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Review: AWAY WE GO

Away We Go - Drama/Komödie - Freigegeben ab 12

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Erwartungen:
Nicht hoch bis unter’s Dach, aber von Sam Mendes‘ Regiequalitäten seit American Beauty vollauf überzeugt und der zu erwartenden Art netter Indie-Komödien noch nicht überdrüssig.
HOCH

Umstände:
Freundin im Arm, Lust auf den Film, ein gemütlicher Abend und seitdem der neue 94cm-FullHD-Fernseher im Wohnzimmer steht sowieso immer ein besonderes Vergnügen beim Filmschauen ;)
GUTER EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2009
Länge: ca. 98 Min

US-Kinostart: 5.06.2009
dt. Kinostart: 15.10.2009

Budget: 17 Mil.
Box Office: 13,5 Mil.
(USA: 9,4 Mil. / weltweit: 4,1 Mil.)
Bestenliste: 155 (weltweit 2009)

CAST

John Krasinski
Maya Rudolph
Jeff Daniels
Carmen Ejogo
Jim Gaffigan
Maggie Gyllenhaal
Josh Hamilton
Allison Janney
Melanie Lynskey
Chris Messina
Catherine O’Hara

CREW

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Dave Eggers,
Vendela Vida

Kamera: Ellen Kuras

Schnitt: Sarah Flack

Musik: Alexi Murdoch


Inhalt

Die Anfang dreißigjährigen Burt Farlander und Verona De Tessant leben ein bescheidenes, aber sorgloses gemeinsames Leben. Bis Verona plötzlich schwanger ist. Zwar bricht das Paar nicht etwa in Panik aus, fragt sich aber dennoch, wie mit der neuen Verantwortung umzugehen sein wird. Als Burts Eltern nur drei Monate vor der Geburt beschließen, ihren langgehegten Traum von Belgien zu verwirklichen, hält auch Burt und Verona nichts mehr in ihrem etwas armseligen Heim. Die bestmögliche Heimat wollen sie ihrer Tochter bieten und so beginnt für die beiden eine bunte Reise quer durch Amerika – doch all die alten Bekannten, Freunde, Verwandten und Familien, von denen sie sich Unterstützung erhofft haben, sind ihnen auf die ein oder andere Weise fremd geworden…


Der Film

Für’s locker-leichte war der britische Film- und Theaterregisseur Sam Mendes bislang nicht der richtige Ansprechpartner. Sein satirisch-bitteres Sezieren der Vorstadtgewohnheiten von Kevin Spacey und co. in American Beauty (1999) geriet da noch am ehesten in die Nähe eines reinen Unterhaltungsfilms, danach führte er Tom Hanks melancholisch über die Road to Perdition (2002), ließ Jake Gyllenhaal und Jamie Foxx im Irakkriegsdrama Jarhead (2005) eher gegen zermürbende Langeweile, denn gegen Gegner antreten, und Leonardo DiCaprio und Kate Winslet schickte er schließlich in Zeiten des Aufruhrs (2008) durch die Ehehölle. Schwere Stoffe, von Mendes nicht nur im Umgang mit seinen Figuren, sondern auch dem Publikum ziemlich kompromisslos umgesetzt, aber stets von hoher künstlerischer Qualität. Und nun also Away We Go. Thematisch passt das, denn auch die Geschichte von zwei Lebensproblematikern, die sich plötzlich Verantwortung und Pflichten stellen müssen, hätte in nüchterner Schwere zum existenziellen Drama gemacht werden können. In der Umsetzung aber ist das ein ganz anderer Mendes, als hätte der Regisseur Urlaub von der eigenen Art gebraucht. So ist Away We Go dann auch ein entspannter, optmistischer und Lebenssäfte auffüllender Trip – wenn auch mit kleineren Startholprigkeiten.

»You taste different. Did you know that?« Gerade wundert sich Burt noch beim Oralsex über Veronas veränderten Geschmack, da ist es auch schon Gewissheit: sie ist schwanger. Verona, die in Heimarbeit anatomische Zeichnungen anfertigt, Burt, der mit verstellter Stimme über’s Telefon Versicherungen an den Mann bringt, Burt und Verona, die in einem heruntergekommenen, engen Haus mit einem Fenster aus Pappe im Nirgendwo wohnen. Alles irgendwie ganz in Ordnung, aber auch das richtige für eine kleine Familie? Eher nicht. Wenigstens Burts Eltern leben in der Nähe und sollten weiterhelfen können. Doch ausgerechnet jetzt zieht es die aufgedrehten Alten nach fünfzehn Jahren der tatenlosen Planung nach Belgien. Burt und Verona beschließen den Ausweg aus dem Nirgendwo, machen sich auf den Weg nach Irgendwo. Irgendwohin, wo es Freunde gibt, Beziehungen, Paare, Vorbilder. Erster Halt: Phoenix, Lily und Lowell, ein kinderreiches Paar, sie Veronas ehemalige Chefin, die neuen besten Freunde. Oder eher nicht. Denn Lily hat nichts als zynische Bemerkungen über ihren Nachwuchs übrig, Pokalohren der Sohnemann, Lesbenlook das Töchterchen und auf die Mitteilung, dass ihre Titten früher schöner waren hätte Burt ebenfalls gut verzichten können.

Die erste, wenn man so will, Episode von Away We Go ist typisch. Typsich Independent. Away We Go bedient alles, was Indie-Produktionen wie Garden State, Little Miss Sunshine, Sideways oder Juno in den letzten Jahren so beliebt und zu teils überraschenden Award-Abräumern gemacht hat. Die sympathischen Hauptdarsteller, der einschneidende ernste Anlass, der ihre Leben verändert, kleine Skurrilitäten wie der in die Jacke getackerte Reiseplan, die mehr und minder verrückten Nebenfiguren und ihre ‚kein Blatt vor dem Mund‘-Sprache, ein paar kritische Anmerkungen zu Land und Lage, der zurückgelehnte Gitarren-Pop… es ist alles da und dort, wo es ungeschriebenen Gesetzmäßigkeiten nach hingehört und das in einer solchen Überdeutlichkeit, dass der Einstieg in den Film schwerer als gewollt fällt. Zumindest dann, wenn man erwähnte Genreverwandtschaft nicht blinden Auges und tauben Ohres verfolgt hat. Away We Go ist aber trotzdem mehr geworden, als Sam Mendes‘ filmgewordene Regieanweisung »let’s do an independent film«. Die zweifelnd-verunsicherten Burt und Verona schließt man einfach schnell ins Herz, weil Mendes sie nicht in kopfloser Hysterie zeigt, weil die Schwangerschaft als Ergebnis ihrer Liebe nie in Frage gestellt wird, weil die Harmonie und das Verständnis zwischen den beiden einerseits schön zu beobachten ist, ihre individuellen und gemeinsamen Probleme aber auch nicht zu Nichtigkeiten im Problemverständnis eines Hollywoodfilms degradiert werden. Obwohl die beiden schon ein wenig darum zu beneiden sind, sich beruflich und wohl auch in einem gewissen finanziellen Rahmen unabhängig auf der Suche nach der idealen Bleibe durch das Land bewegen zu können…

…was als Storyantrieb aber unschwer zu akzeptieren ist. Immerhin wird ihre Suche beschwerlich und ernüchternd genug, egal, ob sie bei Burts verplanter Esoterik-Cousine landen, für die Buggys ein Symbol der Entfremdung sind, bei ihren Collegefreunden Tom und Munch, die zwar reichlich Kinder adoptiert haben, aber nach mehreren Fehlgeburten verzweifeln, oder bei Burts Bruder, der soeben von seiner Frau verlassen und mit der gemeinsamen Tochter zurückgelassen wurde – keines der vorgefundenen Lebens- und Familienmodelle erweist sich als vorbildhaft, keiner der alten Freunde und Verwandten hat selbst gefunden, wonach Burt und Verona suchen. Away We Go wechselt während seiner weiteren Episoden, die alle durch eine knappe Texteinblendung voneinander getrennt werden, zwischen Tragik und Witz, bitterböser Überspitzung und sanftmütiger Gefühlsbetontheit. Dabei wird nicht jedem Ausflugsziel nur ein Attribut zugewiesen, das eine greift ins andere, wechselt sich mit ihm ab und Mendes schreckt auch vor kompletten Stimmungsumschwüngen innerhalb der selben Szene nicht zurück.

Die Konstante sind dabei natürlich Burt und Verona, die sich beschämt und ungläubig, verletzt und bedauernd ansehen, was ihnen da geboten wird und währenddessen versuchen, sich selbst und ihren Weg zu finden. Maya Rudolph und John Krasinski machen ihre Sache ganz wunderbar, mit kleinen Macken, entwaffnendem Charme und ehrlichem Witz, der nicht mal dann den richtigen Ton verfehlt, wenn es um das Wiederfinden der Vagina nach der Geburt geht. Das aller vielschichtigste Charakterportrait liefert Away We Go nicht, dafür bleibt er auch in den tragischsten Anklängen zu leicht, enden die meisten ernsten Gespräche auf einen, wohlgemerkt höchst gescheiten, Wortwitz. Viel entscheidender ist aber auch, dass Verona und Burt dank Rudolph und Krasinski neben den zahlreichen Abgedrehten und Nichtklarkommern echt, atmend und lebendig wirken. Die Nebenfiguren sind mit Jeff Daniels, Catherine O’Hara, Maggie Gyllenhaal und Monica Lynskey namhafter besetzt, ihre teils auf ein paar Minuten und Szenen begrenzte Screentime füllen sie alle blendend aus. Besonders Gyllenhaals Auftritt als fremdstillende und in anderen Sphären schwebende LN ist köstlich und fast ins Groteske überzogen.

Ohne Hetze, ohne sich einzubilden, die ganz besonders wichtige Geschichte zu erzählen zu haben, aber mit der Fähigkeit, gleichsam sensibel und urkomisch, zurückhaltend und erfrischend zu sein, ist Away We Go ein feiner leiser Film. Mendes und das Autorenehe- und -elternpaar Dave Eggers und Vendela Vida ketten den Film an keine zwingende Moral von der Geschicht, verbreiten keine weisen Lehren über das Elternsein und –werden, walzen keine Zoten um Fressflashs und Nippelempfindlichkeit aus. Sie liefern einfach nur den wunderschön bebilderten Reisebericht einer wenig erhellenden, aber aufheiternden Tour durch Nordamerika. Der Sountrack des Londoner Singer-Songwriter Alexi Murdoch ist das anschmiegsame Pendant zu dem, was Ellen Kuras mit ihrer Kamera in weiten und nahen Einstellungen einfängt und beobachtet, die spitzfindig-natürlichen Dialoge sind eine ebenso große Freude wie die Schauspieler, die sie zu sagen bekommen. Das alles macht Away We Go nicht zu einem herausragenden Film oder Genrerevolutionär, sehr wohl aber zu einem freundlich-liebenswerten Zeitvertreib.


Wertung & Fazit


Mehr zum Film

Holt euch den Film

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Away We Go auf DVD

Bewerten & Teilen

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  • http://plopper.wordpress.com graval

    Au toll, den wollte ich bereits kürzlich mal sehen. Dein Review macht wieder Lust auf mehr, auch wenn Maggie Gyllenhall mitmacht, die mag ich irgendwie je länger je weniger…

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Das ist bei mir eher umgekehrt, wird dich hier aber kaum stören, einfach weil’s an ihrer Rolle ohnehin nicht wirklich was mögenswertes gibt ;)

  • http://plopper.wordpress.com graval

    Nun, dann werde ich den Film wohl demnächst kaufen :)

  • http://mylifeinreverse.wordpress.com/ Dr. Borstel

    Ah, den will ich auch noch sehen.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Lohnt, viel Spaß!

  • http://www.independentfilme.com indiefreak

    Unbedingte Kaufempfehlung ;-) Kann deiner Review (mal wieder) nur beistimmen!
    AWAY WE GO war mein persönliches Kinohighlight 2009 – ich hab dem Film übrigens mit 8,5/10 bewertet-> http://bit.ly/cSGNAn

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ich hab ‘n vor ein paar Tagen sogar zum Schnäppchenpreis von €5 abgestaubt, da ist’s erst recht den Kauf wert ;)

  • http://goingtothemovies.wordpress.com donpozuelo

    Ja, ein gutes Feel-Good-Movie. Hat mir damals auch sehr gut gefallen.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Freut mich ;)

  • http://doscorazonesblog.wordpress.com/ Dos Corazones

    Muss ich auch noch sehen, ich höre schließlich nur gutes darüber!

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produced and directed

by Christian Hoja

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