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Review: UNSTOPPABLE

Unstoppable - Action-Thriller - Freigegeben ab 12



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Erwartungen:
Rumpeliger Trailer, Tony Scotts letzten Ausflug mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Die Entführung der U-Bahn Pelham 123, noch allzu gut als ziemlich schlecht in Erinnerung. Gründe zur Annahme, dass Unstoppable mehr als wieder nur eine unterdurchschnittliche style-over-substance-Sause im typischen Scott-Stil sein sollte kamen mir wenige in den Sinn.
NIEDRIG

Umstände:
Nicht die besten Vorrausetzungen. Von Kopfschmerzen und daraus resultierender Müdigkeit geplagt, aber irgendwie auch mit (masochistischer?) Lust auf den Film
OHNE EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2010
Länge: ca. 98 Min

US-Kinostart: 12.11.2010
dt. Kinostart: 11.11.2010

Budget: 100 Mil.
Box Office: 167 Mil.
(USA: 81,5 Mil. / weltweit: 85,9 Mil.)
Bestenliste: 44 (weltweit 2010)

CAST

Denzel Washington
Chris Pine
Rosario Dawson
Ethan Suplee
Kevin Dunn
Kevin Corrigan
Kevin Chapman
Lew Temple
T. J. Miller
Jessy Schram

CREW

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Mark Bomback

Kamera: Ben Seresin

Schnitt: Chris Lebenzon,
Robert Duffy

Musik: Harry Gregson-Williams


Regisseur Tony Scott, light Version seines älteren Bruders Ridley, inszeniert gern rund um’s Vehikel. Kampfjets in Top Gun (1986), NASCAR-Renner in Tage des Donners (1990), ein U-Boot in Crimson Tide (1995). Ist klar, warum er das macht: die Bewegungsdynamik der Fahrzeuge kommt Scotts bewegungsdynamischer Regie entgegen, übt grundsätzlich eine gewisse Faszination aus – und lässt sich auf dramaturgisch schlichten Bahnen lenken. Die Kampfjets düsen am Himmel entlang, die Rennwagen rasen im Kreis, das U-Boot durchflügt die Gewässer. Ständige Bewegung, ständige Dynamik, schlicht aufbaubar, trotzdem dramatisch darstellbar. Da war es fast schon Vorherbestimmung, dass Scott irgendwann die Geradlinigkeit der Bahngleise für sich entdecken würde. Mit John Travolta und Denzel Washington drehte und enttäuschte er mit dem Remake Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (2009), doch der lasche U-Bahn-Thriller schien nur eine Gewöhnungsübung, eine Materieannäherung zu sein, denn mit Unstoppable wechselt Scott nicht nur von der Stadt- zur Bundesbahn, sondern tauscht auch die Lahmheit des quasi-Vorgängers gegen permanentes Vollgas… zwischendurch, zumindest…


Inhalt

Aus langweiliger Routine wird tödlicher Ernst: die Fahrlässigkeit eines Bahnmitarbeiters entfesselt einen eine halbe Meile langen Güterzug, der nun, teilweise mit giftigen und hochexplosiven Chemikalien beladen, durch Pennsylvania rast. Mit über achtzig Meilen die Stunde düst das Monstrum zunächst durch unbewohntes Land und Felder, wird aber allzu bald eine Kleinstadt nach der anderen passieren. Die ersten Versuche, den Zug zu stoppen, scheitern kläglich. Der Boss der Eisenbahngesellschaft beschließt als letzten Ausweg, den Zug kontrolliert entgleisen zu lassen, ehe er die bevölkerungsreichste Stadt Stanton und eine gefährliche Kurve passiert, aus der es den Wüterich mit verheerenden Folgen herausschleudern würde. Doch der erfahrene Lokführer Frank Barnes, der mit seinem neuen jungen Kollegen Will Colson auf der selben Strecke unterwegs ist, hat kein Vertrauen in diesen Plan. Barnes und Colson, die bislang nicht gerade die tiefste Sympathie füreinander hegen, müssen sich zusammenraufen und starten ein eigenes waghalsiges Unternehmen, um den unaufhaltsamen Zug zu stoppen. Ihnen bleiben nur ein paar Meilen und wenig Zeit…


Der Film

Eines vorweg: verglichen mit Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 ist Unstoppable der deutlich bessere Film, kommt zwar mit ganz ähnlichen Schwächen um’s Eck gebraust, hat aber wenigstens auch ein paar ausgleichende Stärken an Bord. Unstoppable basiert auf einer wahren Geschichte… oder ließ sich davon inspirieren… oder hat irgendwann mal in einer Americas most memorable almost catastrophes-Sondersendung mit einem halben Ohr davon gehört. Wie man es generell von einer Hollywood-Produktion erwarten kann bedient sich Autor Mark Bomback bei nur wenigen, grob aus dem Stein der tatsächlichen Geschichte herausgehauenen Fakten, nicht ganz ironiefrei allerdings auch bei einigen der im Film am lächerlichsten wirkenden Momente. Alles andere ist rücksichtslose Übertreibung, um aus einem zwar heiklen, aber keinesfalls eskalierten Ereignis den rasenden Tod auf stählernen Rädern zu machen. Und natürlich einen unterhaltsamen, spannenden Film voller dramatischer in-den-Sitz-festkraller-Momente. Ohne als potenzielle Störfaktoren ausgemachte Dinge wie Logik, Physik und interessante Charaktere, sondern mit der einfachen Formel „Masse mal Beschleunigung + hochgiftige Chemikalien = Gefahr für Land und Leute“ gelingt die Erfüllung dieses Anliegens überwiegend ganz gut.

Da der Güterzug nicht von terroristisch oder sonstwie motivierten Übeltätern, sondern durch das Ungeschick eines Bahnarbeiters auf seine mörderische Fahrt gebracht wird, muss Unstoppable einen anderen Weg finden, um die Bedrohung deutlich zu machen. Bereits in der ersten Szene inszeniert Scott die Güterzüge in wackligen Bildern und bedrohlichem Gegenlicht wie echte Ungetüme, als stünden da keine Transportmittel, sondern dampfende und schnaubende und lauernde Massenmörder. Mit Hilfe von Kameraperspektiven und Sounddesign wird das mit dem außer Kontrolle geratenen Güterzug weiterhin so betrieben, der, sobald am Laufen, immer wieder grollende Laute ausstößt, als sei die Bestie in seinem Inneren nicht bloß eine sprichwörtliche. Die unaufhaltsame Wuche wird zudem immer wieder in einer einschüchternden von-unten-Perspektive eingefangen. Scott lässt hier ein regelrechtes Monster los, einen Gleiszilla, und da mutet es schon fast subtil-zurückhaltend an, dass die Nummer des Zuges von 8888 in 777 und nicht 666 geändert wurde. So oder so eine Methode, die leicht lächerlich hätte wirken können – und es auch nicht selten tut, so sehr übertreibt es Scott manches Mal mit dem Wutbrüllen, das fast schon an den unsäglichen Der Weiße Hai 4 erinnert, und den »oh my god, it’s out of controll and so damn dangerous!«-Kameraklabastern.

Dennoch bekommt Scott aus der Situation ein spannungseffektives Szenario geschnitzt, obwohl er es nicht nur durch die Dämonisierung des Zuges glaubt aufwerten zu müssen, sondern ebenso durch diverse Randereignisse, besser noch Streckenrandereignisse. Denn bei aller Monstrosität und ausgelöster Aufregung: es bleibt ein Zug, der jederzeit berechenbar ein Hauptgleis entlang wuchtet. SO SEHR außer Kontrolle gerät da letztlich gar nichts und die Hindernisse müssen der brausenden Lok schön vor die Nase geschoben werden, um überhaupt, aber selten sinnig, davor zu geraten. Ein kleinerer Crash schubst einen Pferdetransporter auf die Gleise, ein in der Realität nicht stattgefundener Versuch, den Zug mit einer vor ihm fahrenden Lok abzubremsen und einen gerade aus Afghanistan zurückgekehrten Marine (wtf?) ins Führerhäuschen abzuseilen, scheitern explosiv. Als die Helden des Films Frank Barnes und Will Colson ihren eigenen Güterzug gerade noch auf ein Nebengleis gerettet bekommen erwischt es immerhin noch ihren letzten Wagon und ein wenig später darf sich, ganz in der schlechten Tradition von Die Entführung der U-Bahn Pelham 123, ein Polizeiwagen völlig grundlos überschlagen. Immerhin holt das alles trotzdem recht gut das Mögliche an Dramatik heraus, zudem kommt man nicht umhin, die sehr starke Stuntarbeit und die Action ob ihrer Echtheit zu loben. Da wird mit Schwielen an den Händen zugepackt, nicht mit Pixeln.

Die Hände, die da am fleißigsten zupacken, gehören natürlich Scott-Stamm-Star Denzel Washington und Captain Kirk Chris Pine. Ihnen ist am Ende weniger Persönlichkeit gegönnt, als dem schnaufenden Todeszug, besonders Pine kann in Unstoppable nichts so einnehmendes abliefern, wie er in Star Trek bewies es zu können, er und der solide Washington überzeugen aber ausreichend als (Gegen)Triebkraft der Dramaturgie. Auf die im Vorbeifahren zu bewältigenden Familienprobleme beider Männer hätten Scott und Bomback da gerne ganz verzichten können, zumal sich Washingtons zickige Hooters-Girls-Töchter und Pines einstweilige Verfügungs-Frau mit kaum zwei Sätzen Text überhaupt nicht eignen, um mehr Anteilnahme zu erwecken, als die Situation sie von sich aus hergibt. So massiv wie Unstoppable aber auch daran scheitert, seine Figuren zu vertiefen und so sehr ein erster Reflex meint, dies dem Film zum Vorwurf machen zu müssen, so konsequent zieht Scott es doch in jedem Bereich durch und kann auf diese Weise tatsächlich Sympathiepunkte sammeln: Barnes und Colson, die Helden aus der working class, die über sich hinauswachsen, während die hohen Tiere der Bahngesellschaft nicht mit Menschenherz, sondern Geldverstand denken und handeln und letztlich vom Mut der kleinen Männer übertrumpft werden. Immer wieder ein netter Gedanke; wie es in tagesaktuellen Zeiten auch immer mal wieder gut tut, eine drohende Katastrophe durch Ehrlichkeit und Einsatz abgewendet zu sehen. Dass Unstoppable den Heldenmut seiner Protagonisten dabei nochmals deutlich gegenüber den wahren Ereignissen potenziert und man diesen ganzen Grundgedanken auch pure Berechnung nennen könnte – verziehen. Film ist Eskapismus und darf auch einfach nur mal hoffnungsvoll und positiv sein.

Als der Zug schließlich die Stadt Stanton und die todbringende Kurve erreicht heizt Unstoppable nochmal mit ordentlich Spannung nach, mildert die Bedrohung aber auch gleich wieder ab, indem er rund um den potenziellen Ort einer gewaltigen Katastrophe die Schaulustigen auflaufen lässt. Dem schlichten Gemüt des Films sei selbst eine solche dramaturgische Unzulänglichkeit noch verziehen, am Ende freut man sich ja doch, wenn alles gut ausgeht. Unstoppable macht schlussendlich etwas mehr richtig als vollkommen falsch, liefert die gefürchtete „solide Unterhaltung“, die für den einen genügt und für den anderen unerträglich sein kann. Tony Scotts typischer Inszenierungsstil wird auch hier wieder nicht vollständig zum Vorteil des Films, ein paar wichtige Passagen reichert er aber immerhin schon an, ansonsten kann sich der Regisseur darauf verlassen, dass sein Personal abseits der Kameras tolle Arbeit vor allem in den Actionszenen leistet und sein Personal vor der Kamera auch manch stupideren Dialog Mark Bombacks überzeugend aufsagt.


Wertung & Fazit


Relevante Themen in ChristiansFoyer
Directed by…: TONY SCOTT

Mehr zum Film

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  • http://www.2501.eu projekt2501

    Als der Marine von den Füßen geschleudert wird fliegt er genau in die falsche Richtung…

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by Christian Hoja

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