

Daten/ZahlenKAMPF DER TITANEN (OT: Clash of the Titans) Genre: Fantasy-/Action-Abenteuer Freigegeben ab: 12 Jahr: 2010 Länge: ca. 106 Min. dt. Kinostart: 8.04.2010 US Kinostart: 2.04.2010
Cast & CrewRegie: Louis Leterrier Cast: Drehbuch: Kamera: Schnitt: Musik: |
»Does it depress you, Sam Worthington«, würde der Joker aus The Dark Knight fragen, »to know just how unnecessary you really are?« Der gebürtige Engländer und Shooting Star Sam Worthington hat wohl eigentlich momentan mehr Grund sich selbst auf die Schulter zu klopfen, als annähernd jeder seiner arrivierten Kollegen. Drei große Hollywood-Blockbuster hat der Kurzhaarträger hinter sich gebracht, die weltweit schier unfassbare $3,6 Milliarden eingespielt haben. Aber… wieviel hat dieser Sam Worthington damit eigentlich wirklich zu tun, what’s he really worth? Terminator Salvation war gemessen an den Erwartungen auch finanziell eine Enttäuschung, James Camerons Avatar (beide 2009) verdankt seine Rekordergebnisse nicht zuletzt den Aufpreisen für 3D-Vorstellungen, Worthington selbst blieb in den trickdominierten Spektakeln, einmal als Halbmaschine, einmal überwiegend als CGI-Geschöpf, eher blass. Seine von der Idee her recht interessanten Figuren waren letztlich zwar vor allem schlecht und uninteressant geschrieben, wurden durch Worthingtons (angebliches) Charisma aber auch nicht eindringlicher oder überhaupt nur sympathisch. Aber im Zweifel hat man das noch auf die erdrückende Effektarbeit schieben können, die seine Fähigkeiten schlicht überlagerte. Mit Blockbuster Nummer drei, dem Remake des Ray Harryhausen-Klassikers Kampf der Titanen, tritt also erstmals der echte Sam Worthington an, seine vielen Angeblichkeiten befreit von praktischen und computergenerierten Masken und Firlevanz zu bestätigen.
Inhalt
In einer Zeit, in der die Menschen sich von den Göttern ab- und gegen sie wenden: der einfache Fischer Spyros birgt eine Truhe aus dem Meer, aus der er den Säugling Perseus rettet. Perseus Mutter indes ist dem Tod geweiht. Jahre später, als die Menschen mit ihren gotteslästerlichen Taten endgültig den Zorn des Olymp heraufbeschwören, fallen Perseus‘ Pflegeeltern der grausamen Hand Hades‘ zum Opfer, dem Herrscher der Unterwelt. Dieser wendet sich an Göttervater Zeus und überredet ihn, die Menschen mit aller Härte für ihre Sünden zu strafen. In zehn Tagen, so droht Hades der Stadt Argos an, wird er aus den Tiefen des Meeres den gigantischen Kraken entfesseln, der Argos entweder zerstören, oder aber die Prinzessin Andromeda als Opfergabe bekommen wird. Doch Perseus, der sein wahres Schicksal erkennen muss, stellt sich mit einer Hand voll Männer den finsteren Plänen in den Weg und macht sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, den Kraken zu vernichten…
Der Film
Es gibt sicher neuverfilmungsunwürdigeres Material, als den originalen Kampf der Titanen von 1981. Heutzutage natürlich erst recht, aber auch schon damals wirkten die einst Aufsehen erregenden StopMotion-Tricks Ray Harryhausens überholt, George Lucas hatte mit seinen bis dato zwei Star Wars-Filmen neue Standarts definiert, Harryhausen selbst zuvor ebenfalls bessere Arbeiten vorgelegt. Story, Dialoge und Schauspiel (zumindest jenes des Harry Hamlin in der Rolle des Helden Perseus) gaben nicht viel her, Kampf der Titanen profitiert also mittlerweile von einem gewissen Nostalgiebonus und dem Charme seiner Machart. Trotzdem sollte da im Jahr 2010 in mehrerlei, nicht nur tricktechnischer, Hinsicht mehr drin sein. Louis Leterrier unternimmt nicht den verkehrtesten Schritt, wenn er die Geschichte in vielen wesentlichen Punkten vom Original abweichen lässt, also gar nicht zwingend ein Remake inszeniert, sondern eine moderne Fassung oder Interpretation der Perseussage. Der bleibt Leterrier ebensowenig treu, wie anno 1981 Desmond Davis, dennoch rückt es die 2010er Version in ein halbwegs eigenes Licht.
Die Söhne wenden sich gegen ihre Väter: aus dem Off berichtet die später vorgestellte Io vom Sturz der Titanen durch ihre Schöpfung, die Götter. Sie berichtet von der Ordnung zwischen Himmel und Unterwelt, wie Zeus die Menschen schuf und diese zu zweifeln begannen, sich widerum gegen ihre Schöpfer und Herrscher wandten. Die ganz großen Schauwerte hält Leterriers Kampf der Titanen hier noch zurück, statt selbiger Titanen und ihres Sturzes gibt es einige schicke Sternenbilder zur Untermalung der Erzählung. Wichtiger ist auch der Säugling, der in die Arme des Fischers Spyros gespült wird und in dessen Hand es eines Tages liegen wird, alles zu verändern. Er ist Perseus, Sohn des Zeus und einer sterblichen Königin, von deren Gemahl aus Zorn und Wut über die Täuschung und Schändung des Gottes dem Tode überlassen. Spyros und seine Frau nehmen den Jungen wie ihren eigenen an. Perseus wächst als Fischer auf und erlebt seinen Vater zwölf Jahre später erzürnt über den schlechten Fang, über die Ungnade der Götter. Wenig später werden sie Zeuge, wie ein Trupp Soldaten die riesige Statur des Zeus ins Meer stürzt, wie der Mensch dem Herrscher des Olymps Liebe, Respekt und Achtung entzieht. Bis dahin ist mehrmals die Rede von den Untaten und den Zerstörungen der Götter, davon, wie wenig der Sklave Mensch ihnen noch zu Dank verpflichtet ist. Etwas seltsam mutet es an, dass all diese aufgebrachten Worte in einem $125 Millionen teuren Spektakel nie größer werden und weiterreichen, als über das Fischerboot einer einzelnen kleinen Familie hinaus. Eine wirkliche Dimension schafft sich Kampf der Titanen nämlich nicht, wenn er nur davon redet, was die Götter den Menschen antun, aber nichts davon zeigt, keine Ungerechtigkeiten, keine Verwüstungen, keine so ganz nachvollziehbaren Gründe der Menschen, gegen den Olymp aufzubegehren.
„Show, don’t tell“ geht sicher anders, aber whatever, mit ein paar Harpyien, die die Soldaten angreifen und sich als Herrscher der Unterwelt Hades offenbaren, entfesselt Leterrier die ersten Kreaturen und mit der Zerstörung von Spyros‘ Schiff durch Hades‘ Hand bindet er das Schicksal Perseus‘ an dessen ganz persönlichen Wunsch nach Rache am Göttervölk und vorrangig des schwarzen Schafs. Der von Rauch und Glut umwehte Hades mobilisiert anschließend den Olymp und wendet sich mit Zustimmung Zeus‘ der gotteslästerlichen Bevölkerung von Argos zu. Zehn Tage, bis der gefürchtete Krake die Stadt zerstört, oder die königliche Tochter Andromeda verschlingt. Nebenbei wird Perseus von Hades seine Herkunft offenbart und der Halbgott wird nach anfänglichem Misstrauen zur letzten Hoffnung für Argos erklärt. Zusammen mit dem Hauptmann Draco und ein paar unerfahrenen oder überalterten Soldaten (der Großteil des Heeres wurde von den Göttern niedergeschlagen, was wiederum nur nebenher erwähnt wird) macht sich Perseus auf den Weg zu den drei stygischen Hexen, die wissen, durch welche Macht der Kraken zu bezwingen ist. Die Rettung der Stadt oder das Leben der lieblichen Andromeda hat Perseus dabei nur nebenbei im Sinne, hauptsächlich geht es ihm um Hades, dessen Kräfte von Perseus‘ Beschützerin Io fix noch in ein Verhältnis zur Tötung des Untieres gesetzt werden.
Diese ersten Ereignisse, die das eigentliche Abenteuer in Gang setzen, bewerben sich ganz ungeniert um einen der forderen Plätze, wenn es um die Anzahl ihrer „because the plot says so“-Momente geht. Leterrier, seine drei Drehbuchautoren, aber auch einige vom Studio angeordnete Änderungen des Plots und Abweichungen vom Original (in dem Perseus mit Andromeda immerhin verheiratet ist) wuppen den Film hier teils bedrohlich nah ans belanglose Herunterbehaupten später aufzugreifender Thesen (warum sollte ein gerissener Kerl wie Hades seine Gesundheit denn bitte an die eines Geschöpfes binden, das er selbst erschaffen hat?). Irgendwie ist das Ganze aber auch so herrlich naiv und bescheuert und dabei so aufplusternd offensiv im Umgang damit, dass das alles schließlich gar nicht so schwer zu akzeptieren ist. Kampf der Titanen ist, als beobachte man Kinder beim Spielen. »Ich bin unbesiegbar!« »Neee, warum?« »Eben darum!«. Und so, wie sich Kinder dann entweder in die Haare kriegen, oder das behauptete einfach akzeptieren und weitermachen, so kann man sich auch mit Kampf der Titanen auseinandersetzen und arrangieren.
Zumal der Film, nachdem er ein gewisses Maß an Sinnfreiheit ohne Zurückhaltung etabliert hat, dieses anschließend nicht ständig unterschreitet, bis es willkürlich und ärgerlich wird, sondern auf dem ausgiebig flach getretenen Boden eine recht unterhaltsame Show abliefert. Der Kampf der Titanen ist eigentlich ein Kampf mit den Kreaturen, der Halbgott und seine Gruppe von Schwert-, Stachel- und Gorgonenfutter treten der Reihe nach gegen den verunstalteten Calibos, gegen die aus dessen But geborenen meterhohen Skorpione und gegen die schlangenhaarige Medusa und ihren versteinernden Blick an. Das ist mehr Level-Architektur, als erzählte Geschichte, mehr Videospielästetik, denn große Kinomagie. Aber durch ein teils tatsächlich phantastisches Design der Kreaturen und ihres in der Mehrzahl gelungenen Einsatzes in den Actionsequenzen ist auch das letztlich schön trahiges Gebalge mit allerlei Mythen- und Sagengekreuche. Etwas ab fällt höchstens die CGI-Medusa, die weder mit dem Antlitz des russischen Models Natalia Vodianova, noch mit verzerrter Fratze so recht den Schrecken erzeugen kann, den sie erzeugen sollte. Doch sowohl die scherenbewährten Achtbeiner, der von Hades mit Überkräften ausgestattete Calibos und auch die hölzernen Djinn, die Perseus später unterstützen, sowie Charon, der Fährmann der Unterwelt, hinterlassen düsteren Eindruck. Zusammen mit den außerhalb von Argos weiten und kargen Landschaften sorgen sie auch dafür, dass der Kampf der Titanen nicht zu glatt poliert ausgetragen wird. Ernst zu nehmen ist das Spektakel sicher nicht, weichgeklopftes und buntes Hollywood-Schön-Wetter-Kino aber auch nicht.
Dazu passen auch die grimmigen Mienen von Sam Worthington und seiner recht gesichtslosen Begleiterschar. Abgesehen vom knurrigen Mads Mikkelsen und der knusprigen Gemma Arterton wird auf die eigentlich überhaupt kein Wert gelegt, während jedes Gefechts lassen ein paar von ihnen ihr Leben, ohne dass man zu sagen wüsste, wer das nun gewesen ist und wer genau noch übrig ist. Worthington indes zeigt sich physisch der Rolle des Halbgottes Perseus absolut gewachsen, nachdem er zu Anfang meint »I mend nets, not wield a sword« fühlt er sich in Rüstung und an der Klinge recht schnell heimisch und legt ein paar ansehnliche Manöver in seinen Fights hin. Dass der grantige Perseus mit seinem inneren Konflikt zwischen Mensch und Gott, dem Zwiespalt, die Macht eines Gottes zu besitzen, aber ein Mensch bleiben und als Mensch kämpfen zu wollen, schon auch Potenzial besäße, eine etwas tiefere Ebene zu betreten, davon lässt Worthingtons Spiel nicht viel erahnen. Der Australier ist zweifellos kein Schauspieler jener Sorte, denen man jede Sekunde Leinwandzeit verübelt, keiner, der einen guten Film komplett runterzieht (obwohl… anhand welches Films ließe sich das bisher beweisen?), kein total und nur ärgerliches Holzgesicht, mit anderen Worten: der ist schon auf seine Art ein ganz dufter Typ, aber die Rolle, in der er wirklich glänzen kann, muss er auch nach Kampf der Titanen erst noch zu spielen bekommen. Solche Rollen hat die Götterschar in Person von Ralph Fiennes und Liam Neeson, aber auch Danny Huston oder Alexander Siddig, längst hinter sich und daher können es sich die Herren erlauben, entweder kaum zu sehen zu sein oder mit Freude an der Sache theatralisch aufzudrehen.
Wenn am Ende dann Liam Neeson alias Zeus »Release the Kraken!« gröhlt und sich das gigantomanische Ungetüm aus den Gewässern vor Argos schält ist (oder um Vergnügen an dem Film zu haben sollte es das zumindest) Kampf der Titanen längst soviel an Plattheit und Spektakelfixierung vergeben, dass man sich dabei ertappt, dass man sich das gerne auch noch ein paar Minuten länger angesehen hätte. Auch deshalb, weil der Kraken wahrlich rockt und das mächtige Planiertier sich gerne noch ausführlicher mit Argos hätte beschäftigen dürfen. Da schulterzuckt man, wenn es sein muss, eben so einiges weg und bekommt dafür ordentliche Monsterhaue, bei der mit jedem weiteren Vieh noch eine Schippe draufgelegt wird. Von der teils hochkarätigen Darstellergarde wird niemand gefordert, was gefragt ist wird aber geliefert. Sam Worthington ist halt auch dabei, stört nicht weiter, entlockt einem aber auch keinerlei besondere Regung und kann die eigentliche Ambivalenz seines Charakters nicht zu mimischen Großtaten nutzen, er ist eben nur das bockigste der streitenden Kinder. »Ich bin unbesiegbar!« »Neee, warum?« »Eben darum!«. Ja, ja, ist schon gut, jetzt geht aber auch erst mal wieder ins Haus und kommt frühestens zum Sequel wieder raus…
Wertung & Fazit
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