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Review: SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW

Sky Captain and the World of Tomorrow - Abenteuer/SciFi - Freigegeben ab 12

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IN ZAHLEN

Jahr: 2004
Länge: ca. 106 Min

US-Kinostart: 17.09.2004
dt. Kinostart: 18.11.2004

Budget: 15 Mil.
Box Office: 57,9 Mil.
(USA: 37,7 Mil. / weltweit: 20,1 Mil.)
Bestenliste: 85 (weltweit 2004)

CAST

Jude Law
Gwyneth Paltrow
Giovanni Ribisi
Angelina Jolie
Michael Gambon
Bai Ling
Laurence Olivier

CREW

Regie: Kerry Conran

Drehbuch: Kerry Conran

Kamera: Eric Adkins

Schnitt: Sabrina Plisco

Musik: Edward Shearmur


Der Film

Es ist ein Musterbeispiel, aber längst nicht das einzige: im Jahr 2009 sorgte der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp mit seinem auf dem eigenen Kurzfilm Alive in Jo’burg basierenden SciFi-Actioner District 9 für eine mindestens kleine Kinosensation. Ähnliches Glück, das Wohlwollen eines spendierwilligen Produzenten auf seine Seite zu ziehen, hatte 2004 Kerry Conran. In Heimarbeit hatte er nach vier Jahren einen sechsminütigen Clip über die Abenteuer eines gewissen Sky Captain und seiner fliegenden Legion hergestellt, indem er Freunde und Bekannte vor einem Bluescreen platziert und sämtliche Hintergründe am Heim-PC eingefügt hatte. Das besondere dabei: moderne (wenn auch noch eingeschränkte) Technik kombinierte Conran mit dem Look der 1940er und kreierte damit etwas sehr einzigartiges. Das Material gelangte alsbald an Jon Avnet, der zur Realisierung und Vervollständigung des Projektes nicht nur 70 Millionen heranschaffte, sondern zusätzlich Stars wie Jude Law, Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie für das ungewöhnliche, aber künstlerisch herausstechende Projekt gewinnen konnte und dem Debütanten Conran somit beste Vorraussetzungen schuf, einen denkwürdigen Karrierestart hinzulegen. Was abgesehen von der innovativen Technik letztlich nicht völlig gelang.

Gigantische Roboter greifen New York an! Panik in aller Welt! Die Ungetüme erbeuten überall Öl- und Kohlereserven! Nur ein Mann kann helfen: Joe Sullivan, der Sky Captain! Gemeinsam mit der Reporterin Polly Perkins, die gerade an einer Story über verschwundene Wissenschaftler arbeitet, kommt Joe dem geheimnisvollen Drahtzieher der Ereignisse, genannt Dr. Totenkopf, auf die Spur. Das Ex-Liebespärchen muss seine Kabbeleien hinten anstellen, als Totenkopf bei einem Angriff auf die Basis des Sky Captain auch noch dessen Cheftüftler und Freund Dex entführt. Der Held schwingt sich hinter den Steuerknüppel seiner Curtiss P-40 und eilt zur Rettung der Welt!

Die Eröffnung seines Films, vom Anflug des Zeppelins Hindenburg III auf New York bis zur Attacke der Kampfroboter, hat Regisseur Conran quasi 1:1 aus seinem Kurzfilm übernommen, angereichert mit ein paar zusätzlichen Dialogen und handlungsrelevanten Szenen und natürlich durch Tricktechnik, Gwyneth Paltrow und Michael Gambon aufpoliert. Angesiedelt in einer fiktiven Version der 1940er und diesen in Kostümen und Ausstattung nachempfunden, dazu mit fliegenden Zeitungen, altmodischen Auf- und Abblenden und anderen Feinheiten detailreich an jene Filmepoche angelehnt, erweist sich Conrans Technikexperiment jedoch schnell als Gewöhnungssache. Das größte Problem ist dabei, dass es Sky Captain and the World of Tomorrow nicht gelingt, Technik und Nostalgie, artifizielles und echtes auf wirklich homogene Weise zu vereinen, denn im Gegensatz zu tricktechnisch ähnlich realisierten Werken wie 300 oder Sin City verschmilzt hier einfach nicht zufriedenstellend ein Element mit dem anderen. Die visualisierten Comicwelten der Spartaner und Sünder nahmen die in ihrem Vordergrund agierenden Schauspieler wesentlich besser in sich auf, während beispielsweise Paltrow auf ihrer Flucht vor den niederstampfenden Robotern in der absolut künstlichen Umgebung schlicht deplatziert wirkt, wie zwei übereinandergelegte Folien auf einem Tageslichtprojektor. Sich in diese Optik hineinzugucken ist sicher nicht unmöglich, in eine Story und Charaktere hineinzufinden wird da deutlich schwieriger, da eine Gefahr für Paltrows Wohl nicht spürbar wird, während sie zwischen Dingen herumstolpert, die sie sich selbst beim Drehen nur vorstellen konnte.

Dass Sky Captain and the World of Tomorrow nun völlig ohne Reiz bliebe, soll damit allerdings keineswegs behauptet sein. Die Mischung aus Zitierfreude und fortwährend abgedrehter werdenden, aber auch stets augenzwinkernd eingeflochtenen eigenen Ideen, mit der Conran sein Abenteuer präsentiert, besitzt in Ansätzen durchaus die Überzeugungskraft eines Zirkusdirektors: altbewährte Attraktionen werden nur allzu gern ins Programm aufgenommen, den Rest erledigen die Clowns und das alles wird mit so großem Pompöse angeheizt, dass man es dem Mann in der Manege beinahe abzunehmen bereit ist, dass man gerade wirklich Großartiges geboten bekommt. Wenn der heldenhafte Sky Captain den Kampf mit den Robotern aufnimmt, trumpft besonders die Musik ordentlich auf und hievt den Helden auf die Überlebensgröße, auf die es sein Genre-Vetter Indiana Jones lange vor ihm schaffte. Zwar ist von seiner fliegenden Legion, die noch im Kurzfilm in kompletter Formation zur Rettung eilt, nichts zu sehen (was man durchaus als recht wenig sinnhaft kritisieren könnte), die Fliegeraction ist aber auch so rasant und legt später, beim Angriff metallener Vögel auf die Basis des Captain nochmal gehörig an Tempo und Schauwerten zu. Katzebalgend und dank der stimmigen Chemie zwischen Jude Law und Paltrow auch recht vergnüglich stürzt sich Sky Captain and the World of Tomorrow danach mit halsbrecherischen Manövern von einer wilden Episode in die nächste. Abwechslungsreiche Schauplätze rund um den Globus, vom sagenumwobenen Shangri-La auf einen geheimen fliegenden Flugzeugträger der Royal Navy und im selben Schwung runter auf den Meeresboden, sorgen für charmante Pulp-Unterhaltung. Seine Herangehensweise, das Geschehen im Stile von vor 60 Jahren zu inszenieren, hält Conran übrigens bei weitem nicht über den kompletten Film durch, zumindest verzichtet er im Laufe der Story mehr und mehr auf den Detailreichtum der ersten Minuten

Ein bißchen mehr Detailschärfe hätte indes Conrans Held gutgetan. Abgesehen davon, dass Law eine verschmitzt-draufgängerische Performance abliefert, die sein Können zwar längst nicht ausreizt, für sich genommen aber schon in Ordnung geht, ist im Lieferumfang seines Charakterpakets zu wenig Zubehör enthalten. Wirklich großes und originäres, so einen richtigen Gedächtnisparasiten, hat dieser Joe Sullivan nicht in petto. Damit landet er eher in der Kategorie eines Dakota Harris (John Hargreaves in Dakota Harris in der Höhle des Todes) oder Patrick O’Malley (Tom Selleck in Höllenjagd bis ans Ende der Welt), statt sich mit Harrison Ford und seiner Abenteuer-Ikone schlechthin, Indiana Jones, messen zu können. Gwyneth Paltrow erfüllt ihre Aufgabe gut und spielt nicht zu kratzbürstig, sondern durchaus tough und gewitzt. Angelina Jolie als augenklappenbewährte Luftschiffkommandantin ist sicher einer der schrägsten Einfälle des Films und geht dem Sky Captain in ihren wenigen Szenen tatkräftig zur Hand. Giovanni Ribisi gibt einen meist abwesenden Sidekick, die ungekrönte Queen der Nippelblitzer Bai Ling eine vermummte Killerin und der digitale Auftritt Sir Laurence Oliviers bietet ein besonderes Schmankerl.

Sky Captain and the World of Tomorrow with a story from yesterday and the stars of today oder: »You have to open your mind for the ridiculous« (Zitat des Animation Supervisors Robert Dressel). Das Wort “Lächerlich” ware als Gesamturteil sicher eine zu harte Wahl, dafür ist auch die diebische Freude Kerry Conrans und seines (Effekt)Teams zu deutlich spürbar, mit der er einfach nur seine Vision verwirklichen wollte. Trotz des aktuellen Beispiels Neill Blomkamp bekommen dazu ohnehin zu wenige talentierte Filmemacher die Gelegenheit. Allerdings kann man diesen dann auch keinen Freifahrtsschein aussprechen, weshalb schon erwähnt sein muss, dass Conran die Welt der Effekte und jene des physischen Filmemachens ein gutes Stück zu weit auseinanderdividiert und seine Schauspieler vielleicht doch lieber in echten Kulissen hätte positionieren sollen. Als erster seiner Art, als optisch herausstechendes Experiment mit Unterhaltungswert und Tribut an viele Vorbilder verdient sich Sky Captain and the World of Tomorrow zumindest eine Erwähnung.


Wertung & Fazit


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  • Chaos

    Ich liebe diese Film! Wenn man ihn sieht hat man echt das Gefühl das ein Comicheft lebendig wurde!
    Natürlich hätte er in einigen Punkten die du nennst besser sein können aber egal!

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Vor ein paar Jahren, beim ersten Mal ansehen, hat er mir besser gefallen, aus dem Gedächtnis hätt’ ich ihm mehr Punkte gegeben. Aber gestern ist der Funke irgendwie nicht mehr richtig übergesprungen

  • http://ueberfluessigundunwichtig.blogspot.com ueberfluessigundunwichtig

    Ich bin bei diesem Film nicht ganz mit dir einverstanden, ich finde der Film ist einer der besten Science Fiction Filme überhaupt und ausserdem fand ich die Kombination von (tollen) Schauspielern und künstlichem Hintergrund nicht wirklich deplatziert. Dieser Film strotzt nur so vor Ironie und Nostalgie. Trotzdem Danke für deinen Kommentar auf meinem Blog :)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Dank zurück!
      Klar, es ist ein Film, über den man sich sehr gut uneins sein kann und ich hatte ihn irgendwie auch “besser” in Erinnerung, aber jetzt bei der letzten Sichtung war der Eindruck eben eher zwiespältig

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