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| Auszeichnungen: |
- Oscar-Verleihung 2001
1 Auszeichnung: Bester Filmsong
2 Nominierungen: Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt
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| IN ZAHLEN
Jahr: 2000
Länge: ca. 107 Min
US-Kinostart: 23.02.2000
dt. Kinostart: 2.11.2000
Budget: 55 Mil.
Box Office: 33,4 Mil.
(USA: 19,3 Mil. / weltweit: 14,0 Mil.)
Bestenliste: 98 (weltweit 2000) |
CAST
Michael Douglas
Tobey Maguire
Frances McDormand
Robert Downey Jr.
Katie Holmes
Rip Torn
Richard Knox
Richard Thomas
Alan Tudyk
Kelly Bishop |
CREW
Regie: Curtis Hanson
Drehbuch: Steven Kloves
Kamera: Dante Spinotti
Schnitt: Dede Allen
Musik: Christopher Young,
Bob Dylan |
In den falschen Händen hätten die Wonder Boys, basierend auf dem autobiographisch angehauchten Roman von Michael Chabon, leicht zu einem schrillen, belanglosen Komödchen werden können. Ein kiffender Prof, ein clumsy’ger Deprie-Teenager, eine rattige Schülerin, ein schwuler Lektor mit Hang zur Transe, die Schose besetzt mit Will Ferrell, Jason Biggs, Carmen Electra und Rob Schneider – und schon wär’s ‘ne kreischige nuts’n’nudes-Parade der Geschmacklosigkeiten geworden. Uarghh. Stand so zum Glück nie zur Debatte. In Wahrheit verstanden es Drehbuchautor Steven Kloves und Regisseur Curtis Hanson auf’s Beste, Chabons schrullige Geschichte wunderbar flüssig zwischen tragischem Zynismus und heiterer Unbeschwertheit wechseln zu lassen und ein echtes Dramedy-Highlight zu zaubern. So steckt Wonder Boys voller köstlicher, präzise beobachteter Charaktere, kauziger Dialoge und ist mit seiner episodenhaften Struktur angenehm kurzweilig.
Ein Wochenende im verschneeregneten Pittsburgh: der dauerkiffende Autor Grady Tripp, der an einem College über kreatives Schreiben doziert, wird von seiner Frau verlassen, seine Geliebte, die College-Kanzlerin, gesteht ihm ihre Schwangerschaft und sein exzentrischer Lektor kommt in die Stadt, um sich über Gradys Nachfolgewerk zu seinem gefeierten Erstling zu informieren – an dem Grady seit mittlerweile sieben Jahren und über 2600 Seiten arbeitet. Damit nicht genug, mischen auch noch der hochbegabte Außenseiter James Leer und die anbandelwillige Hannah Green, Studenten in Gradys Kurs, sein Leben gehörig auf…
Neben Hanson, der drei Jahre zuvor mit L.A. Confidential DAS NeoNoir-Meisterwerk schlechthin abgeliefert hatte, sehnte sich auch Hauptdarsteller Michael Douglas nach einem leichteren, amüsanten Stoff, was der Star in pure Spielfreude und eine seiner besten Karriereleistungen ummünzt. Mit Strubbelfrisur und rosafarbenem Bademantel ist Grady Tripp jederzeit das verschmitzt-uneitle Zentrum des Films, der einen mit seinen lakonischen Off-Kommentaren sofort für sich einnimmt. Verdreht wie ein Korkenzieher, sich ständig durch situative Ausweglosigkeiten manövrierend, einfach ein Sympath, dem man in den vielen Szenen, die ihn in Autos zeigen, von der Rückbank aus auf die Schulter klopfen möchte. An seiner Seite Tobey Maguire mit der ihm eigenen, entrückten Ausstrahlung, Robert Downey jr., bei dem auch die kleinsten Mimiken und Gestiken perfekt sitzen, die resolute Frances McDormand und eine kokette Katie Holmes, die genau das Talent zeigt, das sie sich heute weggeheiratet zu haben scheint.
Mit unaufgeregter, im Timing beispielhaft stimmiger Inszenierung führt Hanson seine brillianten Darsteller durch die teils skurrilen Ereignisse, in denen es unter anderem um den Tod eines blinden Hundes, den Eigentümer eines geklauten Wagens und eine Jacke von Marilyn Monroe geht. Aber auch die ernsten Zwischentöne der Figuren, die allesamt auf halbem Weg irgendwo hängengeblieben sind, werden mit bissiger, nie übertriebener Sentimentalität beleuchtet und dabei scheut der Film nicht das Aufgreifen von Themen wie Drogenkonsum, Ehebruch samt Schwangerschaft oder Homosexualität. Wo diese sonst oft zu verkrampften und plattesten Gags benutzt werden, ist Wonder Boys stets mit einer (auf unvulgäre Art) enthemmten Aufgeschlossenheit unterwegs, die nicht künstlich skandalisiert und dem Film so einen Touch von warmer und aufrichtiger Lebensnähe verleiht. Und zudem ist Wonder Boys derart amüsant-pointiert, derart intelligent-ungekünstelt, dass das Zusehen zur uneingeschränkten Freude wird.
Der spitzfindige Score von Christopher Young und eine ideale, von Bob Dylans Oscar-prämiertem ‚Things Have Changed‘ angeführte Songauswahl liefern das ohrmuschelschmeichelnde Gegenstück zu Kameramann Dante Spinottis vorzüglicher Bildgestaltung, die sich durch überwiegend ruhige Einstellungen nie in den Vordergrund drängt, aber auf’s genaueste das einfängt, was von Darstellern und Sets vermittelt sein will. Das augenscheinlich unspektakuläre, aber zu recht mehrfach filmpreisnominierte Editing von Dede Allen trägt ebenfalls maßgeblich zu einer alles in allem makellos-runden optischen Komposition bei.
Wonder Boys ist exzentrisch, selbstironisch, beschwingt, inspirierend, meisterlich. Als Komödie ebenso zurückgenommen wie höchst vergnüglich, als Drama so unaufdringlich wie sublim. Als ganz leisen Kritikpunkt könnte man das allzu zuckersüße Ende ansehen, das sich mit der vorigen augenzwinkernd-sarkastischen Tonart des Films ein wenig beißt. Aber letztlich gönnt man den liebevollen Charakteren, die man zuvor durch 100 rückschlagsreiche und schadenfreudige Minuten begleitet hat, ihre kleinen persönlichen Triumpfe, hat man ihnen und ihren Leben doch eine tolle Zeit zu verdanken.
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