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Review: Y TU MAMÁ TAMBIÉN



Daten/Zahlen


Y TU MAMÁ TAMBIÉN
Genre: Road Movie/Erotik-Drama
Freigegeben ab: 16
Jahr: 2002
Länge: ca. 101 Min.
dt. Kinostart: 2.05.2002
US Kinostart: 15.03.2002


Budget: unbk.

Box Office: 33,6 Mil.

(USA: 13,8 Mil. / weltweit: 19,7 Mil.)
Bestenliste: 102 (weltweit 2002)

 

Cast & Crew


Regie:
Alfonso Cuarón

Cast:
Diego Luna
Gael García Bernal
Maribel Verdú
Juan Carlos Remolina
Ana López Mercado
Verónica Langer
María Aura
Nathan Grinberg

Drehbuch:
Alfonso Cuarón, Carlos Cuarón

Kamera:
Emmanuel Lubezki

Schnitt:
Alfonso Cuarón, Alex Rodríguez

 
 

Inhalt

Die Freunde Tenoch und Julio kommen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen, der eine Sohn eines einflussreichen Politikers, der andere aus einer Arbeiterfamilie, doch ihren einzigen Interessen steht ihre Herkunft nicht im Wege: alles dreht sich um Sex und Drogen. Als die festen Freundinnen der beiden in den Sommerferien nach Europa reisen lernen die Jugendlichen aus Mexico Stadt die Frau von Tenochs hochmütigem Cousin kennen. Sie laden die attraktive Madrilenin Luisa auf eine Reise zum schönsten Strand Mexicos ein, rechnen jedoch nicht wirklich mit ihrer Zusage. Als aber Luisa von ihrem Mann betrogen wird willigt sie ein. Ohne rechte Ahnung, wo nun dieser schönste aller Strände überhaupt sein soll, fahren Tenoch und Julio mit Luisa los, natürlich längst auch sexuell an der reifen Frau interessiert…

Der Film

Künstler aller Art huldigen gerne und oft und zumeist auf sehr subjektive Art und am verschroben-typischen Orientierten ihrer Heimat. Musiker Peter Fox beschreibt in seinem fünffach Platin-Album Stadtaffe und dem Song Schwarz zu blau das Dicke B, die Spree-Metropole Berlin, als zwar versifften Moloch, dessen Luft er aber ob er will oder nicht zum Atmen braucht. Jean-Pierre Jeunet zeigt in Die fabelhafte Welt der Amélie ein märchenhaft-surreales Kitsch-Paris und Woody Allen macht den Big Apple in seiner New-York-Trilogie, bestehend aus Der Stadtneurotiker, Innenleben und Manhattan, zum Hort der Lebenskrisen und Neurosen. Der Mexicaner Alfonso Cuarón geht es in seinem Y Tu Mamá También ganz anders an. Während jedes der vorgenannten Beispiele seinem Handlungsort mit Leidenschaft, Hassliebe, simpel gesagt: emotional und impulsiv begegnet, fällt Cuaróns Rückkehr in die Heimat nach einigen US-Produktionen absolut nüchtern und objektiv aus. Der Regisseur betrachtet, er nimmt nicht teil und das bei einer Geschichte, die aus irgendwelchen Gründen ungeschickter- und dümmlicherweise als „Mexican Pie“ beworben wird…

Dabei hat Y Tu Mamá También mit dem zotenreichen Apfelkuchengerammel so gut wie nichts gemeinsam. Während sich die Entjungferungsabenteuer der Pie’s (wenigstens im ersten Teil) darum bemühten, neben peinlichen Körpersaftunfällen und Ejakulationspannen wenigstens ein bißchen, allerdings mit Moralfinger und zwei Cent-Botschaft präsentierte Wahrheit aus dem Teenagerleben zu vermitteln, ist Cuaróns Umgang mit seinen triebgesteuerten Protagonisten ein viel weniger verspielter und ganz und gar nicht liebenswerter. Y Tu Mamá También ist nervig, penetrant geradezu, sobald Tenoche und Julio den Mund aufmachen. Zwei Jungs, die nichts besonderes vorhaben, nirgendwo hinwollen, die sich im Auto gegenseitig vollfurzen und sich vorschwärmen, mit wem sie es gern treiben würden, während sie sich nebeneinander einen runterholen. Sie quatschen wild mit ihrem Kifferkumpel Sabo über’s Vögeln, Titten, Schwänze, Muschis…

Die Welt, die um sie herum, die vor, während und nach ihnen passiert, ist Tenoche und Julio egal. Sie bedeutet ihnen nur so viel, wie sie ihnen an Drogen und Muschis zu geben willig ist, um mehr geht es ihnen auch nicht, als sie Luisa kennenlernen. Beim ersten Gespräch mit der schönen Spanierin im betörenden weißen Kleid wird aufdringlich immer einen Schritt näher an ihren Körper heran gerückt, ein Blick auf ihren Hintern geworfen und die Einladung zur Reise an einen fiktiven Strand nur ausgesprochen, um Eindruck zu schinden und mit ein bißchen Glück den nächsten Fick zu ergattern. Als die drei schließlich aufbrechen geht es verbal schnell wieder um nichts als Sex, Tenoch und Julio stellen Luisa das Manifest der Charolastra vor, ihren Ehrenkodex rund um’s Knattern, Masturbieren und wer unter welchen Umständen schwul ist. Luisa, von ihrem Ehemann betrogen und vom Leben nicht befriedigt, steigt auf die Themen der Jungs ein, greift zum Joint, erzählt von ihren eigenen Bummserlebnissen, fragt die beiden nach ihren Techniken, Erfahrungen und Schwänzen aus.

Aber ist Y Tu Mamá También nun ein Film, in dem es nur um Sex in seiner pubertärsten Form geht? Nein, bei weitem nicht, auch wenn fast jeder Dialog sich um nichts anderes dreht. Doch diese belanglos-ordinäre Frivolität, aus der Tenochs und Julios Leben besteht, in das Luisa eindringt, sieht der Film sich mit einer distanzierten Abschätzigkeit an, in der all die Nichtigkeit ihrer Freunschaft und Bedeutungslosigkeit ihres Seins offenbar wird. Wieder und wieder verstummt der Film und es kommentiert eine Stimme aus dem Off, ein unsichtbarer Beobachter, der jene Dinge über die Figuren weiß, die sie einander nie offenbaren würden, der die Geschichten hinter den Kreuzen am Straßenrand kennt, dem die trübe Zukunft jener nicht verborgen ist, denen Tenoch, Julio und Luisa in besseren Zeiten begegnen. Der um all das weiß, was den dreien aus Desinteresse und Selbstbezogenheit verborgen bleibt.

Als Auge dieses Beobachters erweist sich Emmanuel Lubezkis Kamera, die nie statische Posen und Winkel aus dem Lehrbuch für Kamerafürhung einnimmt, sondern die den Blick schweifen lässt, vom Wagen aus den Straßenrand beobachtet, die drei Hauptfiguren mehrmals aus den Augen lässt, wenn es an den Wänden ihrer Wohnungen oder auch in der Küche eines Restaurants beachtenswerteres zu entdecken gibt. Y Tu Mamá También erzählt auf eine Art eine Geschichte des Landes Mexico, deren Beiläufigkeit den vielen leeren Raum füllt, den die eigentliche Story offen lässt. Dennoch macht Cuarón die Probleme des Landes nicht zu denen seines Films, die Eindrücke, die er liefert, sind flüchtig, außer kurz hinzusehen und manches mit kurzen Sätzen zu erläutern bleibt er gleichgültig und benennt eben genau damit das größte aller Probleme. Wo gerade Hollywood-Produktionen mit ihren Schattenseitengeschichten die Anteilnahme des Zuschauers erzwingen wollen, bleibt Y Tu Mamá También sachlich und spröde. Auch die Sexszenen werden nicht zum großen Akt finaler Romantik verklärt, es wird einfach getan, schnell und einfach, manchmal ungeschickt und überhastet. Sieh und hör es dir an, aber entscheide selbst, was du davon halten willst…

Mit Diego Luna und Gael García Bernal als Tenoch und Julio, sowie Maribel Verdú als Luisa hat Y Tu Mamá También ein nicht nur zeigefreudiges Trio, sondern auch eines, das unter den nicht ganz leichten Vorraussetzungen, die der Film ihren Charakteren schafft, hervorragende darstellerische Leistungen liefert. Luna und Bernal nehmen die sexversessenen Bengel bei allem Machogetue ernst, ihre Konflikte werden umso unbedeutender, je wichtiger sie sie nehmen, auch das soziale Gefälle zwischen ihnen machen sie deutlich. Verdú besitzt nicht nur die Reize, um als Lustobjekt Tenochs und Julios zu überzeugen, sie besitzt auch die Stärke und die Verletzlichkeit, um die Frau dahinter zu zeigen, und das nicht nur in Wut- oder Tränenausbrüchen. Ihre Perspektive, das Ergründen ihrer Motivation ist, von den Charakteren ausgehend, sicher mit das spannendste an Y Tu Mamá También.

Alfonso Cuaróns Trip durch die unberührten Weiten Mexicos ist ein Film, der einen recht schnell vergraulen kann, der kaum höher als auf Schritttempo beschleunigt und mit dessen Inszenierung zwischen schwanzgesteuertem Gequatsche und ohren- und augenscheinlich trivialen Randnotizen aus dem Off man sicher nicht von Beginn an etwas anfangen kann und vielleicht für den kompletten Film nicht. Doch das Y Tu Mamá También nicht versucht, platte Weisheiten unter das Volk zu bringen bedeutet nicht, dass dem Film nicht eine gewisse weise Sicht innewohnt, die gerade in ihrer nur scheinbaren Gehaltlosigkeit etwas Authentisches und Überzeugendes schafft. Dazu trägt außerdem bei, das Cuarón auf jedweden in irgendeiner Form emotionsfördernden Soundtrack verzichtet, Musik tönt einzig aus Radios und Jukeboxen.

Wertung & Fazit

Erotik
Spannung
Anspruch
Humor
Darsteller
Regie
FAZIT
Garantiert KEIN Mexican Pie: Alfonso Cuarón inszeniert einen Road Trip der zwar sexuell offenen, aber auch hintergründigen Art.


Mehr zum Film

Bewerten & Teilen

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  • http://www.myspace.com/explosiveolli Sprengstoff Olli

    So, heute endlich mal angesehen (nein, nicht auf Spanisch; die reden mir zu schnell).
    Zuviel Sex, für meinen Geschmack :P , aber nicht uniteressant. :)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      ZUVIEL Sex, hmmm…. ;)
      Na ja, zotig darüber gequatscht wird sicher ein bißchen viel, aber irgendwie hat das ja seine Berechtigung

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produced and directed

by Christian Hoja

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