Daten/ZahlenCONAN Genre: Fantasy/Abenteuer/Action Freigegeben ab: 18 Jahr: 2011 Länge: ca. 108 Min. dt. Kinostart: 8.09.2011 US Kinostart: 19.08.2011
Cast & CrewRegie: Marcus Nispel Cast: Drehbuch: Kamera: Schnitt: Musik: |
Der Frankfurter Marcus Nispel vergreift sich nach The Texas Chainsaw Massacre (2003) und Friday the 13th (2009) zum dritten Mal an einem Kultstreifen mit breiter Fanbase und seine Version von Conan der Barbar ist wieder mehr Hiobsbotschaft denn Film. Das einzig gute an Conan 2011 ist sein BoxOffice-Ergebnis, denn trotz 3D-Aufschlags kamen nur 2/3 der Einnahmen des 30 Jahre alten Originals in die Kassen. Und so ist wohl zum einen ein Sequel ausgeschlossen, als auch ein weiteres 90 Millionen Budget für Nispel… Wenn man die Kohle schon über hat, dann lieber an die armen bedürftigen Filmblogger verteilen, die sich Conan 2011 angesehen haben. Also, meine Kontodaten lauten:…
Inhalt
Im finsteren und kriegerischen Hyborischen Zeitalter wird Conan vom Stamm der Cimmerier auf dem Schlachtfeld geboren. Schon in jungen Jahren verfügt der Sohn des Waffenschmiedes Corin über einen eisernen Willen und heißblütige Kampfeslust. Doch eines Tages überfällt der Feldherr Khalar Zym mit seiner Armee Conans Dorf, auf der Suche nach dem letzten fehlenden Bruchstück der sagenumwobenen Maske von Acheron, die ihrem Träger gottgleiche Macht verleiht und mit der Zym seine Frau aus dem Reich der Toten zurückholen und die Welt unterwerfen will. Conan überlebt den Überfall als einziger und schwört Rache. Jahre später verdient sich der erwachsene Conan als Dieb, Pirat und Sklavenbefreier, fortwährend auf der Suche nach der Spur Zyms. Dabei stößt er auf Tamara, deren Blut das einzige ist, was der Herr der Schatten noch benötigt, um endgültig die Mächte der Maske zu entfesseln…
Der Film
Nispels Remake braucht tatsächlich nur ein paar Minuten, um’s noch in den Startlöchern bereits komplett zu verbocken: die stümperig zusammengekloppte Backstory um die Maske von Acheron schaut nicht bloß aus, als hätte der Betriebskindergarten der Produktion die Eröffnungsszene aus Der Herr der Ringe mit stumpfen Bastelscheren nachbearbeiten dürfen, sondern ist als Aufhänger genauso öde wie fehlplatziert. So ein oller MacGuffin tritt damit vor das, was eigentlicher Handlungsauslöser sein sollte, nämlich Conans Rache. Nächster grundlegender Fehler gleich im Anschluss: ein Conan-Film ohne krachendes call-to-arms-Theme ist kein Conan-Film und Tyler Bates‘ uuunglaublich langweiliger Score bekommt dies mit keiner Note ausgeglichen. Wo Basil Poledouris‘ legendäre Untermalung dem `82er Original als dramaturgisches und narratives Mittel diente (inklusive einem der greatest main themes ever, dem mächtigen Anvil of Crom) und die Story da pushte und erzählte, wo sie auf Dialoge verzichtete, da lullert Bates‘ Standartmucke müde und fast unbemerkt vor sich hin, während’s dann Doofloge wie »I live, I love, I slay, and I am content.« richten müssen.
Croms erzürnter Amboss rast aber schließlich und endgültig mit dem ersten Auftritt des Titelhelden auf Nispels Film herunter. Der Bengel Conan wird buchstäblich auf dem Schlachtfeld geboren… Buchstäblich. Da dringt, aus Fötusperspektive präsentiert, ein Schwert in die Gebärmutter ein und aus der Wunde wird der Sohn herausgeschnitten. Ist das oder SOLLTE das nicht etwas sein, das man sich als Legende über Conan erzählt? »He was born on the battlefield, insteed of his mother’s milk, Conan’s first taste was his mothers blood.« Sowas ist Legende, sowas ist Mythos, sowas raunt man sich ehrfürchtig zu, wenn Conan irgendwo eintrifft, aber scheiße nochmal, sowas ZEIGT man doch nicht! Das nimmt der Figur doch mehr, als es ihr gibt! To HELL with you! Und genau wie diese Geburt bringt Nispel auch die Jugendjahre Conans nicht im Sinne des Charakters und seiner Genese ans funktionieren. Schon als Kind wird Conan als eine barbarische Abschlachtungsmaschine gezeigt und das mag vielleicht zwei Dinge sein: der Vorlage näher und vom Original möglicherweise vorausgesetzt, aber eben nicht gezeigt. John Milius‘ Conan formten Verlust, Entbehrung, Sklaverei, Martyrium, der Zwang zu kämpfen, erst der Schwertstreich des Bösen weckte die Wut, den unaufhaltsamen Zorn, die Entschlossenheit und band ihn auf tieferliegenden Ebenen an seinen zweiten Vater, den Mörder seiner Eltern.
Davon behält Nispels Conan nichts übrig, der ist aus sich heraus schon, wer er eigentlich erst zu werden hat. Zumal Nispel nicht mal annähernd Milius Bild- und Symbolstärke für die wohl wichtigste Sequenz der ganzen Geschichte Conans findet. Conan der Barbar zeigte 1982 einen regungslosen Jungen, der die Hand seiner Mutter hält, die ihm entgleitet, als der Kopf von ihren Schultern geschlagen wird. Nispel baut ein Saw-mäßiges Folter-Szenario auf, viel reißerischer, viel kraftloser. To HELL with you! Bis zu dem Moment, in dem erstmals der erwachsene Conan zu sehen ist, hat das Original fraglos ALLES besser gemacht und das ohne große Worte von Macht und Tod und Gott oder nicht Gott und diese komische Maske und Plattsymbolik wie zurückbehaltene Narben, die Conan auf ewig an den Tod seines Vaters erinnern… Genauso fraglos wäre Conan 2011 aber auch kein entschieden besserer Film, wenn es kein Original gäbe; die Fehler im Aufbau der Figuren wären trotzdem gravierend und der Held wäre bis hierhin und bleibt auch weiterhin kein mitreißender solcher. Der klassische Glanzlackheroe war und ist Conan natürlich nie, aber Jason Momoas nun anstehende *ähem* „Interpretation“ kürzt dem Barbaren wirklich jeden Reiz weg und addiert eine so ätzend hinterwäldlerische Arschattitüde, dass der Wahrheitsgehalt der Gewaltverherrlichungs- und Sexismusvorwürfe das einzige Gebiet ist, auf dem der neue dem alten Conan voraus ist.
Der hawaiianische Baywatch-Akteur Momoa bringt zwar die passende Physis mit, vom Charisma und der Präsenz Arnold Schwarzeneggers ist er aber soweit entfernt, wie sein Regisseur Marcus Nispel von einer Oscar-Auszeichnung für’s Lebenswerk; Momoa stiert böse in die Gegend, benimmt sich ungehobelt, vor allem dem späteren love interest Tamara gegenüber, die im Fortlauf des Films in eine vorsintflutliche passive Opferrolle degradiert wird und nicht mal den Fingernagelvergleich mit Sandahl Bergmans kriegerischer Valeria bestehen würde. Mit letzterer und Conan trafen sich zwei vom gleichen Schlag, die sich Seite an Seite der Kampfes- und der Wollllust hingaben und die aus ihrer Welt heraus konsequenterweise schon nach kurzem Zusammensein ihre Schlafstatt teilten, woher hingegen die Gelüste zwischen Barbarenchauvi Momoa und Tempelmiezchen Rachel Nichols kommen bleibt schleierhaft. Wie kolossal dümmlich sie nach gemeinsam verbrachter Nacht den Bösen in die Falle tappst ist im Zusammenhang der ganzen dahin führenden Umstände bereits ’ne eigene Review wert, wie man überhaupt jedes Stückchen der holprigen Episodenstruktur seitenweise ob Logik-, Anschluss- und sonstiger Fehler auseinandernehmen könnte. Hört man dann Marcus Nispel in seinem Audiokommentar die Grundelemente „Fick aus dem Nichts“ und „Episodenstruktur“ mit James Bond und Indiana Jones vergleichen… To HELL with you!
Bond und Jones sind aber nur zwei der reichlichen „Vorbilder“, bei denen Nispels Conan sich umfänglicher als bei seiner eigentlichen Referenz bedient, der klaubt des weiteren so ungeniert Elemente aus Batman Begins, Der Herr der Ringe, Die Mumie, Star Wars, sogar aus A Nightmare on Elm Street zusammen, das er gleichermaßen deren Remake sein könnte. Wesentlich gekonnter verschleiert der Film da schon sein 90 Millionen-Budget, viel aufwendiger als die alberne Fernsehserie mit Ralf Moeller schaut Conan 2011 nicht aus. Wie zuvor Spanien und Mexico dient hier auch Bulgarien als schöner Background, die eingefügten CGI-Bilder und Matte Paintings allerdings, die praktischen Sets und Kulissen und die mangelnde Reichhaltigkeit an glaubwürdiger Ausstattung lassen das oberflächlich betrachtet sehr viel umfänglicher vorgestellte Hyboria zum Flickwerk einer nicht mal annähernd zu Ende gedachten Welt werden, inklusive unmotiviertem Schauplatz-Hoppings und überflüssigem Name-Droppings, da es ohnehin keine spezifische Rolle spiel, wo da gerade was passiert und wer da wann warum auftaucht.
Mehr noch, als wegen ihrer gestalterischen Mängel, spielen die Handlungsorte aber deshalb keinerlei Rolle, weil sowieso überall nur gemetzelt wird. Nispel erlaubt keine zwei Szenen hintereinander, in der Conan nicht Gegner zu schlachten vorgesetzt bekommt und was der Macher wohl als temporeiche Inszenierung missverstanden hat ist nichts als eine Ansammlung undynamischer Scharmützel, einerseits stark brutalisiert, andererseits seltenst legitimiert und mit solchen Pixelmengen an wild sprudelndem CGI-Blut überflutet, dass die proklamierte Härte der gezeigten Welt in der Überzeichnung und der gewollten Badassigkeit verweicht. Dass nach all den Orgien des roten Lebenssaftes dann ausgerchnet der Endfight zwischen Conan und Khalar Zym so antiklimaktisch wie ein Sonnenaufgang am späten Abend ausgeht, setzt Conan schließlich die Krone der Ernüchterung auf. Wobei der aus Deleted Scenes seines Klischheschurken Colonel Quaritch in Avatar zusammenschnittene Auftritt Stephen Langs auch keinen großen Schurkentod verdient hätte. Und nun, Film, mehr an Ehr sollst du nicht erhalten für deinen kläglichen Versuch, dich dem Thron des Königs der Barbaren auch nur zu nähern. Weiche, Film, schleiche zurück in die niederen Regionen, aus denen du dich vorzukriechen gewagt hast.
Wertung & Fazit
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