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Jahr: 2008
Länge: ca. 87 Min
US-Kinostart: 25.01.2008
dt. Kinostart: 14.02.2008
Budget: 50 Mil.
Box Office: 113 Mil.
(USA: 42,7 Mil. / weltweit: 70,4 Mil.)
Bestenliste: 52 (weltweit 2008)
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CAST
Sylvester Stallone
Julie Benz
Matthew Marsden
Graham McTavish
Reynaldo Gallegos
Jake La Botz
Tim Kang
Paul Schulze
Muang Muang Khin |
CREW
Regie: Sylvester Stallone
Drehbuch: Art Monterastelli,
Sylvester Stallone
Kamera: Glen MacPherson
Schnitt: Sean Albertson
Musik: Brian Tyler
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Sylvester Stallone sehnt sich nach den vergangenen Zeiten. Ist auch verständlich, denn nachdem die glorreiche Ära der 80er Jahre-Actionfilme sich in ihrer bewährten Machart gegen Mitte der 1990 in den verdienten Ruhestand zurück zog kippte einer der größten Stars jener Tage plötzlich der Bedeutungslosigkeit entgegen. Stallone vermochte schlicht keinen Platz für sich zu finden in einer Filmwelt, in der von heute auf morgen niemand mehr die muskelbepackten Supermänner von einst sehen wollte, in der nun ein anderer Typus gefragt war, in der immer öfter der Normalo in die Schlacht zog, dabei selbstironische oder gar softe Seiten zeigen durfte. Neue Publikumsmagneten entwuchsen diesen neuen Actionzeiten, überlebensgroße Megastars wie Stallone und sein einst härtester Konkurrent Arnold Schwarzenegger wurden nicht nur von imagekonträren Kollegen abgelöst, sondern mehr und mehr auch von den Möglichkeiten, die die fortschreitenden CGI-Techniken den Filmemachern an die Hand gaben. Doch als es für Stallone schon fast nach einer Zukunft im Direct-to-DVD-Bereich aussah drängte er mit seinen alten Helden zurück ins Kino: Rocky Balboa (2006), der sechste Teil des Boxer-Franchise, wurde nach viel vorangegangenem Spot zum passablen Kritiker- und Publikumshit und gestärkt ging der 1946 geborene Sly die Rückkehr DER Actionikone schlechthin an.
Seitdem der Vietnamveteran John J. Rambo in einer Kleinstadt ausgetickt ist, eine Haftstrafe verbüßt hat, danach in Vietnam noch einmal zeigen durfte, dass der Amerikaner überall gewinnt und schließlich die Sowjetunion aus Afghanistan vertrieben hat, sind viele Jahre vergangen. Rambo hat sich nach Thailand zurückgezogen, lebt als Schlangenfänger und Bootskapitän. Eines Tages wird er von einer Gruppe christlicher Missionare um den Arzt Michael Burnett und die idealistische Sarah Miller angesprochen. Auf dem Seeweg soll Rambo sie und ihre Hilfsgüter ins Kriegsgebiet Burma bringen, wo die Missionare in einem abgelegenen Dorf medizinische und geistliche Hilfe leisten wollen. Rambo führt den Auftrag widerwillig aus, erfährt aber wenig später, dass das Dorf vernichtet und die Missionare entführt wurden. Nun soll der desillusionierte Kriegsheld einen Trupp Söldner nach Burma bringen – und Rambo erkennt, dass auch er selbst noch ein letztes Mal in einen Krieg eingreifen muss…
Außer Stallone selbst: braucht sie irgendwer wirklich, die Rückkehr des John Rambo nach zwanzig Jahren Leinwandabstinenz? Autor David Morrell ließ den Kriegsheimkehrer in seinem Roman First Blood (1972) nach einem sehr viel rücksichtsloseren und weniger heldentauglichen Feldzug, als der erste Film daraus machen würde, am Ende konsequenterweise sterben. Dem Kinopublikum wären durch Rambos Tod zwei ans urinstinktlichste appelierende shoot’n’shout-Sequels erspart geblieben und die Reagan-Ära hätte sich einen anderen Posterboy suchen müssen. Stallone hingegen könnte auf gut 500 weltweit eingespielte Millionen weniger stolz sein und müsste heutzutage wahrscheinlich tatenlos zusehen, wie die Actionfilmwelt von Comicverfilmungen und Cyber- und CG-Spektakeln wie Transformers, Gamer oder G.I. Joe bestimmt wird. So aber brachte er mit John Rambo dem Genre das rohe und archaische zurück, mit dem er es einst geprägt hatte, und das in einer Härte und Brutaliät, wie man es kaum fassen kann.
Wie bei den Vorgängern bedienen sich John Rambo und sein Macher bei einem realen Konflikt, diesmal aber nicht, um in totaler reaktionärer Überhöhung einen verlorenen Krieg nachträglich zu gewinnen oder sinnbildlich vorsintflutlichen Feindbildern in den Arsch zu treten. Stallone hat sich einen Kriegsschauplatz ausgesucht, der in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Präsenz besitzt. Rambo geht nach Birma, dorthin, wo die regierende Militärjunta seit Jahrzehnten politische Oppositionsbewegungen und ethische Minderheiten unterdrückt und dabei mit einer unbeschreiblichen Grausamkeit vorgeht. Seit sechzig Jahren herrscht dort zwischen den Volksgruppen der Birmanen und der Karen der längste Bürgerkrieg der Menschheitsgeschichte, von dessen Folterungen und Hinrichtungen und militärischer Unterdrückung der Film anhand einiger Nachrichtenschnipsel zu Anfang berichtet. Wo also Rambo II und III aus Realitätit und Tatsachen einen fast fiktiven Feuchttraum rechtspolitischen Gedankenguts nachstellten will Stallone in John Rambo etwas authentisches, etwas erschütterndes, etwas aufrüttelndes und tatsächlich spricht er seinem Film wohl allen ernstes diese Attribute zu und will ihn damit wieder näher am ersten Teil positioniert wissen.
Diesem und der dort eingeführten Figur John J. Rambo hat Stallone im Grunde aber rein gar nichts hinzuzufügen, zum einen, da er von Figuren und Charakterisierung einfach nichts versteht, zum anderen, weil Rambo nach Teil II und III keine Figur mehr ist, sondern höchstens noch eine recht überschaubare Ansammlung martialischer Eigenschaften, ein stumpfer Wesenszug oder eine beschränkte Geisteshaltung mit eigenem Dudeneintrag. Auch optisch unterscheidet sich der aufgedunsene Stallone von seinem 1982er Ich natürlich wie der Teig vom Kuchen. Das er mit einem aus Szenen der ersten Filme bestehenden Alptraum und einigen Ansagen aus dem Off ans eigene Selbst versucht, Rambo sich als Monster erkennen zu lassen, das für niemanden außer sich selbst getötet hat, bleibt ein recht plumper Ansatz, um aus der Figur jenes entrückte und abgewrackte Subjekt zu machen, das Morell einst im Sinn hatte. Außerdem schmeißt Stallone seinen Rambo in einen storytechnischen Kreisverkehr, indem er sich wieder einmal nicht als verkehrstauglich zeigt. Wie in den Vorgängern wird Rambo um Hilfe gebeten, wie in Teil III will er erst nicht so recht, wie 1985 und ’88 gibt es Gefangene, die er aus was auch immer für Gründen rauszuhauen beschließt.
An etwas wie Gründen mangelt es sowieso dem ganzen Film. Die Missionare bitten Rambo um Hilfe, ohne irgendeine Ahnung zu haben, wer er ist, und von der kritischen Lage in Birma scheinen sie auch nur temporär etwas mitbekommen zu haben. Da kann der Leiter der Gruppe, der Arzt Michael Burnett, auch gerne erzählen, er sei bereits mehrmals vor Ort gewesen, die ganze „Gewalt ist keine Lösung“-Haltung der Missionare ist so naiv dargestellt, wie Stallone sie wohl auch wirklich einschätzt. Das führt zu einigen ungelenken Dialogen zwischen Rambo und der engagierten Sarah, die ohne jegliche Entwicklung zwischen- oder Kenntnis voneinander in Worten reden, wie sie sich aus so viel gegenseitiger Unwissenheit heraus einfach nur seltsam und platt anhören. Klingt halt komisch, an die Ehre und den Glauben von jemandem zu appelieren, nach dessen Namen man zuvor noch nichtmal gefragt hat. Das klappte zwischen Rambo und seinem vertrauten Colonel Trautman besser. Aber mehr als das Gegeneinanderstellen zweier grob skizzierter Standpunkte vor dem Hintergrund des großen bösen Konflikts, in den Rambo schließlich doch einzugreifen beschließt, interessiert Stallone ja auch gar nicht.
Jener Konflikt ist einer, dessen Art und Ausmaß kaum begreiflich scheint, das ist eine Art der Kriegsführung, eine Form der Brutalität, wie man sie nicht verstehen kann. Ob und wieviel Sylvester Stallone verstanden hat ist schwer zu sagen. Die Taten der Militärjunta inszeniert er als ein beispielloses Gemetzel, wie es wohl auch tatsächlich stattfindet: hilf- und schutzlose Bauern werden erschossen, aufgeschlitzt, enthauptet, verbrannt, geschändet, vor niemandem wird Halt gemacht, Kugeln schlagen hier auch in Kinderkörpern ein, der Film zeigt nach fünfundzwanzig Spielminuten ein magenverdrehendes Massaker. Alles im Namen dessen, Aufmerksamkeit für diese Greueltaten zu erwecken, um auf die härteste Weise ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was dort in Birma vor sich geht. Das Fehlen von Sinn und Verstand bei der eigentlichen Handlung von John Rambo könnte man da schon fast als gewollt erklären, denn solche Parameter herrschen hier nicht. Einem politisch aussagewilligen und –kräftigen Film wie Stephen Gaghans Syriana (2005) warf man seine Komplexität vor, die er quasi vor seine Wirkung stellte, John Rambo hingegen ist auf nichts anderes als Wirkung aus, will bis an die Grenzen des Zeig- und Zumutbaren schockieren und verdeutlichen. Da darf dann auch gleich mehrmals in Nahaufnahme zu sehen sein, wie einer der gefangenen Missionare von den Beinen aufwärts von Schweinen aufgefressen wird.
Aber: so heftig, ungeschönt, dreckig und aufwühlend John Rambo in seiner Gewaltdarstellung auch ist, mehr fällt Stallone am anderen Ende nicht ein. Die friedenswilligen Missionare macht er fast schon lächerlich, wenn sie Rambos Gegengewalt nicht einmal begreifen wollen, als er Sarah vor dem Zugriff einiger burmesischer Piraten bewahrt, indem er ihnen die Köpfe zu Brei schießt. Die identitätslosen Bösen werden hier auf eine Weise dargestellt, die so radikal wie natürlich absolut manipulativ ist. Sie schlachten wehrlose Menschen ab, vergehen sich an Frauen und Kindern, und das führt für den Film und sicher auch für einen nicht geringen Teil seines Publikums zu einem simplen Urteil: solche Gegner verdienen es selbst keinen Meter weit besser. Entsprechend gehören solche Gegner nicht einfach erschossen oder erstochen, nein, solchen Gegnern reißt man mit bloßen Händen die Kehlköpfe raus, zerballert sie Gliedmaß um Gliedmaß, schlitzt ihnen die Eingeweide aus dem Körper und selbst als christlicher Missionar greift man letztlich zum Stein und zermatscht einen Schädel. Gegenmaßnahmen des Films, um eine Wahrnehmung der Gewalt als um der Gewalt willen stattfindent zu verhindern: gleich Null.
So viele Körper hat man noch nicht explodieren, so viele Körperteile noch nicht wegfliegen, so viele Köpfe noch nicht platzen gesehen. 236 Tode zählte die Los Angeles Times in John Rambo, gefühlt könnte da glatt noch eine Null hintendran fehlen. Nachwirken tut diese Metzelorgie, einerseits als genau das, andererseits aber auch als ein Actionfilm, wie er brachialer und mit weniger (im Verständnis des Genres überflüssigem) Drumdran am eigentlichen Kern nicht inszeniert sein kann. Stallone vernachlässigt dabei alles, was für einen Film wichtig gewesen wäre, trifft aber so ziemlich das, was für die Wirkung unerlässlich ist, die er wohl erreichen wollte. Dadurch macht er aus John Rambo einen schwer verdaulichen und trotz aller Ähnlichkeiten im Vergleich zu den Vorgängern im Ton ganz anderen Film, der an einigen Stellen dementsprechende Missklänge anstimmt. Denn Sprüche wie »Live for nothing or die for something« oder die burmesischen Soldaten, die irgendwie keinen Grund sehen, sich aus Rambos zerstörerischer Schusslinie zu bewegen, paaren sich nur widerwillig mit dem Ultrarealismus des Kriegsgeschehens. Das ist nicht so nachhallend wie Teil eins und nicht auf so hohlköpfig-unfreiwillig spaßige Weise unterhaltend, wie es die Teile II und III bei entsprechender Herangehensweise sein können, sondern macht John Rambo zu irgendetwas schwer bewertbarem zwischen der durch seine brutale Darstellung voll einschlagenden Wirkung und seiner filmdramaturgischen Bedeutungs- und Gehaltlosigkeit.
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