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| Erwartungen: |
| Die ersten Reviews versprachen storymäßig nix berauschendes – aber das war beim Original schon so und, verdammt, diese hammergeil Optik! Die allein sollte doch wohl für eines der lohnenswertesten Leinwanderlebnisse 2011 sorgen. |
| HOCH |
| Umstände: |
| Eine Nacht mit wenig Schlaf, dafür viel schreiendem Kind in den Knochen, aber riiiiiesig viel Lust auf den Film. Sogar auf 3D mal irgendwie Bock, drum: |
| GUTER EINFLUSS |
| Bilder:: |
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| IN ZAHLEN
Jahr: 2010
Länge: ca. 127 Min
US-Kinostart: 17.12.2010
dt. Kinostart: 27.01.2011
Budget: 170 Mil.
Box Office: 398 Mil.
(USA: 171 Mil. / weltweit: 226 Mil.)
Bestenliste: 13 (weltweit 2010)
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CAST
Garrett Hedlund
Jeff Bridges
Olivia Wilde
Bruce Boxleitner
Michael Sheen
Beau Garrett
James Frain
Cillian Murphy
Anis Cheurfa
Serinda Swan |
CREW
Regie: Joseph Kosinski
Drehbuch: Adam Horowitz,
Richard Jefferies, Edward Kitsis
Kamera: Claudio Miranda
Schnitt: James Haygood
Musik: Daft Punk
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In Zeiten von ständigen Remakes und Reboots ist die Fortsetzung eines ewige Jahre alten Films schon etwas außergewöhnlich. Gut, wenn sich Sylvester Stallone an einen sechsten Rocky und vierten John Rambo, Steven Spielberg an einen vierten Indiana Jones und Bruce Willis an einen vierten Stirb langsam macht ist das eine Sache. Das sind millionenschwere und -versprechende Franchises, aber auch ein letzter Versuch für ihre vom obersten Treppchen des Ruhms gekippten Hauptdarsteller nochmal ein Aufbäumen zu erzwingen. Aber ein Sequel zu Tron? Das scheit so richtig doch erstmal niemand nötig zu haben. Das Original ist fast dreißig Jahre alt und konnte mit seinen 33 eingespielten Millionen nicht mal annähernd mit den großen Namen des Kinojahres 1982 mithalten. Und sein Star Jeff Bridges ist mittlerweile Kultfigur (The Big Lebowski, 1998) und Oscar-Preisträger (Crazy Heart, 2009), warum sollte er also diesen scheinbar überflüssigen Weg zurück einschlagen? Doofe Frage. Tron ist Kult, verdammt! Ein damals revolutionäres und noch heute sehenswertes Effektspektakel, dass sich einen Transfer ins Gewand der heutigen Möglichkeiten verdient hat. Und dem nun auch der Erfolg Recht gibt: Tron: Legacy spielte bis zum Deutschlandstart bereits mehr als das zehnfache des Erstlings ein. Verdient? Teilweise…
Nachdem der geniale Programmierer Kevin Flynn 1982 in eine Computerwelt hineingezogen wurde und es ihm dort gelang, seinen Ruf wiederherzustellen, hat er die Leitung des ENCOM-Konzerns übernommen. Doch einige Jahre später verschwindet Flynn plötzlich spurlos und lässt seinen Sohn Sam zurück. Wiederum vergehen Jahre, bis Flynns Freund und Kollege Alan Bradley eine Nachricht erhält, die den inszwischen 27jährigen Sam in die alte Spielhalle seines Vaters führt. Dort wird nun auch er per Laser in ein Cyber-Universum versetzt, welches Flynn, sein Programm und Ebenbild Clu sowie Alans Programm Tron einst erschufen und das nun, da Clu sich gegen seinen Schöpfer gewandt hat, von diesem beherrscht wird und für Flynn zum Gefängnis geworden ist. Sam muss zunächst die gleichen mörderischen Gladiatorenkämpfe wie einst sein Vater überstehen, ehe er mithilfe der wehrhaften Quorra auf Flynn trifft – während Cku plant, die reale Welt zu übernehmen…
Gerüchte und Spekulationen gab es viele rund um ein Tron-Sequel, -Remake oder wie auch immer gearteten Anknüpfungspunkt an das zu spätem Ruhm gekommene Original. So waren zum Beispiel die Genialisten der Pixar Animation Studios (Wall-E, Toy Story 3) für die Produktion eines Tron-Folgeprojektes im Gespräch. Doch konkret wurde nichts, bis Disney auf der San Diego Comic-Con 2008 den von Joseph Kosinski inszenierten Concept Clip vorstellte, der die Fangemeinde derart anheizte, dass aus Tron: Legacy schließlich eines der meist erwarteten Projekte überhaupt wurde und nicht bloß das risikobelastete only-Nerd-compatible-Bonbon. Das enorme Feuer, dass um den Film entfacht wurde, bearbeitet er nun von beiden Seiten: mit der phänomenalen Optik facht er es weiter an, mit der missratenen Story erstickt er es. Tron: Legacy ist einerseits einer der visuell brilliant konzipiertesten Filme seit ewig, ein in der puren Wucht seines Designs so grenzgenialer Mitreißer, dass er seinem Vorgänger darin mehr als nur gerecht wird. Doch wo Tron schon keine Geschichte bot, die dem optischen Aufwand angemessen schien, bietet Tron: Legacy eine dermaßen in mythologische Breite geblasene, dabei aber bedeutungslos-nichtssagende Weiterführung, dass man sich sogar die naive Erlöserbotschaften von 1982 zurück wünschen würde.
Aber erstmal, mit nur kleinen Kratzern im Lack, bietet Tron: Legacy ein erstes drittel, das einen komplett wegboostet. Noch ohne 3D-Zusatz (das Gimmick setzt erst mit dem Eintritt in die Cyberwelt ein) wird ein noch junger Sam Flynn eingeführt und Papa Kevin reißt in einer Gute Nacht-Geschichte die Ereignisse aus dem ersten Teil und der Zeit zwischen den Filmen an. Mit dem Versprechen, Sam alsbald den Raster zu zeigen, den er mit den Programmen Tron und Clu erbaut hat, um die perfekte digitale Welt zu erschaffen, verabschiedet er sich von seinem Sohn – für Jahre. Kratzer im Lack: der digital verjüngte Jeff Bridges sieht schrecklich künstlich aus. Nach einem Zeitsprung übernimmt Garrett Hedlund als Sam Flynn, der nach dem Verschwinden seines Vaters wenig mit der Leitung des ENCOM-Imperiums zu tun haben will und die eigene Firma lieber sabotiert, die Flynn’sche Richtlinien für Profitmaximierung außer Acht lässt. Hedlund erinnert dabei an jenes schelmische Aufständlertum, mit dem Bridges im ersten Film gefiel, bringt darin aber auch recht überzeugend und ohne viele Szenen oder lange Erklärungen zu benötigen den verlorenen, ziellosen Sohn und gleichzeitig entschlossenen Idealvertreter rüber. Ein durchaus kerniger Typ, dem man spätestens nach seinem Sprung vom ENCOM-Tower und Fallschirmlandung abnimmt, dass er sich auf dem Raster behaupten können wird. Kratzer im Lack: der Gastauftritt von Cillian Murphy als Ed Dillinger Jr. ist ein höchst überflüssiger und konstruierter »This is a sequel«-Reminder und/oder Fan-Pleaser.
Bruce Boxleitners wiederum ganz netter Auftritt als Alan Bradley leitet schließlich dahin über, wohin man den Film gehen sehen will. Die mysteriöse Pager-Nachricht des verschollenen Kevin Flynn führt Sam in dessen alten und mittlerweile leer stehenden Arcade-Automanten-Tempel und nach ein bißchen 80er-Mucke, inklusive dem etwas platt gewählten Sweet Dreams der Eurythmics, verschlägt es Sam in die Cyberwelt. Und VERDAMMT ist die überwältigend geraten! Ein altbekannter Deaktivierer im neuen Design gabelt Sam auf und Tron: Legacy lässt sich ebenso wenig Zeit wie Tron, um in die Vollsten zu gehen: Sam muss zum Diskus-Fight antreten und der hat natürlich nicht nur tricktechnisch, sondern auch mörderisch an Dynamik zugelegt. Wenn Sam kurz darauf auf Clu trifft wiederholt sich ein Kratzer im Lack, der nun aber mit breiterem Werkzeug hinein gekloppt wurde. Der verjüngte Jeff Bridges sieht nicht nur künstlich aus (könnte man ja in seiner Clu-Inkarnation sogar für gewollt halten), die digitale Frischzellenkür drückt leider auch arg auf die Ausdrucksfähigkeit. Clu hat nichts bedrohliches an sich und gemeinsam mit seinen später enthüllten, lärmend-lauten und doch belangslosen Plänen zur Eroberung der Realwelt wird er zum ersten Element, in dem Tron: Legacy seinem Vorgänger nicht gewachsen ist: Clu taugt nicht als Bösewicht, wie es die Kombination Dillinger/Sark und Master Control Program in der Computer- und der realen Welt im ersten Teil taten.
Das bleibt erstmal egal, denn nun dominiert das auf mehreren Ebenen ausgetragene Lightcycle-Race die Leinwand und auch hier gilt: tricktechnisch aufgebohrt, die Dynamik vervielfacht und optisch berauschend. Bis hierhin ist Tron: Legacy genau das, was man sich davon versprochen hat: ein audio-visueller Mindblower sondergleichen, ein vorwärts peitschendes Bombardement der Eindrücke mit einer solchen Kraft der Überwältigung, wie sie lange kein Film mehr ausgestrahlt hat. So sehr im Gegensatz zur Zeit des ‘82er Originals digitale Effekte heute Normalität sind und sie einen oft genug völlig unbeeindruckt zurücklassen, so sehr haben beide Tron-Filme es gemeinsam, dass sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wirklich etwas erschaffen, etwas einzigartiges und unverbrauchtes. Eine Realität, weit jenseits des Bekannten und doch daran angelehnt. Und rein vom Ästhetischen her sieht diese düstere, schwarz-glänzende Welt mit ihren fluoreszierenden Lichtbrechungen einfach nur wunderschön aus. Was würde diese Welt, was würde dieser Film, was würde Tron: Legacy sie verdienen, die adäquate Story zu seiner Optik…
Aber sie ist zum Kopfschütteln, die Geschichte, die Tron: Legacy mit dem Aufeinandertreffen von Sam und Kevin Flynn zu erzählen beginnt. Um der Überwältigung durch ihr Äußeres nicht allzu störend im Wege zu stehen kommen große Blockbuster gerne mal mit simplen Geschichten aus (gell, James Camerons Avatar?!?). Das ist bei Tron: Legacy eigentlich auch der Fall. Sohn sucht Vater, der sitzt im Computer fest und da plant ein böses Programm die Übernahme der realen Welt, was es zu verhindern gilt. Daran klatschen die Autoren nun aber soviel unkonkret verharrendes Drumherumgerede, das Jedi-Dude Bridges so stichwortartig zum Besten gibt, dass man annehmen muss, das Nachvollziehbarkeit oder auch bloß irgendein Inhalt der hohlen Phrasen im ausgedehnten Troniversum nicht zur Programmiersprache gehören. Es erinnert ein bißchen an das Matrix-Phänomen: dermaßen viel schwurbeliges Gerede, über das jedwede Kernaussage gänzlich verloren geht, hat man seit Matrix: Revolutions nicht mehr gehört. Tron hatte zwar ab einem bestimmten Punkt enorme Probleme damit, die Figuren durch sinnige und nachvollziehbare Schritte von einen Punkt zum nächsten zu schicken, doch das blieb wegen der Simplizität der eigentlichen Handlung im Prinzip egal. Was nun aber Tron: Legacy mit so viel angeblicher Wichtigkeit aufbläht und dann nicht ausreichend erklärt, das erreicht im negativen Sinne eine ganz eigene Dimension. Das Auftauchen der sogenannten Isos, Programme, die einfach entstanden sind und mit denen Flynn glaubt, die reale Welt in allen Bereichen revolutionieren zu können, Clus Machtübernahme und seine Ausrottung der Isos, die Gründe für Flynns Festsitzen, die Bedeutung seines Identitätsdiskus für Clus Pläne – das packt der Film in einige kurze Rückblenden und ein paar Sätze. Was ist so besonders an den Isos? Wie kann Flynns Diskus Clu und seine Armee von Programmen in die reale Welt führen? Was wollen die dann da? Noch zwei, drei Dutzend offene und offen bleibende Fragen dazu und man hat den Katalog des Ungeklärten zusammen, den einem der Mittelteil des Films in die Hand drückt.
Und das ist dann doch ein bißchen viel an Ungereimtheit. Tritt also der Effekt der Gewöhnung ein, und der bleibt auch bei einer noch so phantastisch gestalteten Welt nicht aus, wirkt Tron: Legacy nur noch wie ein Film, zu dem den Machern rein gar nichts und zu vieles zugleich eingefallen ist. Da soll eine Mythologie geschaffen werden, die für den Rahmen, den der Film dafür zur Verfügung stellt, viel zu groß ist. Dafür wird aus den grandiosen optischen Möglichkeiten über weite Strecken nichts mehr herausgeholt, die Highlights sind mit Diskus-Fight und Lightcycle-Race bereits gelaufen. Natürlich sieht Tron: Legacy auch weiterhin toll aus. Aber da hätte noch viel mehr kommen können. Und das nicht bloß in Form der 3D-Technik, die herzlich wenig Einfluss auf das visuelle Erlebnis nimmt. Mal wieder. Wenig Einfluss nehmen auch die Schauspieler. Während Hedlund nach seinem starken Auftakt viel zu oft den bemühten »I’m acting«-Gesichtsausdruck aufsetzt, wirkt ausgerechnet Jeff Bridges fehl am Platz. Den Kevin Flynn aus dem Original erkennt man in dem meditierenden und immer leicht neben sich zu stehen scheinendem Cybermönch jedenfalls nicht so recht wieder. Olivia Wilde sieht schmuck und teilt ordentlich aus, verendet aber gegen Ende immer wieder als Aufhänger für Rettungsaktionen.
Tron: Legacy ist kein Film, bei dem man ob der audio-visuellen Wucht das Fehlen einer Story verzeihen kann – es ist einer, dem man das Vorhandensein einer Story vorwerfen muss. Der ohne Unterlass vorwärts pushende, geniale Daft Punk-Score hallt einem noch ewig nach dem Kinobesuch durch den Kopf, die Diskus-Fight- und Lightcycle-Race-Sequenzen, die vielen Panoramen, Fahrzeuge und Details dieser brilliant gestalteten digitalen Welt würde man sich am liebsten gleich nochmal und für weitere Stunden ansehen. Aber warum diese krude Story, für deren Verständnis man wohl das Prequel-Comic Tron: The Betrayal gelesen und das Videogame-Prequel Tron: Evolution gespielt haben sollte (wobei zumindest letzteres erzählerisch nicht minder wirr ausgefallen ist)? Warum dieser unwürdige Umgang mit dem Titelhelden? Warum dieser ganze pseudo-mythologische Bremsvorgang im Mittelteil? Warum steht Tron: Legacy nicht einfach dazu, dass er nichts zu sagen, aber ganz viel zu zeigen hat? Als einer der wenigen hätte er es sich erlauben können, den Effekterausch noch viel ausgiebiger zu zelebrieren. Was hätte Tron: Legacy dann für ein Film werden können…
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