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| Auszeichnungen: |
- Oscar-Verleihung 1997
1 Nominierung: Beste Ton
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| IN ZAHLEN
Jahr: 1996
Länge: ca. 131 Min
US-Kinostart: 7.06.1996
dt. Kinostart: 11.07.1996
Budget: 75 Mil.
Box Office: 335 Mil.
(USA: 134 Mil. / weltweit: 200 Mil.)
Bestenliste: 4 (weltweit 1996) |
CAST
Sean Connery
Nicolas Cage
Ed Harris
John Spencer
David Morse
William Forsythe
Michael Biehn
John C. McGinley
Tony Todd
Claire Forlani
Philip Baker Hall |
CREW
Regie: Michael Bay
Drehbuch: David Weisberg,
Douglas Cook, Mark Rosner
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Richard Francis-Bruce
Musik: Nick Glennie-Smith,
Hans Zimmer |
Es gibt zwei Filme im Schaffen des Regisseurs Michael Bay, über die es eigentlich keine zwei Meinungen gibt, die quasi den Plus- und den Minus-Pol in den Werken des Kaliforniers darstellen. Am einen Ende seines mittlerweile neun Filme umfassenden Spektrums steht Pearl Harbor (2001). Ein unsagbar dreistes Propagandawerk, das sich eines tragischen historischen Ereignisses nicht respekvoll annähert, sondern es bloß zu berechnet-kommerziellen Zwecken ausschlachtet. Dazu eine kitschige, so mies geschriebene wie gespielte Liebesgeschichte, die den Film auf kolossale Überlänge streckt. Mit anderen Worten: Pearl Harbor ist das Machwerk, das sich am ehesten aus Bays Vita zu tilgen lohnen würde. Am anderen Ende des Spektrums steht, plattes Wortspiel voraus, felsenfest Bays zweiter Spielfilm, The Rock (1996). Den sind sogar Bay-Hasser, -Disser und –Basher bereit, als mindestens soliden oder gar als einen der besten Actionkracher der 1990er zu akzeptieren. Mit anderen Worten: The Rock ist das Werk, dass Bay in seiner Vita fett markieren sollte. Ist das zu Recht so? Spielt sich auf dem Fels der Entscheidung tatsächlich Bays bester Film ab? Jep, höchstwahrscheinlich schon…
Der kampferfahrene und idealistische Brigadegeneral Francis X. Hummel bringt 15 mit VX-Gas bestückte Raketen in seine Gewalt, verschanzt sich mit seinem Team von Marines auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz und nimmt 81 Touristen als Geiseln. Die Forderung des hochdekorierten Generals: 100 Millionen US-Dollar sollen aus einem geheimen Schwarzgeldfont der Regierung den Familien jener Soldaten zukommen, die unter Hummels Kommando bei inoffiziellen Einsätzen ums Leben kamen und daher kein militärisches Begräbnis und keine Entschädigung erhielten. Nach Ablauf einer 48-stündigen Frist werden die Raketen auf San Francisco abgefeuert, was den Tod zehntausender Unschuldiger bedeuten würde. Zur Rettung der aussichtslosen Lage wird nicht nur der Chemiewaffenspezialist Stanley Goodspeed herangezogen, sondern auch der britische Spion und langjährige Strafgefangene John Patrick Mason, der als einziger jemals von Alcatrez fliehen konnte – und der nun einen Einsatztrupp der US Navy Seals und Goodspeed auf die Insel schleusen soll, um Hummel zu stoppen. Doch kann man Mason wirklich vertrauen?
The Rock bezieht eigentlich in vielerlei Hinsicht keine besondere Ausnahmestellung in Michael Bays Filmographie. Pompöse Musik, pathetische Reden und Gesten, Glorifizierung des Militärs und seiner Männer in Uniform (nicht jedoch ihrer anzugtragenden Regierung), eine hohe Schnittfrequenz, Hochglanzlook, Zeitlupenshots von heldenhaften Posen im Gegenlicht – alles, was es zum Bay’gasm braucht. Abgesehen vom heute größten Vorwurf an den ehemaligen Musikvideo- und Werbeclip-Regisseur, den überladenen CGI-Sequenzen, die halt anno 1996 noch nicht zur Tagesordnung gehörten, müsste man folgerichtig auch das zweite große Bay-Manko erwarten, das Desinteresse an den Charakteren. Das ist allerdings ohnehin eher eine weit verbreitete Fehleinschätzung. Bay sind seine Figuren nicht egal. Der kontroverse Filmemacher ist in dieser (wie auch in manch anderer) Hinsicht wie ein kleines Kind, dass seine Actionfiguren gerne einfach nur gegeneinanderkloppt, das aber auch ein inneres Wissen darüber hat, woher sie kommen, wohin sie gehen und wie sie dorthin gelangen. Dieses ganz eigene und selbstverständliche Wissen nach außen zu transportieren, es einem Publikum nahe zu bringen, das gelingt Bay mal besser und mal schlechter und in The Rock tatasächlich ziemlich gut.
Geliefert bekommt Bay seine Actionfiguren natürlich von anderen und das Script, an dem neben den drei offiziellen Schreibern auch noch Die Hard: With a Vengeance-Autor Jonathan Hensleigh, Quentin Tarantino himself und Oscar-Preisträger Aaron Sorkin (The Social Network) kosmetische Arbeit leisteten und zu dem Wortwitz und ein paar Charakterfeinheiten am Set dazu improvisiert wurden, bietet dem Regisseur recht prägnante und ambivalente Prota- und Antagonisten. General Francis X. Hummel (wer von den vielen Beteiligten sich wohl diesen Namen ausgedacht hat?!) ist die wohl beste und am wenigsten auf ihre reine Funktionalität als solche ausgelegte Schurkenfigur in sämtlichen Bay-Filmen. Ein desillusionierter und verbitterter Mann, der Soldaten in sinnlosen Missionen zu Dutzenden hat sterben sehen und der die bohrende Ungerechtigkeit und die Lügen anprangert, mit denen seine Regierung das Leben und den Tod dieser Männer, ihr Andenken und ihre Hinterbliebenen beschmutzt. Hummel entschließt sich zum Äußersten, zur Bedrohung zehntausender Unschuldiger, um das Recht anderer einzufordern. Doch sein geschaffenes Drohszenario beschwört unter seinen Männern einen seinen Idealen fremden Fanatismus herauf und führt zu weiterem sinnlosen Blutvergießen unter Soldaten, bürdet Hummel weitere Lasten auf, unter denen er zwar jederzeit militärische Etikette und Haltung bewahrt, aber die Furchen seiner und der Taten seiner Männer graben sich neben jenen in sein Gesicht ein, die der Kampf für sein Land und die Missstände dessen Apparates bereits dort hinterlassen haben. Eine moralisch hoch interessante Figur, in manchen Konsequenzen nicht ganz schlüssig zu Ende gedacht, aber von Ed Harris stark und würdevoll gespielt.
Überhaupt profitiert The Rock mit in der Hauptsache von seinen Schauspielern. An Nicolas Cage geht das Lob, hier eine gute Leistung abzuliefern, noch am ehesten vorbei. Sein wackerer Chemie-Baukasten-Streber und Anti-Krieger Dr. Stanley Goodspeed ist im Gegensatz zum vielschichtigen Harris ein flacher Gutmensch, zudem können Cages enthusiastische, cholerische und sonstige Manierismen und Ausbrüche bisweilen nerven. Die Anlegung der Figur als eben nicht felderfahrene Kampfsau funktioniert allerdings gut, gerade im Mit- und Gegeneinander mit dem gewohnt charismatischen Haudegen Sean Connery, der die Show in The Rock sowieso mehr und mehr an sich reißt und einen würdigen Ausstand als MI6-Agent feiert. Seine Bond-referenzielle Rolle ist allein seiner Darstellung und ihres Anspielungsreichstums wegen schon sehenswert – abgesehen davon, dass der Schotte mit Nonchalance und markiger Härte beweist, dass er zu den präsentesten Leinwanderscheinungen der letzten fünfzig Jahre gehört. Nimmt man die Nebendarsteller dazu, bei denen Michael Biehn ein Spin Off seines Corporal Hicks aus James Camerons Aliens (1986) liefert und außerdem Gesichter wie jene von David Morse, John Spencer, John C. McGinley, Tony Todd und Philip Baker Hall zwar nicht unbedingt glänzen, aber einfach dabei sind, qualifiziert sich The Rock unverkennbar auch zum Bay-Film mit der besten Besetzung.
Aber was ist hier seit drei Absätzen von Figuren und Schauspielern die Rede?! Was auch immer The Rock in diesem Bereich erfreulicherweise für Qualitäten auffährt, so ist er doch kein Charakter-Drama, sondern ein Actionfilm. Natürlich ist die Story im Groben wieder nur eine Die Hard-Variation, wie es so viele gab, nachdem Bruce Willis 1988 zum ersten Mal allein und im Unterhemd gegen eine terroristische Übermacht innerhalb eines abgegrenzten Territoriums zu Felde zog. The Rock addiert ein paar Buddy Movie-Mechanismen dazu und hat seine Grundformel damit auch schon berechnet; die Bay’sche Lack- und Schnittästhetik beigemengt und fertig ist ein Genre-Klassiker der 1990er? Jep, denn auch wenn die Action wiederum eines der typischen Bay’bleme aufweist, nämlich dass sie manchmal unübersichtlich nah am Geschehen gefilmt stattfindet, sind die Einlagen von dem kleineren Scharmützel zu Anfang, wenn Hummel die mit Giftgas bestückten Raketen erbeutet, über eine wilde Verfolgungsjagd mit Hummer, Ferrari und Cable Car Bahn quer durch San Francisco, bis hin zu den Gefechten auf Alcatrez durchweg rasant, zumindest mit einer gewissen Sinnhaftigkeit in die Handlung intergriert, nicht zu aufgebläht, um ihre Spannung zu verlieren und in den besten Momenten, da von den Charakteren und ihren Motiven und nicht vorrangig von Schusswechsel- und Explosionsfetischen angetrieben, sogar halbwegs emotional packend.
The Rock ist der letzte Film, den das Produzenten-Duo Jerry Bruckheimer und Don Simpson gemeinsam anging, ehe Simpson während der Dreharbeiten an einem Myokardinfarkt starb, über zwanzig verschiedene Drogen im Körper. Eine tragische Randnotiz einer der besten Zusammenarbeiten der beiden, die mit The Rock eine Materialschlacht in die Wege leiteten, die auch fünfzehn Jahre nach ihrem Erscheinen noch keine Anzeichen von Altersmüdigkeit erahnen lässt und gerade im Zuge dessen, dass Regissseur Michael Bay seine Zutaten selten besser präsentierte, alles andere als outdated wirkt. Sean Connery gibt hier eine sehr viel angemessenere Abschiedsvorstellung aus dem Actionfach, als sie ihm sieben Jahre später The League of Extraordinary Gentlemen bot und abgesehen von einer leichten Tendenz zur Überlänge (gerade ein paar der Regierungsheinis bekommen mehr Szenen, als sie zu füllen taugen) ist The Rock ein flotter Actionbrocken, der nicht zu sehr von den vorhandenen Bay’gasm-Stereotypen dominiert wird.
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