

Daten/ZahlenCAPTAIN AMERICA – THE FIRST AVENGER Genre: Comic-Action Freigegeben ab: 12 Jahr: 2011 Länge: ca. 124 Min. dt. Kinostart: 18.08.2011 US Kinostart: 3.12.2010
Cast & CrewRegie: Joe Johnston Cast: Drehbuch: Kamera: Schnitt: Musik: |
Die USA, 1942: während in Europa der Zweite Weltkrieg tobt versucht der patriotische, aber schwächliche Steve Rogers endlich durch die Musterung zu kommen. Sein großes Herz, ungebrochener Wille und sein Durchhaltevermögen, aber auch sein Bewusstsein für Schwäche machen den Wissenschaftler Erskine auf Rogers aufmerksam: er schlägt ihn für ein Experiment vor, aus dem eine Reihe neuer Supersoldaten hervorgehen und den deutschen Truppen das Fürchten lehren sollen. Das Experiment gelingt, Rogers verfügt plötzlich über enorm gesteigerte körperliche Kräfte, allerdings wird das verantwortliche Serum von einem Attentäter entwendet und Erskine getötet. Als einzigem seiner Art traut man Rogers einen Fronteinsatz nicht zu und so wird er als Captain America zunächst für Propagandazwecke eingesetzt und dabei auch nach Europa gebracht. Nachdem Rogers auf eigene Faust hunderte Kriegsgefangener befreien kann wird er schließlich zur Speerspitze im Widerstand gegen die Nazis – und im Kampf gegen HYDRA, eine Wissenschaftsorganisation unter Führung des berüchtigten Johann Schmidt. Der hat ein uraltes Relikt aus den Zeiten der Götter in seinen Besitz gebracht, dessen technologische Nutzung ihm den entscheidenden Fortschritt verschaffen könnte…
Captain America – The First Avenger tritt als Schütze Arsch im letzten Glied zum endgültigen Beweis an, dass 2011 NICHT das Jahr der Comicverfilmungen ist. Mehr noch als Thor und in Teilen (der trotzdem viel bessere) Iron Man 2 wirkt auch der letzte Einzelfilm vor der Avengers-Zusammenkunft bloß wie ein ausgedehnt-überlanger Trailer zu diesem jizz-all-over-my-pants-Fanpleaser-Event. Dem heutzutage wohl unzumutbarsten Heldenbild aus der Marvel-Kompanie formell mit einer Ausrichtung am klassischen Abenteuerkino statt hippem Kostümträgerspektakel zu begegnen ist nicht ganz falsch, vor dem Hintergrund Zweiter Weltkrieg mehr Inglourious Basterd denn Untergang für den Führerbunker zu sein ebenfalls angebracht. Der Stechschritt an ironischer Distanz zwischen sich und dem Quellmaterial wirkt hingegen steif und bemüht und eben überhaupt nur unternommen, um ein Publikum, das nicht allmorgendlich vor stars’n’stripes salutiert, nicht sofort aus dem Film zu scheuchen. Einzig mit der Montage, in der Captain America zu lächerlichen Propagandazwecken eingesetzt wird, gelingt ein komischer Bruch, der rückblickend aber auch nur wieder deutlich macht, dass der gute Soldat, der gute Mensch und vor allem der gute Amerikaner an die Front gehört
Dort angekommen reißt der Cap dann erstaunlich wenig, schleudert ein bißchen sein Schild nach hier und da, kloppt die gesichtslosen HYDRA-Horden um und bekommt ein paar heroische Zeitlupen; im Vergleich zu hammerschwingenden Göttersöhnen, schwerreichen Playboys in unbesiegbaren HighTech-Rüstungen oder agilen Spinnenfädenschwingern also reichlich mau, was der Superpatriot so leistet. Kaum weniger verwunderlich ist es, dass eine 140 Millionen Produktion nur einen einzigen gelungenen Special Effect bietet, nämlich die Verschmalerung von Muskelmann Chris Evans, und ansonsten schwerst nach mittelmäßiger TV-Unterhaltung aussieht. Um das wenige an Geschichte kümmert sich Auftragsregisseur Joe Johnston in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr, da wird nur noch schnell von einem wirr-unspektakulären Action Set zum nächsten geswitcht und nur noch darauf zu gehastet, am Ende die Avengers zu teasern.
Ob schmächtig oder schmackhaft, Hauptdarsteller Evans macht sich noch ganz gut, aber dem hat die flapsige Fantatsic Four-Fackel besser gestanden, als der facettenfreie Vorzeigefahnenträger. Die Besetzung minderbemittelter Rollen mit hochkarätigen Darstellern ist für Comicverfilmungen seit Jahren kein Problem mehr und dennoch Captain Americas größter Verdienst, aber von Evans über den »I‘ve already played one of the greatest movie villains ever – no purpose in doing it twice«-Schurken Hugo Weaving bis hin zu Tommy Lee Jones, Stanley Tucci, Toby Jones und dem no-love-no-interest Hayley Atwell hätten alle lieber den Wehrdienst verweigern sollen.
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