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Review: COP LAND

Cop Land - Thriller-Drama - Freigegeben ab 12



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IN ZAHLEN

Jahr: 1997
Länge: ca. 101 Min

US-Kinostart: 15.08.1997
dt. Kinostart: 29.01.1998

Budget: 15 Mil.
Box Office: 63,6 Mil.
(USA: 44,8 Mil. / weltweit: 18,8 Mil.)
Bestenliste: 47 (weltweit 1997)

CAST

Sylvester Stallone
Robert De Niro
Ray Liotta
Harvey Keitel
Robert Patrick
Annabella Sciorra
Frank Vincent
Peter Berg
Michael Rapaport
Janeane Garofalo

CREW

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold

Kamera: Eric Alan Edwards

Schnitt: Craig McKay

Musik: Howard Shore,
Bruce Springsteen


Der Film

Direkt gegenüber von New York City, nur durch den Hudson River getrennt, liegt im Bundesstaat New Jersey die Kleinstadt Garrison. Garrison ist Cop Land, denn die Mehrzahl der 1.280 Einwohner sind Beamte des NYPD, die hier ihre Freiheiten genießen, nicht wenige mit illegalem Hintergrund. Sheriff der Stadt ist der halbseitig taube Freddy Heflin, der es seiner gesundheitlichen Einschränkung wegen nicht zum richtigen Cop geschafft hat und ohne wirkliche Autorität die Beamten um Ray Donlan gewähren lässt. Doch dem verruchten Idyll droht Ungemach, als Donlans Neffe und Polizist Murray Babitch, genannt „Superboy“, nach einer Party voreilig zwei schwarze Jugendliche auf der George Washington Bridge erschießt. Donlan und sein Kollege Jack Rucker fälschen noch vor Ort Beweise und täuschen außerdem, in Sorge vor kommenden Untersuchungen, Babitchs Selbstmord vor. Als sich aus der Abteilung für innere Angelegenheiten Lieutenant Moe Tilden an den Fall macht wird die Luft dünn – und ausgerechnet Sheriff Heflin rückt plötzlich in den Mittelpunkt von Machenschaften, die er nicht einmal erahnt hat…

James Mangolds Cop Land fällt einem nicht unbedingt als einer der oder gar der erste Film ein, wenn man an die Meisterwerke des dirty cop-Genres denkt. Da fällt einem eher Curtis Hansons Neo-Noir-Thriller-Meisterwerk L.A. Confidential (1997) mit Guy Pearce, Russell Crowe und Kevin Spacey ein, oder Martin Scorseses The Departed (2006), mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon und Jack Nicholson ein ähnlicher Besetzungsknüller. Vielleicht kommt man sogar eher noch auf die aktuellsten und wenig erfolgreichen Vertreter wie Street Kings, Das Gesetz der Ehre (beide 2008) oder Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (2010), ehe einem Mangolds kleines feines Crime-Drama aus dem Jahr 1997 einfällt. Dabei verdient sich der NYPD-Thriller jede Aufmerksamkeit mit seiner beeindruckenden Schauspielerriege, einer mit wenig Spektakel vorgetragenen, aber sich in ihrer Ruhe durch enorme Dichte und Atmospähre auszeichnenden Inszenierung und einem Hauptdarsteller, der auf dem Papier so deplatziert wirkt, wie er dann auf dem Schirm überzeugt.

Mangold lässt ihr Zeit, seiner Fabel vom harmlosen Kalb und den bösen Bullen, Zeit, die er weniger in ausführliche Exposition investiert, das ist mit den aus dem Off einleitenden Worten des Lieutenant Moe Tilden kurz getan. Ohne Umschweife begibt sich Cop Land direkt in die Mitte des Nestes, in dem die Beamten des 37. Reviers brüten. Dorfsheriff und Kleinstadtheld Freddy Heflin, der einst eine junge Frau vor dem Ertrinken rettete, stopft sein Kleingeld in den Flipperautomaten und bedient sich auch mal an der Parkuhr, als die Hosentasche nichts mehr hergibt. Nicht mehr ganz nüchtern setzt er wenig später seinen Streifenwagen ins Unterholz, direkt unter der George Washington Bridge. Jeder wird Freddy danach überracht fragen, was denn da passiert sei, wenn er anschließend verpflastertert herumläuft, denn was kann im beschaulichen Garrison schon passieren, das dem Sheriff eine blutige Nase beschert? Doch während Freddy kurz nach dem Unfall noch am Hudson River hockt, den getrübten Blick sehnsüchtig nach New York City gerichtet, finden die wahren Cop-Dramen nur wenige Meter über ihm statt.

Dort, von einer Party in Manhattan kommend, hat Detective Murray „Superboy“ Babitch auf der Brücke zwei Jugendliche erschossen, die seinen Wagen gestreift und ihm mit einer Lenkstange gedroht haben, die Babitch für ein Gewehr gehalten hatte. Aufgeregtes Treiben unter dem Rudel auftauchender Cops, gefälschte Beweise, ein vorgetäuschter Selbstmord, NYPD Blues, der sich für einen kurzen Augenblick mit Freddys nickerchenförderndem Alltag kreuzt, als Deputy Cindy Betts am nächsten Tag den Wagen des alteingesessenen Detective Ray Donlan wegen Tempoüberschreitung anhält. Nachdem der heimliche Herrscher von Garrison seiner neuen Kollegin klar gemacht hat, wie es in der Stadt läuft und Freddy sich demütig entschuldigt, erhascht er einen kurzen Blick auf den angeblich toten „Superboy“, der sich auf dem Rücksitz versteckt. Wenig später begegnet ihm der interne Ermittler Tilden, erst auf der Straße, dann in Freddys Büro. Doch der Sheriff hat nicht vor seine, aus seiner Sicht, Freunde und Kollegen zu verraten. Doch die Cops werden unruhig. Hält da einer nicht dicht? Etwa Gary „Figgsy“ Figgis, der seit kurzem undercover arbeitet? Noch am selben Abend brennt sein Haus…

Es sind weder ausgeklügelte Story, noch vielschichtige Charaktere, mit denen Cop Land glänzt. Zwar gibt es in der Geschichte einige dunkle Winkel, im Groben ist ihr Verlauf jedoch jederzeit durchschaubar. Die Figuren indes werden wenig vertieft, teils so wenig, dass ihre Motivation nur erahnbar ist und bekommen ansonsten deutliche Marken angeheftet. Harvey Keitel ist als Donlan der drahtziehende bad Cop, Robert Patrick sein großmaulender Nebenmann, Robert De Niro gibt den arschharten Schnüffler, Sylvester Stallone den ahnungslos-ergebenen Deppen und naiven good Cop, beim aufbrausenden Ray Liotta weiß man es nicht genau. Interessant und bei aller Gemächlichkeit wird Cop Land durch die Beziehungen dieser Figuren, wie sie einander begegnen, gar nicht so sehr was, sondern wie sie sich etwas zu sagen haben. Genau daraus gewinnt der Film eine enorme, sich stetig steigernde Intensität, bei der die Gewissheit, DAS etwas passieren wird, viel deutlicher im Vordergrund steht, als die Frage, OB und WAS passieren wird. Kleine, scheinbar unbedeutende, teils in ein, zwei Szenen abgehandelte Nebenhandlungen wie jene um die von Freddy verehrte Liz, der er einst das Leben rettete und die danach mit einem „richtigen“ Cop anbandelte, aber der er so treu ergeben ist, dass er ihr sogar ein verlorenes Kuscheltier ihrer Tochter nachschleppt, tragen ihren Teil zu diesem spannenden Geflecht bei.

Zentrum von Cop Land, und wer hätte gedacht, dass Mangold mimischen Schwergewichten wie De Niro, Keitel und Liotta ein solches und dann auch noch in dieser Form entgegenstellt, ist klar Sylvester Stallone. Viele Szenen, wohlgemerkt nicht zu viele, nutzt Mangold fast ausschließlich, um seinen Freddy Heflin als bedauernswerten Bauern zu zeigen, der im Schachspiel der Großen vor und zurück geschoben wird, dessen, wie er selbst sagt, beste Tat im Leben ihm den Traum vom Cop sein zerstört hat, der mehr als alles andere einfach nur erträgt. Platten von Bruce Springsteen hört und die Einsamkeit erträgt. Die Frau, die er gerettet hat und liebt, mit einem betrügerischen anderen sieht und es erträgt. Der von den NYPD-Beamten kumpelig, aber herablassend, freundschaftlich, aber entwürdigend behandelt wird – und es erträgt. Natürlich ist es diese Figur, dieser Bauer, der am Ende dafür sorgen wird, das etwas passiert. Und natürlich braucht es für eine solche Figur keinen aufgepumpten Actionstar, keine Ein-Mann-Armee und noch nicht einmal zuvorderst einen Akteur, der mehrere Kilos zuzunehmen bereit ist. Es braucht einen Schauspieler, der diese ganze unausgesprochene Last tragen kann, die diese Figur stoisch erträgt und das gelingt Stallone beeindruckend. Da verschwindet völlig das Image der unbezwingbaren Kampfmaschine und was bleibt ist etwas, das Stallone seit seinem ersten Auftritt als Rambo nicht mehr gelang: ein echter Mensch.

Man könnte es dem Film zu seinem Nachteil auslegen, dass er nicht allen offen Fragen eine Antwort gönnt, dass er manche Handlungen als schwer nachvollziehbar bis unlogisch stehen lässt, dass er dadurch eben mehr ein konstruiertes, denn ein realistisches Abbild korrupten Bullenalltags ist und dass er sich dadurch selbst die Möglichkeit nimmt, zu den Meisterwerken des Genres aufzuschließen. Aber: Cop Land macht nicht den Eindruck, dass er seine Fragen nicht beantworten könnte, man sieht keinen achselzuckenden James Mangold beim Schreiben des Drehbuchs vor sich, wie ihm mit fröhlichem »Who cares…?« schlicht die Einfälle fehlen, um Unlogik mit Sinn zu füllen. Vielmehr scheinen diese vermeintlichen Schwächen ganz und sämtlichst der konzentrierten Perspektive des Films geschuldet zu sein, denn obwohl es De Niros Charakter ist, der da zweimal aus dem Off erklingt, so sind es doch die Augen von Stallones Sheriff Heflin, durch die man das Geschehen betrachtet. Und Heflin begreift nicht das volle Ausmaß, er kann sich nicht jede Frage beantworten, ihm erscheint nicht alles logisch, in was er sich da verstrickt hat, er ist nicht clever wie Guy Pearce und sein Ed Exley in L.A. Confidential. Er belehrt Grundschulrowdys. Kümmert sich um falsch abgestellten Müll. Rettet Katzen vom Baum.

Unaufgeregt, ohne einen einzigen Moment, der laut »Spektakel!« schreit, ohne größeres Ganzes oder weitreichende Lehre erzählt Mangold seine Geschichte bis zum bitteren Ende, jedoch mit einer anschwillenden Dramatik und einer inneren Wut, die sich in einem großartig umgesetzten Finale entlädt. Howard Shore unterstreicht dies mit seinem Score voller bedrohlicher Klänge und aufwallender Instrumente. Am Ende steht ein stiller Triumpf, der bereits wieder vergessen ist, wenn Sheriff Heflin über den Hudson River gen New York City blickt, dieses Mal mit einer Spur Genugtuung. In Garrison kippt ein Laster um. Sheriff Heflin kümmert sich darum.


Wertung & Fazit


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Der dirty Cop-Thriller hat so einige, teils Oscar-gekrönte Perlen hervorgebracht. Euer Favorit? Das Neo Noir-Meisterwerk L.A. Confidential? Training Day mit Denzel Washington? Der chinesische Infernal Affairs oder Scorseses Remake The Departed? Street Kings mit Keanu Reeves? Ihr entscheidet mit einem Klick


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  • http://goingtothemovies.wordpress.com donpozuelo

    Du hattest es ja schon prophezeit, dass du diesen Film besser bewerten würdest als ich. Immerhin sind es ganze vier Punkte mehr geworden.

    Find ich vielleicht etwas zu viel, da mir der Film einfach eine Nummer zu “unaufgeregt” ist und zwar ganz klar Stallone in den Vordergrund stellt, dabei aber schon seine Nebenfiguren etwas blass erscheinen lässt.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ich hab ihn jetzt nach erneuter Sichtung sogar um einen Punkt besser bewertet, als ich ihn im Gedächtnis hatte. Sicher bieten die Nebenfiguren nicht das, was sie allein ihrer Darsteller wegen könnten, aber erstmal reicht allein deren Güte und ich halte das durch die konsequente Stallone-Perspektive eben für gerechtfertigt

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