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Review: BURLESQUE

BurlesqueMusikfilm – Freigegeben ab 6

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Lesen: Inhalt Lesen: Der Film Lesen: Wertung & Fazit Surfen: Mehr zum Film Shoppen: Blu-ray & DVD



Erwartungen:
Eine weniger ordinäre Version von Paul Verhoevens Kulttrash Showgirls, immerhin mit einem neben Nicht-Schauspielerin Aguilera recht ansehnlichen Cast. Von der allergrößten Musician does Movie-Katastrophe im Stile von Crossroads oder Glitter ging ich nicht aus, dennoch war der Verriss eigentlich quasi schon vorformuliert. Teils zu UNrecht, wie sich zeigen sollte…
NIEDRIG

Umstände:
Während der Sichtung erste Erkältungssymptome, deren entgültiger Ausbruch das Review-Schreiben erschweren sollte
SCHLECHTER EINFLUSS

Bilder::
IN ZAHLEN

Jahr: 2010
Länge: ca. 119 Min

US-Kinostart: 24.11.2010
dt. Kinostart: 6.01.2011

Budget: 55 Mil.
Box Office: 89,3 Mil.
(USA: 39,4 Mil. / weltweit: 49,8 Mil.)
Bestenliste: 70 (weltweit 2010)

CAST

Cher
Christina Aguilera
Eric Dane
Cam Gigandet
Julianne Hough
Alan Cumming
Peter Gallagher
Kristen Bell
Stanley Tucci

CREW

Regie: Steven Antin

Drehbuch: Steven Antin,
Diablo Cody

Kamera: Bojan Bazelli

Schnitt: Virginia Katz

Musik: Various Artists


Inhalt

Landei und Kleinstadtkellnerin Ali Rose hat das öde Leben in Iowa satt: von jetzt auf gleich kündigt die stimmgewaltige Blondine ihren mies bezahlten Job und ab geht’s nach Los Angeles. Dort glaubt Ali, ihren Traum von der Sangeskarriere verwirklichen zu können, zunächst findet sich allerdings kein Engagement. Auch nicht, als Ali zufällig auf die Burlesque Lounge stößt, ein majestätisches Theater, in dem aufreizende Tänzerinnen ihre Show abziehen. Die schwer beeindruckte Ali wird von der Inhaberin der Burlesque Lounge, der resoluten Tess, abgewiesen, heuert aber auf eigene Faust bei Barkeeper Jack als Kellnerin an. Schließlich bietet sich Ali die Gelegenheit, ihr außergewöhnliches Talent zu beweisen. Sehr zum Missfallen ihrer Konkurrentin Nikki und sehr zum Gefallen des Geschäftmannes Marcus, der die in der Kreide stehende Burlesque Lounge zu kaufen plant…


Der Film

Es ist eine Geschichte, die schon hundertfach erzählt wurde, vulgär in Paul Verhoevens Sexploitation-Tittentrash Showgirls (1995), eleganter in Rob Marshalls Oscar-Abräumer Chicago (2002): ein talentiertes und ambitioniertes Mädel erschuftet sich auf die eine oder andere Weise den großen Ruhm, begegnet dabei mindestens einer zickigen Konkurrentin und dieser und jener Versuchung. Genau diese Geschichte erzählt Steven Antins Burlesque und zwar vom Start weg und ohne jeden Umweg. Hauptfigur Ali wird sofort, bevor man überhaupt nur ihren Namen oder irgend etwas über sie erfährt, in dem Bestreben eingeführt, das bräsige Kaff in Iowa zu verlassen, kaum zwei Minuten ist der Film alt, da gibt sie eine erste Stimmprobe zum besten und schon wird gepackt, ein bißchen gelaufen, ein bißchen Bus gefahren und schwupps – Los Angeles! Hollywood! Da, wo alle Träume in Erfüllung gehen, wenn man nur will! Es ist genau diese Idee, diese Mädchenphantasie, die Burlesque verkauft und das mit einer naiven Unschuld und Harmlosigkeit, dass man ihm trotz der vielen Schwächen gar nicht böse sein mag. Nicht so richtig jedenfalls.

Das ist auch so, weil Burlesque in all seiner Harmlosigkeit, der völligen Abwesenheit echter Dramatik und Bedrohung, in seiner Konzentration auf diesen Mirkrokosmos der Burlesque Lounge – tatsächlich unterhält. Der Film reduziert sich vollkommen auf diese narrativ mit einfachsten Formen und Farben strukturierte (Schein)Welt des Tanzes, des Gesanges, der stoffsparenden Outfits und lasziven Bewegungen und auf den vorgetanzten Weg seiner Protagonistin durch diese Welt. Zwei Stunden realitätsfernes Vergnügen, bei dem am Ende alles gut wird und währenddessen schon nichts richtig schlimm ist. Die auftretenden Probleme sind Milieu-typische, aber sogar darin noch absolut entschärfte: eine Tänzerin wird schwanger – macht nix, ihr Typ ist reich und heiratswillig! Die undisziplinierte Vorzeigezicke des Ensembles versucht die Kolleginnen auf und abseits der Bühne klein zu machen und zu manipulieren – das stört aber weiter niemanden! Das Alis Mama ihr aufgrund ihres frühen Todes nie beibringen konnte, sich zu schminken – don’t worry, honey, von der auftauenden Tess gibt’s Ratschläge und MakeUp-Weisheiten und Kajal-Philosophie gleich dazu! Und überhaupt DAS Problem: »No, I’m not cutting my hair«, sagt Ali mit betroffener Miene. »Who said anything about you cutting your hair?« entgegnet Bühnenmanager Sean. »You can wear a wig.«. Herrlich. Hair-lich!

Burlesque zeigt eine weichgezeichnete Welt (der Film lässt sich bisweilen wie durch die Milchflasche betrachten), wo allen Problemen entweder sofort oder in absehbarem Abstand eine Lösung folgt, erzählt seine Geschichte mit einem solchen Mut zur grundsätzlichen Positivität und Hoffnungsfülle der Dinge herunter, dass man Autor und Regisseur Steven Antin förmlich vor sich sieht, wie er sein Drehbuch nicht per Post oder E-mail, sondern per Friedenstaube verschickt. So viel „believe, and you will become, dream, and you will achieve“ kann einen nach ein paar Minuten Film mörderisch anöden – oder man tauscht die echten Sorgen gegen dieses Sammelsorium der vertrauensvollen Belanglosigkeiten ein, lehnt sich bei den durchgehend starken, verführerischen wie stilvollen Tanz- und Gesangseinlagen genüsslich zurück und kichert sich eins, wenn man die Überwindung des nächsten Hindernisses für Ali auf dem Weg zum Star der Truppe exakt so vorausgesagt hat und alle sich bunt freuen über ihre Erfolge und nur die Zicke Nikki sich schwarz ärgert. So einfach könnte man den Film unterbringen, guilty (oder besser friendly) pleasure-Stempel drunter und Burlesque hat seinen Sinn mehr als erfüllt.

Aber: irgendworin muss es sich bemerkbar machen, dass Burlesque ein Desaster befürchten ließ. Und natürlich wird man genau dort fündig, wo man die Gründe dafür am ehesten erwartet hat, nämlich bei der Hauptdarstellerin. Schauspieldebütantin Christina Aguilera macht, so viel muss man ihr zugestehen, ihre Sache deutlich besser, als Britney Spears in Crossroads (2002) und Mariah Carey in Glitter (2001). In solche Schlechtigkeitssphären, die standesgemäß Razzie Awards nach sich ziehen, dringt Aguilera nicht vor, dafür ist das, was Burlesque ihr abverlangt, viel zu oft das, was die Frau auch sonst so vor Kameras macht: sie lässt ihre »mutant lungs« (Nikki über Ali) losröhren, wackelt mit allem, was so zum wackeln dran ist und meistert diese Aufgaben so professionell, wie man das wohl voraussetzen kann. Christina Aguilera als Christina Aguilera eben. Wenn sie allerdings Ali zu spielen versucht klappt das nicht gleichermaßen überzeugend. Separiert man ihren Handlungsstrang vom Rest des Films (denn so dominant ist er in selbigen letztlich gar nicht), dann bleibt der recht fade Aufstieg eines zu Anfang nervigen, lauten, nicht naiven sondern teils überzogen selbstbewusst-kodderigen Mädchens, das seinen Eigenschaften später eine ziemliche Arschigkeit und Undankbarkeit hinzufügt. Das liegt daran, dass Aguileras mimische Limitierung ihr nur theatralisches Überemotionalisieren oder das genau Gegenteil erlaubt, in jedem Fall nur Extreme, nichts subtiles, und so wird aus leiser Wut und Enttäuschung ein überzogener Ausbruch usw. …

…was aber auch Antins Story so provoziert. Denn sein Umgang mit der sich anbahnenden Anbandelei vom coolen Barmann und heimlichen Songwriter Jack mit der aufstrebenden Ali ist elendig stümperhaft, der Aufbau und die Szenenfolge dieses Plotteils ist schlicht miserabel. Nachdem Alis Hochhauswohnung ausgeraubt wird und sich in einer Welt ohne Probleme auch keine Polizei um so etwas kümmert quartiert sie sich bei Jack ein, eine total überflüssige Szene um die Verlegenheit ob sexueller Vorlieben später (»You’re straight?« »You thought I was gay?« »Yeah!«) kommt‘s zur Mitbewohnerschaft und als Jacks Verlobte ihren New York-Aufenthalt verlängert gerät er in Finanzierungsnöte. Die mittlerweile besser verdienende Ali leistet Unterstützung, meint sich dafür aber auch wie die größte Drecksschleuder in (trotzdem noch) Jacks Haus aufführen zu können. Im Folgenden, jedes Mal, wenn sie keinen ihrer Auftritte in der Burlesque Lounge absolviert, wird die geltungsbedürftige und besitzergreifende Ali dem bedauernswerten Jack gegenüber, der die Prioritäten nachvollziehbarerweise erstmal bei der Verlobten setzt, immer mehr zu der unsympathischen Bitch-Tussi, die eigentlich Nikki sein müsste und wenn Jack plötzlich meint, sich nach einem total irrationalen Ausraster Alis bei IHR entschuldigen zu müssen, dann fehlt’s Aguilera nicht nur am Schauspiel, sondern Antin an Händchen und Hirn.

So ist die kackfotzige Aguilera und ihr nerviger bis abseits der Bühne völlig vernachlässigbarer Handlungsteil dann auch bestenfalls bewunderndes Beiwerk der stärksten Szenen und eigentlichen Highlight-Lieferanten von Burlesque. Die gehören und das sind ganz klar Cher und Stanley Tucci mit ihrer wunderbar platonischen Beziehung. Wie das Dirrty-Girl, so zieht auch die Plastic Woman ihre Präsenz zuvorderst aus ihrem Image. It’s Cher, eine Ikone! Im Gegensatz zur Aguilera bringt das aber nicht nur eine herausragende Stimme mit sich, sondern auch ein Schauspieltalent, dass sich trotz festbetonierter Mimik seinen Weg bahnt. Und es ist schlicht erstaunlich und umwerfend, wieviel Emotion Cher in den tollen Song You Haven’t Seen the Last of Me (siehe, bzw. höre BLOG SCORES-Archiv) legt, der auch so ziemlich als einziger Teil der Story von Burlesque und nicht nur beliebige Nummer ist (was so natürlich in Ordnung ist, der Film ist schließlich kein Musical und muss sich nicht über die Musik vorwärts erzählen). Bezeichnenderweise war es dann auch diese von Diane Warren geschrieben Powerballade, die beispielsweise bei den GoldenGlobes und den Satellite Awards als bester Song ausgezeichnet wurde und damit das Aguilera-Stück Show Me How You Burlesque ausstach.


Wertung & Fazit


Mehr zum Film

Holt euch den Film

Burlesque ist ab dem 19.05.2011 auf Blu-ray & DVD erhältlich. Bestellt den Film über einen der folgenden Links bei Amazon.de und unterstützt damit ChristiansFoyer. Danke!



Bewerten & Teilen

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  • http://goingtothemovies.wordpress.com donpozuelo

    Ich habe den Film nie gesehen, fand aber immer, dass der von der Story her wohl auch nen echt guten Porno abgegeben hätte: Landei kommt in die Stadt und wird Starlet… Moment, gabs das nicht schon *husthustSHOWGIRLSvonVERHOEVENhusthust*
    :D

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Wenn man’s so sieht würde fast jeder Film von der Story her auch ‘n guten Porno abgeben ;)
      Ich hab ja geschrieben: Burlesque ist ein bißchen wie Showgirls in weniger vulgär. Aber nix desto trotz: der Film war ok

  • http://madmenlegal.de Sorkin

    Hatte auch zuerst die Befürchtung, da ein “Showgirls 2″ zu bekommen. Aber am Ende war ich doch ganz zufrieden mit dem Film, was vor allem an den Nebendarstellern lag. Würde deine Kritik also so unterschreiben. Vor allem dass der Film 30 bis 40 Minuten weniger besser gestanden hätte.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ein Showgirls 2 ist Burlesque zwar auch insofern nicht, dass alsbald niemand mehr von der Existenz des Films wissen wird (eben im Gegensatz zum mittlerweile kultigen Verhoeven), aber für den Moment war’s mir trotzdem lieber ;)

ChristiansFoyer

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produced and directed

by Christian Hoja

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