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| Erwartungen: |
| Am Thema, bzw. an dessen Rugby-Aspekt, nicht so richtig zwingend interessiert, aber als Eastwood-Fan natürlich trotzdem in Erwartung eines handwerklich astreinen Films. |
| HOCH – MITTEL |
| Umstände: |
| Den Film hatte ich laaaange vor mir hergeschoben und nach spontanem Entschluss war er nun an einem gemütlichen Sonntag Abend fällig. |
| OHNE EINFLUSS |
| Bilder:: |
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| IN ZAHLEN
Jahr: 2009
Länge: ca. 128 Min
US-Kinostart: 11.12.2009
dt. Kinostart: 18.02.2010
Budget: 60 Mil.
Box Office: 122 Mil.
(USA: 37,4 Mil. / weltweit: 84,7 Mil.)
Bestenliste: 49 (weltweit 2009)
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CAST
Morgan Freeman
Matt Damon
Tony Kgoroge
Patrick Mofokeng
Matt Stern
Julian Lewis Jones
Adjoa Andoh
Marguerite Wheatley
Scott Eastwood
Patrick Lyster |
CREW
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Anthony Peckham
Kamera: Tom Stern
Schnitt: Joel Cox
Musik: Kyle Eastwood,
Michael Stevens
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Out of the night that covers me,
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.
In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbow’d.
Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds and shall find me unafraid.
It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.
Wegen seiner politischen Aktivitäten verbrachte Nelson Mandela 27 Jahre seines Lebens in Gefangenschaft. Doch obwohl nach seiner Freilassung im Jahr 1990 die weiße Autorität in Südafrika bereits gebrochen ist, sinnt Mandela nicht auf Vergeltung und weitere Schläge gegen die Unterdrücker. Vielmehr bemüht er sich, die Apartheid endgültig abzuschaffen, das Land zur rechtlichen Gleichstellung zwischen Schwarzen und Weißen zu führen – und die Unterdrücker und die Unterdrückten zu einen. 1994 wird Mandela zum ersten demokratisch gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas. In einem nahenden Sportgroßereignis sieht er eine Möglichkeit kommen: im folgenden Jahr wird in Südafrika die Rugby-Union-Weltmeisterschaft ausgetragen und obwohl Rugby noch als Volkssport der Buren gilt und das fast ausschließlich mit Weißen besetzte Team von den Schwarzen nicht angefeuert und zutiefst verachtet wird versucht Mandela, das Volk über den Sport zusammenzubringen, damit Ängste und Hass überwunden werden können. Das Problem: die Springboks um ihren Mannschaftskapitän François Pienaar präsentieren sich in so schlechter Form, dass an gute Ergebnisse bei der WM kaum zu denken ist…
Häuptlingssohn, Hirtenjunge und Rechtsanwalt, politischer Aktivist, Führer des African National Congress und Symbol des Widerstands gegen das Apartheidregime – eingepfercht in einer winzigen Zelle auf der Gefängnisinsel Robben Island, der Häftling mit der Nummer Nummer 466/64. Wie viel Stoff bieten allein diese mit einzelnen Schlagwörtern belegten Stationen im Leben Nelson Rolihlahla Mandelas… Möglicherweise mehr, als ein einziger Film zu tragen im Stande wäre, würde er dem Schaffen eines der wichtigsten Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen gerecht werden wollen. Zumal Mandelas Leben nicht wie das seiner Brüder in Geist und Tat, Martin Luther King und Malcolm X, ein schnelles gewaltsames Ende fand, sondern er noch heute, über 90jährig, zu den großen Gestalten des Weltgeschehens zählt. Drehbuchautor Anthony Peckham und Regisseur Clint Eastwood pickten sich drum ein Ereignis, eine Episode dieses großen Lebens heraus, aus dem sich Mandelas Triumpf des Herzens, seine Philosophie des Verzeihens und sein Gedanke der Vereinigung herauskristallisiert. Diese Geschichte basierent auf John Carlins Buch „Playing the Enemy: Nelson Mandela and the Game That Changed a Nation“, fast wichtiger für den Film scheint aber das obige Gedicht William Ernest Henleys mit dem Titel Invictus. Dieses bot dem Friedensnobelpreisträger nicht nur Hoffnung und Trost während seiner entbehrungsreichen Jahre in Haft, es wird genauso auch zum Leitvers des Films Invictus.
Am 11. Februar 1990 wird Nelson Mandela aus der Nacht, der Haft, entlassen, seine Seele unbezwungen, sein Wille ungebrochen. Er nimmt sich keine Zeit des Ausruhens, dazu habe er schließlich 27 Jahre lang genügend Zeit gehabt. Noch am Tag seiner Freilassung spricht er vor 120.000 Menschen in einem Stadion in Soweto, er spricht von Versöhnung, nicht von Vergeltung. Wie gespalten, tief zerrissen gar das Land in dieser Zeit ist zeigt Eastwoods Invictus zuvor schon deutlich in seiner Eröffnungsszene. Saftiger grüner Rasen und ausnahmslos weiße Rugbyspieler auf der einen Straßenseite, schwarze Kinder und Jugendliche auf einem verdorrten Feld mit einem Fußball auf der anderen Seite. Sie beginnen zu jubeln, als ein Autokorso vorbei fährt, als sie ihr Gesicht ihrer Nation erkennen. »Mandela! Mandela! Mandela!« Die Weißen gegenüber indes schauen skeptisch, schütteln den Kopf. »It is the terrorist, Mandela«, erklärt der Coach. »They let him out. Remember this day, boys. This is the day our country went to the dogs.« Die Probleme des Landes, oder zumindest des Films, komprimiert in einer knappen Minute: Fußball ist der Sport der Schwarzen und die Weißen fürchten deren Aufstand, nun, da ihr Oberhaupt wieder unter ihnen ist. Pragmatiker Eastwood in seinem Element.
Invictus wird letztlich über die gesamte Laufzeit auf ein sehr simples und auch jederzeit durchschaubares Konzept der Darstellung des Konfliktes und seiner Bewältigung herunter gebrochen, etwa wenn Mandela sein Präsidentenamt in Pretoria antritt und die weißen Mitarbeiter der vorangegangenen Regierung ihre Sachen packen, er sie aber in einer kurzen Ansprache wissen lässt, dass ihre Anwesenheit auch weiterhin sehr willkommen ist. Überall dort, wo der Weiße an seiner Furcht zu ersticken und der Schwarze es nicht besser als der Weiße vor ihm zu machen droht begegnet Mandela den Problemen seines Landes mit Würde und Weitsicht, nirgendwo mit Anmaßung, nirgendwo mit anderen Zielen als jenen des gesamten Landes, nirgendwo mit einem anderen Willen als jenem des Zusammenschlusses. Morgan Freeman, dessen gesamte Karriere nur auf die Darstellung dieses Mannes hinauszulaufen schien, spielt Mandela, als hätte dieser mehr als bloß ein einziges Herz in der Brust und als schlügen in jedem einzelnen die Werte der Güte, des Verständnisses und der Einigkeit mit voller Kraft. Der besänftigenden Milde seiner Worte, aber auch ihrer klaren Entschlossenheit schenkt man nicht nur Gehör, sondern Glauben und das bewirkt in Invictus nicht zuvorderst die enorm simplifizierte Geschichte und deren mannigfaltige Aussparungen widerständlicher Stimmen, noch die oftmals an Kitschgrenzen stoßenden pathetischen Dialoge, das bewirkt allem voran der Schauspieler Morgan Freeman, der hinter der Ausstrahlung des Menschen Mandela verschwindet und alles Können in den Dienst der Portraitierung dieses Mannes stellt.
Unschwer daraus darauf zu schließen, dass Invictus seine größten Stärken im Portrait Mandelas besitzt, sowohl in dessen Darstellung durch Freeman, als auch durch die einmal mehr mit einnehmender Ruhe und ungeheurer Souveränität vorgetragene Inszenierung Eastwoods. Allerdings steht und fällt der Film im Laufe der Handlung auch mit diesen Komponenten. Solange er (seichtes) Polit-Drama ist, ist alles gut, sind Freemans Präsenz und Eastwoods Präzision wahrlich unbezwingbar, je weiter sich Invictus allerdings in Richtung der Mechanismen eines Sport-Dramas bewegen muss, desto schwächer wird sein Stellungsspiel. DAS ein sportliches Großereignis einen gewaltigen Einfluss auf Land und Leute haben und enorme politische Relevanz entwickeln kann steht außer Frage, Eastwood muss hier keinen Exkurs über das OB und das WARUM betreiben. Das WIE hingegen wäre von Wichtigkeit gewesen, gerade vor dem Hintergrund eines derartig aufgewühlten und dürstenden Landes. Doch Invictus gelingt es nicht oft und nicht stark genug, Herzschlag und Puls Südafrikas erfühlbar zu machen, insgesamt kippt der Film in eine allzu unreflektierte feel good-Stimmung, sowohl was Mandelas Rolle, als auch das eigentliche Rugby-WM-Turnier angeht. Die Springboks feiern unerwartete Siege und das scheint immer mehr eine persönliche Freude Mandelas zu sein, als dass es tatsächlich eine Welle der Gemeinsamkeit über das Land schlägt. Eastwoods Stadionszenen wirken steril, als verstünde er selbst die Faszination des Ereignisses dann doch nicht so richtig. Dass weit über 40 Millionen Menschen hinter diesem Team stehen und den Hass, der sie noch vor ein paar wenigen Jahren voneinander trennte, wenigstens für die Dauer des Turniers überwinden, davon ist nichts zu spüren.
Daran krankt Invictus schließlich spätestens, wenn es für die Springboks zum Finale gegen die übermächtigen und hoch favorisierten All Blacks aus Neuseeland geht. Bis dahin wird das Standartmaß, auf das der Film in der zweiten Hälfte mit der Verstärkung des Sport-Plots schrumpft, immerhin noch von einigen schönen und bewegenden Szenen unterbrochen, zum Beispiel wenn das Team vorm Turnierbeginn in den Townships zum öffentlichen Training antritt und sich von begeisterten Kindern umringt wiederfindet, oder wenn die Mannschaft Robben Island und die Gefängniszelle Mandelas besucht. Da stimmen die Emotionen, die dem Finale abhanden kommen. Eastwood verlässt sich auf einige wenige Einzeleindrücke im und rund um das Stadion, um die Einigkeit zu demonstrieren. Die elitären Eltern von Mannschaftskapitän François Pienaar, die das schwarze Hausmädchen mit ins Stadion nehmen, der kleine schwarze Junge, der mit den weißen Polizisten feiert, die Annäherung der Gruppe aus Weißen und Schwarzen zusammengestellten Bodyguards Mandelas, jubelnde Familien vor den Fernsehern – das sind nette und auch von der universellen Sprache des Humors aufgelockerte Momente, aber sie repräsentieren nicht den Jubel, das Aufatmen, die Hingabe für und an einen einzelnen gemeinsamen Moment, der vieles verändern kann, eines ganzes Landes. Dem wird auch die Präsentation des Spiels an sich nicht gerecht. Rugby scheint keine Sportart zu sein, deren Dynamik sich gut in ausgedehnten Zeitlupen und mit einer auf die Laute der Spieler reduzierten Soundkulisse darstellen lässt. Und so löblich es auch ist, dass Eastwood nicht die üblichen Dramamomente des Genres bemüht, so wenig taugt sein verhältnismäßig dröger Ansatz.
Trotz allem Gemeckers (das zum Teil wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass ich von Rugby keine Ahnung habe [ich allerdings der Meinung bin, dass ein Film gerade solchen Zuschauern die Faszination seiner Sportart zu vermitteln hat, woran Invictus für mich schlicht scheitert]) ist Clint Eastwoods Film dennoch gelungen, wächst zwar in keinem seiner Elemente zu der Größe, die ein Mandela Bio-Pic möglicherweise schon seiner puren Begrifflichkeit wegen einzufordern scheint, trotzdem ist diese Episode aus dem Leben einer der wichtigsten Persönlichkeiten der afrikanischen und der Weltgeschichte eine erlebenswerte. Zwar erzählt Invictus seine Geschichte in manchen Punkten sehr ausgewählt (die mysteriöse Lebensmittelvergiftung eines Großteils der neuseeländischen Finalteilnehmer bleibt zum Beispiel ausgespart), versteht sich aber wohl auch nicht zuvorderst als in allen Punkte exakte Rekonstruktion, sondern als Essenz dessen, was Nelson Mandela seinem Land auf seine Art zu geben im Stande war und ist. Das erzählt der Film ein bißchen so, als würde er es einem Kleinkind erklären – aber dem wären damit sicherlich nicht die falschen Botschaften mitgeteilt.
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