Daten/ZahlenJOHN CARTER (dt. Titel: John Carter – Zwischen zwei Welten) Genre: SciFi-Fantasy/Abenteuer Freigegeben ab: 12 Jahr: 2012 Länge: ca. 132 Min. dt. Kinostart: 8.03.2012 US Kinostart: 9.03.2012
Cast & CrewRegie: Andrew Stanton Cast: Drehbuch: Kamera: Schnitt: Musik: |
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Hauptfigur unzähliger Filme, in Fernsehserien, Zeichentrickadaptionen und Musicals, gespielt von Stars wie Elmo Lincoln, Johnny Weissmüller, Lex Barker, Christopher Lambert oder *ähem* Alexander Klaws und auf ewig verwandt mit einem der bekanntesten Zitate der Popkulturgeschichte – Edgar Rice Burroughs‘ erstmals 1912 publizierte Figur Tarzan und seine Geschichte kennt jeder. Ein anderer Held aus Burroughs‘ Feder hingegen ist, wenn man so will, bloß unter Pseudonymen ähnlich bekannt: ob Superman, Flash Gordon, Star Wars, Avatar, überall wo ein gebietsfremder Eindringling zum Helden einer guten Sache wird stecken die handlungsmotivischen und/oder gestalterischen Einflüsse von John Carter drin. Der Bürgerkriegsveteran, den es auf den roten Planeten verschlägt, gab sein Debüt ebenfalls 1912, ist in den USA nicht weniger populär als sein Kollege mit der Liane, war aber in seiner umfangreichen Fremdweltigkeit außerhalb der Literatur lange Jahrzehnte schlicht unumsetzbar. Nun, hundert Jahre nach seinem ersten Aufritt, scheint eine filmische Umsetzung John Carters so passend wie unpassend zugleich. Zwar ein nettes Jubiläumsgeschenk für den Urgroßvater aller SciFi-Helden, gleichwohl in einer Zeit überreicht, in der seine Geschichte nun schon dutzende Male über andere erzählt wurde und selbst Designeigenheiten nicht vor den inspirationssuchenden George Lucas oder James Cameron sicher blieben. Da läuft Andrew Stantons John Carter – Zwischen zwei Welten nicht nur Gefahr, schlicht nicht mehr oder nicht nochmal erzählenswert zu sein, sondern auch nicht mehr als das eigentliche Original, sondern selbst als Kopie wahrgenommen zu werden. Wäre schade, denn zumindest eines ist das Mars-Abenteuer, nämlich der bessere Avatar.
Inhalt
Arizona, 1866: der abgewrackte Bürgerkriegsveteran John Carter hat nach Jahren des Kampfes nichts mehr übrig für Pflicht und Glorie. Der Verlust seiner Familie hat aus ihm einen verbitterten Mann gemacht, nur noch auf der Suche nach genügend Gold, um niemandem mehr verpflichtet zu sein. Während der Flucht vor einigen Militärs und einer Gruppe Apachen verschlägt es Carter in eine mysteriöse Höhle und nachdem er ein seltsames Amulett ergriffen hat findet er sich plötzlich an einem unbekannten Ort wieder. Später soll Carter erfahren: er wurde auf den Mars transportiert und dessen Völker aus den Städten Zadonga und Helium tragen einen bitteren Konflikt aus, den Zadonga mithilfe einer mächtigen Waffe für sich zu entscheiden droht. Doch der Anführer der roten Marsmenschen Sab Than bietet Helium und seinem Volk Frieden an, sollte man ihm Prinzessin Dejah Thoris zur Ehe überlassen. Hinter der vermeintlichen Möglichkeit auf ein Ende des Krieges verbergen sich jedoch die finsteren Ränkespiele einer höheren Macht. Immer weiter wird John Carter, der auf dem Mars übermenschliche Kräfte besitzt, in den Konflikt hinein gedrängt und muss sich bald entscheiden: geht es ihm nur um seine Rückkehr nach Hause, oder wird er Helium und Dejah Thoris beistehen…
Der Film
John Carter geizt nicht lange um seinen Reiz herum, ähnlich wie James Camerons Pandora-Spektakel besteht der zu einem großen Teil aus der präsentierten Welt. Statt mit üppigem Dschungel und Farbenpracht kommt der Mars, oder besser Barsoom, natürlich vergleichsweise karg daher, die Symptome der Realitätsdepression, die nach Avatar grassierten, dürften sich hier also nicht wiederholen. Letztlich Geschmackssache, welche Welt einem nun mehr zusagen mag, die rot-braun-erdige und felsig-zerklüftete von John Carter ist auf ihre Art jedenfalls keine weniger phantastisch gestaltete. Weite Panoramen, Flugschiffe und die eindrucksvollen Städte Helium und Zadonga, dazu ein erstes rummsendes Luftgefecht – fast schon gewagt, dass der Film nach ein paar Minuten zunächst mal die good old Erde zum Schauplatz der Story macht, die rund um den Titelhelden schließlich erstmal gescheit in Gang gebracht sein will. Der Geschichte wird gleich ein doppelter Rahmen gesetzt, da ist zum einen der aus dem Off grob verhintergründigte Kampf der Marsvölker, genau wie das Ganze auch als niedergeschriebenes Gedächtnisstück Carters präsentiert wird, der seinem Neffen Edgar Rice Burroughs (!) aus gewissen Gründen seine unglaublichen Memoiren hinterlässt.
So richtig rund wirkt er dadurch nicht, der Einstieg in John Carter. Die standesgemäß in blau-rote-Farbsymbolik gekleidete Auseinandersetzung der Marsvölker wird nicht mehr als ihrer gut/böse-Ecke zugewiesen, Carter wird erstmals in den 1880ern gezeigt, um eine Szene darauf für tot erklärt zu werden und den Neffen ins Spiel zu bringen, dessen Part eigentlich völlig unnötig ist, wenn er sich auch als ganz nette Anspielung auf den Autor der Vorlage ergibt. Nach kurzem Intermezzo in den 1860ern hat’s John Carter endlich auf den Mars geschafft und Realfilmdebütant Stanton rumpelt etwas in die Saga hinein, bis er alles hat wohin es muss. Angekommen auf dem gar nicht so roten, sondern eher ockerfarbenen Planeten fällt Carter zunächst den Tharks, der dritten großen Marspartei in die Hände. Groß, grün, mit vier Armen und archaischer Kultur; Neugeborene beispielsweise, die nicht rechtzeitig aus dem Ei schlüpfen, werden da ohne Zipperlein unter Gewehrbeschuss genommen. Tars Tarkas, einigermaßen besonnener Anführer der Tharks, entdeckt in Carter und seinen unter Marsbedingungen gesteigerten (Sprung)Kräften einen möglichen Vorteil, sollte sich der Konflikt zwischen Zadonga und Helium auf sein Volk ausweiten und als wenig später Helium-Prinzessin Dejah Thoris buchstäblich vom Himmel fällt bleibt auch ihr nicht verborgen, dass der Flubberman von Nutzen sein könnte.
Natürlich ziert sich der kriegsmüde Carter, in einen Krieg einzugreifen, der zig Millionen Kilometer von seiner Heimat entfernt begonnen hat und nun an seinem Höhepunkt ausgetragen wird und natürlich ist’s klar, wo dieses Zieren enden wird. An der Spitze einer Streitmacht und in den Armen einer Prinzessin. In dieser Gewissheit wirkt die Geschichte John Carters nicht nur hundert, sondern ein paar tausend Jahre alt, verzichtet auf ihrem Weg aber auf platte Methaphorik und eine omnipräsente Rechtfertigungsmoral und bietet stattdessen ein Fantasyabenteuer um des Fantasyabenteuers willen. Der Figur John Carter hätte ein etwas runderer Einstieg zwar nicht geschadet, so ist das bruchstückhafte Aufdecken seines persönlichen Traumas in eingestreuten Flashbackhäppchen ein unglücklich gesetztes Taschenlampenflackern in die dunkle Vergangenheit, allerdings ist er ein Held wider Willen, dem man durch die Planet of the Apes-ähnliche Tharks-Gefangenschaft ebenso interessiert folgt, wie auf seinen späteren Pfaden. Selbst die lächerliche Montur und das Flummigehüpfe sind schnell akzeptiert und überraschenderweise und allen zuvor gewonnenen Eindrücken zum Trotz bekommt Taylor Kitsch den Vorreiter von Flash Gordon, Buck Rogers, Jake Sully & co. mehr als überzeugend aus seiner einhunderjährigen Verankerung gestemmt. Und Andrew Stanton bekommt’s gewuppt, dass sein Held eben keine »I don’t wanna fight… Okay, I’m gonna fight«-Routine runterhechelt, sondern tatsächlich zu einer nachvollziehbaren und nicht allzu gehetzt wirkenden Überzeugung gelangt, den Kampf um den Mars…äh…um Barsoom aufnehmen zu müssen.
Wenngleich eben dieser Kampf viel größer formuliert wird, als er tatsächlich ausfällt. Es ist eines der größten Versäumnisse John Carters, nie den richtigen und Eindruck machenden Nachweis dessen zu liefern, was da angeblich so großes vorgeht. Die Auseinandersetzung zwischen roten und blauen Farbträgern ist weniger als eindimensional, sie geht halt einfach nebenbei vonstatten, ohne dass sich das Gefühl einstellt, irgendetwas stünde so wirklich auf dem Spiel. Begreift man John Carter allerdings zuerst als einen Establisher, eine Einführungsrunde für Welt und Charaktere, dann lässt sich der Sinn hinter dem klein skalierten Machtstreitchen erahnen, eventuelle Sequels dürften da wohl entsprechend nachlegen. Was auf der anderen Seite aber auch nicht bedeutet, dass John Carter zu wenig Spektakel bieten würde, die Luftschlachtszenen (halt mit nur zwei, drei Schiffen anstatt ganzen Armaden) fetzen ordentlich, die Marslandschaft wird teils in wunderschönen Bildern eingefangen und die beiden Städte Zadonga und Helium sind einfach umwerfend designt, besonders das auf mächtigen Spinnenbeinen zerstörerisch durch die Gegend stampfende Zadonga ist schlicht überwältigend. Die Kampfszenen mit Waffen und Schwertern, Carters Riesensprünge und der Fight gegen zwei wütende, weiße, blinde Affengiganten – alles sehr ansehnlich und vor allem mit dem wieder mal nicht unbedingt notwendigen, aber ordentlich eingesetzten 3D-Gimmick kompatibel.
Neben einer teils phänomenalen Optik und Kitschs Carter macht Lynn Collins als Prinzessin Dejah Thoris eine blendende Figur und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Die Texanerin sah wohl nie besser aus als in ihren unterschiedlichen Marsgewändern, außerdem gibt sie ihrer Figur eine glaubwürdige wissenschafts- und kampfkundige Seite, was ja fast schon mehr Facetten abdeckt, als die knapp bekleideten Fantasy-Mäuschen alle zusammengenommen allgemein sonst so an Persönlichkeit mitkriegen. Collins bekommt und trägt hier sicher eine der besseren Frauenrollen des Genres und ihre im Laufe der Handlung doch zunehmende Passivität grundet auf persönlichkeitskonflikbeladenem Fundament. Auf dem stehen auch die CGI-Kreaturen von John Carter recht stabil, namentlich der von Willem Dafoe gesprochene Tars Tarkas und seine Tochter Sola, gesprochen von Samantha Morton. Als Anführer der sogenannten Therns spult Mark Strong den sinistren Schurken ab, das kann der Engländer und macht es gewohnt souverän, als Gegengewicht hat er mit Sab Than, dem Prinzen von Zodanga, eine Machtmarionette an seiner Seite, die von Dominic West daherchargiert wird.
John Carter wird es vermutlich nicht zuletzt wegen seines horrenden Budgets nicht leicht haben, in die Gewinnzone zu rutschen, und ähnlich wie vor zwei Jahren bei Prince of Persia wäre das schon ein bißchen bedauerlich. Gutes, gleichermaßen unblödes und nicht ambitionsüberfrachtetes Abenteuerkino, bei dem es einfach Spaß macht, es sich im Kino- oder dem heimischen Sessel so richtig gemütlich zu machen, ist selten und John Carter bietet genau das: Relax-o-tainment. Die unvermeidliche Love Story ist zwar nicht so dolle, der Film im Gesamten zwar nicht immer ganz rund, einige Einzelmomente aber sind großartig, durchaus auch mal emotional mitreißend und trotz dem Alter des Stoffes und seiner zahlreichen Verwerter ist die Geschichte und die Welt, in der sie spielt, einnehmend genug, um sich noch ein, zwei Abenteuer mehr in ihr zu wünschen. Taylor Kitsch und Lynn Collins mögen beide in X-Men Origins: Wolverine grässlich gewesen sein (du bist NICHT Gambit, Kitsch, DU NICHT!), das machen sie hier aber wieder gut, so wie der ganze Film dafür entschädigt, dass so gar nix von ihm zu erwarten war.
Wertung & Fazit
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