

Daten/ZahlenTRANSFORMERS 3 (OT: Transformers: Dark of the Moon) Genre: SciFi-Action Freigegeben ab: 12 Jahr: 2011 Länge: ca. 156 Min. dt. Kinostart: 29.06.2011 US Kinostart: 29.06.2011
Cast & CrewRegie: Michael Bay Cast: Drehbuch: Kamera: Schnitt: Musik: |
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Was hat er Prügel bezogen, der gute Michael kabbabuummbang Bay, als er 2009 seinem (etwas überraschenden) Megahit Transformers (2007) die Revenge of the Fallen folgen ließ. Wo für den Erstling noch guilty pleasure at it’s best galt, der Witz (zumindest eine Hälfte lang) stimmte und die Action trotz aller Übersichtsprobleme schön wummste, geriet die Fortsetzung zum überlangen Zerrbild eines Films: grottenidiotische Komik mit rammelnden Robotern und Riesenklöten, nervtötende Comic Relief-Figuren ohne Ende, noch unvorteilhafter gefilmte und ermüdend ausgewalzte Action und ein Erzählrythmus im unharmonischen ZickZack der Wahllosigkeit. Die 5/10er-Wertung, die Transformers: Revenge of the Fallen hier seinerzeit bekam, hatte ich bereits mit der Bemerkung versehen, dass sie einer Zweitsichtung außerhalb der großen Leinwand und des damit verbundenen, immerhin teilweisen Überwältigungseffektes nicht standhalten würde, und so kam es dann auch: mittlerweile würde der hier eher mit der Hälfte an Punkten nach Hause gehen, Tendenz fallend. Trotz des noch größeren Kassenerfolges hassen dieses Abfallprodukt allerdings inszwischen alle: mit Verweis auf die Schwierigkeiten nach dem Writers’ Strike zwischen 2007 und ’08 nennt Michael Bay ihn »crap« und sagt »I was prepping a movie for months where I only had 14 pages of some idea of what the movie was. It’s a BS way to make a movie, do you know what I’m saying?«. Hauptdarsteller Shia LaBeouf »hates« den Film und zeigt sich verwirrt: »I thought we missed the mark. I got confused, I couldn’t see what the f**k was going on, you know with certain robots… I couldn’t decipher what was happening.«. Tja. Ehrliche, (selbst)kritische Reflexion, oder bloß berechnende Marketingmasche? So oder so war die Hoffnung geschürrt, dass der Trilogie-Abschluss Transformers: Dark of the Moon für Wiedergutmachung sorgen wollen/können würde. Aber leistet er sie nun auch?
Inhalt
Der Krieg zwischen den Autobots und den Decepticons hat den Heimatplaneten der formwandelnden Roboter bis kurz vor die völlige Zerstörung getrieben. Mit einer Technologie an Bord, die ihre Welt retten könnte, aber unter keinen Umständen den Decepticons in die Klauen fallen darf, startet der Anführer der Autobots, Sentinel Prime, eine verzweifelte Flucht in den Weltraum. Sein Schiff, die Ark, wird jedoch so schwer beschädigt, dass es 1961 auf der dunklen Seite des Erdmondes bruchlandet. Fünfzig Jahre später: die Autobots um Optimus Prime haben sich mittlerweile auf der Erde akklimatisiert und unterstützen das US-Militär. Doch während einer Mission in Chernobyl stößt Optimus auf ein Bruchstück der Ark und bricht auf, um die cybertronische Technologie zu bergen und Sentinel Prime wiederzubeleben. Nichts ahnend, dass die fiesen Decepticons um Megatron nur auf diesen Schritt gewartet haben…
Der zweifache Weltenretter Sam Witwicky indes lebt mittlerweile ein frustrierendes Leben auf dem Boden der Tatsachen: zwar hat er in der süßen Carly eine liebende und beruflich erfolgreiche neue Freundin, er selbst findet nach dem Collegeabschluss aber weder einen Job, noch einen rechten Sinn im Leben nach den Abenteuern mit den Autobots. Aber auch Sam wird alsbald seinen Teil beizutragen haben, als sich der Krieg der Roboter endgültig und mit aller Wucht auf die Erde verlagert…
Der Film
Dunkler hat sie werden sollen, die dritte Runde „Riesenroboter schlagen sich den Schädel ein“, mehr reality based und dazu historically anchored, wie es im Moment ja so mancher Blockbuster sein will, zuletzt X-Men: First Class. Im Zuge dieses Ansatzes flogen die unsäglich-hyperaktiven Autobot-Zwillinge Skids und Mudflap ebenso aus dem Franchise, wie der nervige Sidekick Ramón Rodríguez und auch rammelnde Kläffer sucht man in Transformers: Dark of the Moon vergebens. Ebenso wie Megan Fox, die sich mit ihren Bay/Hitler-Vergleichen nach Revenge of the Fallen nicht nur aus der Reihe katapultierte, sondern insgesamt ihre 15 Minuten aufgebraucht zu haben scheint. Nach anfänglicher Ablehnung entschied sich Bay außerdem für den Dreh in 3D und nimmt der Reihe damit eines ihrer weiteren größten Probleme: vorbei ist’s mit dem Nanosekundenschnitt und dem Kameragezappel, Übersicht ist angesagt. So, und das alles kann doch eigentlich nur zu einem Ergebnis geführt haben: Transformers: Dark of the Moon muss doch verdammt nochmal der beste Film der Reihe geworden sein, ohne den Großteil an Schwächen der Vorgänger und mit optimierten Stärken. Das muss doch endlich der Film geworden sein, der dem Actionpotenzial der formwandelnden Riesenroboter vollauf gerecht wird. Das sollte doch mit den neuen Castmitgliedern Patrick Dempsey, John Malkovich und Frances McDormand sogar der Transformers-Film geworden sein, der schauspielerisch nicht bloß Gurkenwasser auf Sparflamme kocht.
Ja, Transformers: Dark of the Moon hätte der beste Film der Reihe sein können. Viel schlimmer, als das er es nicht ist, ist die Tatsache, dass er diese Möglichkeit mehr als deutlich erkennen lässt. Und es zeigt sich, dass am Qualitätsmangel von Revenge of the Fallen nicht der Autoren-STREIK die Schuld trägt, sondern die AUTOREN, beziehungsweise der eine, der nach dem Abgang von Roberto Orci und Alex Kurtzman noch übrig ist, nämlich Ehren Kruger. Über die Hälfte seiner stolzen Laufzeit von mehr als zweieinhalb Stunden krankt Transformers: DotM an einem unfassbar miesen Skript… nein, vielmehr liegt der Film auf dem Sterbebett und siecht röchelnd vor sich hin und hat, trotz der Streichung einiger Figuren, all die schweren Krankheiten mit eingeschleppt, die die Reihe seit der zweiten Hälfte des ersten Teils plagen. Lediglich ein paar Symptome haben Kruger und Bay entfernt, nicht aber die Ursachen und die finalen Auswirkungen. Um mal klartextlicher zu werden: in Sachen infantiler Humor und bis an den Rand der Existenzberechtigung ihres Schauspielers nervende Figuren hat sich im Vergleich zu RotF NICHTS verändert. Jedes bißchen Grundstimmung, das sich aufbauen und woran sich der Film ausrichten sollte, wird alle paar Szenen von total unpassenden Slapstick-, Hysterie- und Weirdo-Momenten unterbrochen, entsetzlich fehlgetimt sogar manchmal missbraucht, um die Story voranzubringen: da kommt Ken Jeong direkt vom Thailand-Hangover an, lässt die Hose runter, zieht sich ein paar geheime Dokumente aus der Unterbuchse, fuchtelt damit in LaBeoufs Gesicht rum – und sowas soll Inhalt vermitteln?! Da laufen Sams schrecklich überstrapazierte Fremdschäm-Eltern auf und schwadronieren über seine Penisgröße und Tipps zur Vagina-Verwöhnung – und dieser Film soll darker, deeper und more emotional sein?!
Dabei ist der Ansatz, den Kruger und Bay für Sam finden, gar nicht mal verkehrt. Der Junge, der zweimal entscheidenden Beitrag zur Rettung der Welt geleistet hat, findet nach dem College keinen Job und verspürt den ständigen Drang, Großes zu leisten, fühlt sich mittlerweile mehr fehl am Platz in einer Welt ohne Alienroboter und Explosionen, als inmitten dieses Getümmels. Anders als in den Vorgängern, in denen Sam durch Ereignisse außerhalb seiner Eigenverantwortlichkeit in die Geschehnisse involviert wurde, will er nun selbst Teil von etwas Wichtigem sein, statt in unzähligen erfolglosen Bewerbungsgesprächen verschweigen zu müssen, was er für die Welt geleistet hat. Die Zeit nach den Heldentaten, die Rückkehr ins Normale, die Unfähigkeit im Umgang mit dem Gewöhnlichen – thematisch hat das was, nutzen tut Transformers: DotM es kaum. Bei allem Tatendrang kreischt und kiekst und stolpert LaBeouf immer noch viel zu überfordert durch die Gegend, wenn’s um ihn rum zur Sache geht und das gen Schluss die Freundin in Gefahr mal wieder viel mehr Motivation zum Entdecken des Arsches in der Hose bietet, als das eigene Character Development, spricht nicht gerade für selbiges. LaBeouf macht ansonsten halt den LaBeouf. Nimm ihn aus dem einen Film, pack ihn in einen anderen – kein Unterschied.
Die einzige positive Überraschung der ersten Filmhälfte und klare Verbesserung zu den Vorgängern ist ausgerechnet eine, mit der man nun wirklich am allerwenigsten gerechnet hätte: model-turned-actress Rosie Huntington-Whitley, kürzlich auf den ersten Platz der Maxim Hot 100 gewählt, ist Sams neue Freundin Carly und die Blondine zeigt gegenüber Megan Fox nicht unbedingt das größere Schauspieltalent, aber sie wirkt an ihrer Rolle und dem Film und auch an Partner LaBeouf weit weniger desinteressiert und macht das bis zu dem Punkt, an dem nur noch Gekreische gefordert ist, durchaus sympathisch. Einen ziemlich schrägen Storytwist, der sie und Ober-Decepticon Megatron einschließt, hätte man indes wohl eher der Fox abgenommen. Neben Huntington-Whitley, bei der Bay natürlich nicht daran spart, sich an ihr in knappen Outfits aufzugeilen, sind es, erwartungsgemäß, die Actionszenen, die Transformers: DotM aus dem völligen Leer- und Querlauf reißen, den Kruger und Bay als Exposition zu verkaufen versuchen. Die Story um das vor Jahrzehnten abgestürzte Autobot-Raumschiff, das Space Race zwischen den USA und der Sowjetunion, der Nutzen der cybertronischen Technologie an Bord des Schiffes und die Rolle des ehemaligen Autobot-Anführers Sentinel Prime – all das wird so frei von Fokussierung, ohne Herausstellung von wirklich Bedeutendem, ohne Lust an der Geschichte und über viel zu viel Zeit gestreckt erzählt, dass eigentlich nie richtig klar wird, worum es eigentlich geht und warum es einem als Zuschauer irgendetwas bedeuten sollte. Bruchstückhaftes Informationsgesammel verteilt sich auf so viele Figuren, so viele Handlungsorte, nichtssagende Reden und, wie erwähnt, zum Teil auf den Idiotenhumor, dass den Handlungsschritten jeder Sinn verloren geht, den die Geschichte im Kern eh schon nicht besitzt. Verschwörungstheorien rund um die erste Mondlandung, ein Stück Technik von Cybertron, das verantwortlich war für den Super GAU in Tschernobyl, Materie-transportierende Technologie zur Rettung des Heimatplaneten – GROOOOß klingt das, WICHTIG tut das. Und dann folgt halt ’ne Szene, in der Ken Jeong die Hosen runterlässt oder notgeile Miniroboter die Huntington-Whitley angeifern.
Über 440 Minuten ist sie nun lang, Michael Bays Transformers-Trilogie. 120 davon hätten einen einzigen ziemlich guten Blockbuster abgeben können, und zwar die erste Stunde von Teil eins – und die finale von Teil drei. Wenn Transformers: DotM sich nämlich endlich auf mühsamsten Pfaden dahin gewuppt hat und alles und jeder da angekommen ist, wo er zum Showdown zu sein hat, dann passieren auf der Leinwand Dinge, für die eine der abgedroschendsten Phrasen in der Besprechung eines Special Effects-lastigen Films herhalten muss: das hat man so noch nicht gesehen. Weiterhin gebührt kaum ein Funke des Lobes den Schauspielern und der Inszenierung, sondern ganz klar Industrial Light & Magic, die hier auch noch die letzten Bits aus ihren Rechnern prügeln, um eine tricktechnische Perfektion abzuliefern, die mindestens in diesem Kinojahr ihresgleichen suchen und nicht finden wird. Aneinandergereiht sind die einzelnen Etappen der letzten Schlacht nicht weniger diletantisch, als der vorangegangene Versuch eines Films: wer gerade was warum und wie macht, warum sich Situationen ohne erklärende Zwischenszene in ihren Grundvorraussetzungen komplett ändern, wer wann wo auftaucht und was er/sie/es in der Zwischenzeit gemacht hat, das ist alles höchstens erahnbar – wofür aber eine Geistesleistung von Nöten wäre, die zu erbringen man ab diesem Punkt der Überwältigung schon gar nicht mehr im Stande ist. Will man aber auch gar nicht sein, denn die Qual der ersten 3/5 von Transformers: DotM ist so umso schneller vergessen.
Neben einer Menge Pop-Rock-Songs, die sich alle gleich anhören, ertönt ab irgendwann im Film immer wieder das melancholische Klavierintro von Linkin Parks Iridescent. »Do you feel cold and lost in desperation?« heißt es darin im Refrain. Nee, lautet, die Antwort, eigentlich eher lost and cold and angekotzt in misplaced humor, underdeveloped characters and annoying supporting actors. Wenn schon nicht die gesamte Trilogie, so hätte doch zumindest Transformers: Dark of the Moon etwas ziemlich Großes werden können. Der The Empire Strikes Back oder wenigstens der Revenge of the Sith unter den Transformers-Filmen. Der Konflikt, den die Roboter untereinander austragen, ohne die störende Randerscheinung comichaft überzeichneter und untercharakterisierter Menschen hätte das hergegeben. Die Motive und was auf dem Spiel steht hätten das hergegeben. Optimus bad ass Prime hätte das hergegeben. Der Tonwechsel der letzten Stunde, das endlich voll entfesselte Actionpotenzial, gipfelnd in urgewaltigen Szenen und dem brachialen Umgang der Riesenroboter miteinander im Zwecke der gegenseitigen Vernichtung – brettgeil. Nur alles leider viel zu spät, denn wenn er verklungen ist, der Hall dieses unbeschreiblichen Effektdonners, dann rückt einem alsbald wieder ins Gedächtnis, warum man diesen Film zuvor am liebsten mit Schlägen und Tritten Verstand einzubläuen versucht hätte.
Wertung & Fazit
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