten Figuren und der daraus resultierend eindimensionale Handlungsablauf dem Film im Weg, ehe er sich immerhin zu einer mächtigen audiovisuellen Wucht steigern kann. So etwas wie epische Weite erreicht die Geschichte aber nie, statt durchgehender fiebriger Hitze verbreitet das Geschehen zu oft nur leicht erhöhte Temperatur. Trotz der Top-Besetzung fehlt es auch an einer beherrschenden Präsenz, für die Depp und Bale normalerweise nicht mal die Hände aus den Taschen nehmen müssen, doch hier kann weder einer der beiden für sich uneingeschränkt glänzen, noch können sie einander in den wenigen gemeinsamen Szenen entscheidend pushen. Am Ende ist Public Enemies vor allem ein sehenswerter, bei allen Mängeln auch immer noch guter Film; ein wirkliches Erlebnis, eine unverzichtbare Erfahrung ist er jedoch viel zu selten.

Wertung & Fazit


Relevante Themen in ChristiansFoyer
Directed by…: MICHAEL MANN
Stars im Portrait: JOHNNY DEPP
Stars im Portrait: CHRISTIAN BALE
Spot On: DANTE SPINOTTI

Mehr zum Film

Bewerten & Teilen

cd6d03ea3e6e0b77053afcc110133dc2
  • http://indyfilmblog.wordpress.com indy

    gute review! was mich interessiert: hast du PUBLIC ENEMIES in der orginalfassung geschaut, oder auf deutsch? habe ihn gestern auch gesehen und eine review dazu geschrieben – beim originalton gibts da massive probleme, die den filmgenuss doch extrem beeinträchtigt haben.

    trotz vieler elemente, die mir gefallen haben ist das leider michael manns schwächster film seit langem. ich hoffe sehr, dass er mit seinem nächsten wieder an den großartigen filmen anknüpft, die wir von ihm gewohnt sind.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ahh, da haben wir uns ja über kreuz kommentiert.
      Aber auch hier nochmal: ich hab (zum Glück!) die synchroniserte Fassung gesehen

  • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

    “Mit selbstbewusster Arroganz, [...] und mit seinem offenen Bekenntnis, der meistgesuchte Mann des ganzen Landes zu sein, hätte er wohl auch nicht jede Frau innerhalb weniger Sätze rumgekriegt.” Dem muss ich widersprechen!

    Ansonsten kann ich dir nur zustimmen! Interessante und detaillierte Review.
    Der Film hatte so viel Potenzial, was nicht ausgeschöpft wurde! Allein schon die Kombination Johnny Depp als Dillinger, bzw. die ganze Dillinger Story an sich. Wirklich schade.

    Liebe Grüße

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Danke.
      Ja gut, er ist Johnny Depp, der kann wahrscheinlich sagen was er will ;)

      • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

        Ganz genau ^^

ChristiansFoyer

is written,

produced and directed

by Christian Hoja

Über mich/Impressum
Sitemap
ChristiansFoyer bei:
Facebook
moviepilot
Twitter
Moviereporter
MySpace
Populäre Reviews:
Transformers 3
Take Me Home Tonight
Green Lantern
In Time
Sucker Punch
Populäre Stars:
Dwayne Johnson
Naomi Watts
Colin Firth
Penélope Cruz
Gerard Butler
Populäre Trailer:
The Dark Knight Rises
Alien Armageddon
The Human Centipede II
The Raid
One for the Money

Blogverzeichnisse

Wikio - Top Blog - Film blogoscoop Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.dehttp://www.wikio.debloglist.de Deine moderierte Blogliste