JAMES BOND 007 – SKYFALL
-DATEN/ZAHLEN-
JAMES BOND 007 – SKYFALL
Genre: Agenten-/Action-Thriller
Freigegeben ab: 12
Jahr: 2012
Länge: ca. 143 Min.
dt. Kinostart: 1.11.2012
DVD-/Blu-ray-Start: 1.03.2013
US Kinostart: 9.11.2012
-KOSTEN/EINSPIELERGEBNIS-
Budget: 200 Mil.
Box Office: 1,10 Mrd.
(USA: 303 Mil. / weltweit: 797 Mil.)
Bestenliste: 2 (weltweit 2012)
-CAST/CREW-
Regie:
Sam Mendes
Cast:
Daniel Craig
Judi Dench
Javier Bardem
Ralph Fiennes
Naomie Harris
Bérénice Marlohe
Albert Finney
Ben Whishaw
Rory Kinnear
Ola Rapace
Drehbuch:
Neal Purvis, Robert Wade, John Logan
Kamera:
Roger Deakins
Schnitt:
Stuart Baird
Musik:
Thomas Newman
-Bilder-
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Einigermaßen radikal war er, der Bruch, den das stiefgeschwisterliche Produzentenduo Barbara Broccoli und Michael G. Wilson seinem Aushängeschild James Bond 2006 zufügte: musste sich der langlebige Agent im Auftrag Ihrer Majestät bereits in Gestalt von Pierce Brosnan an einen weiblichen Chef und seine Anprangerung als »sexist, misogynist dinosaur« gewöhnen, so wurde Daniel Craigs Inkarnation zu ihrem Dienstantritt in Casino Royale mehr oder weniger ihres gesamten Mythos beraubt. Bond plötzlich blond, mit rustikalem Hafenarbeitercharme, auf gute alte Trinkgewohnheiten pfeifend und so weiter; nicht mal mehr eines der berühmtesten Trademarks des Franchise, der Pistolenlauf, blieb unberührt, rutschte im Nachfolger Quantum of Solace gar vom Anfang bis ganz ans Ende des Films. Aber: nichts hatte die Reihe nach dem Gadget- und CGI-Wahnsinn der ausklingenden Brosnan-Ära dringender gebraucht, als diesen radikalen Bruch, dem anfangs verspotteten Craig gaben nicht nur die Einspielzahlen recht: mit einer glatten 10er-Wertung hat sich Casino Royale zu meinem persönlichen Bond-Liebling (neben From Russia with Love) gemausert, mancher stört sich zwar am Einfluss DES Actionfranchise der 2000er, der Bourne-Trilogie, aber dieser besondere, glamouröse und bei aller Härte nicht zu erdende Bond-Touch blieb auch mit Craig erhalten. Quantum of Solace fiel dagegen zugegebenermaßen brutal ab, geriet all zu schnitthektisch und regelrecht langweilig. Und wo positioniert sich nun Sam Mendes‘ Skyfall zwischen „kaum zu toppen“ und „enttäuschend gefloppt“?
Inhalt
In der Türkei machen MI6-Agent James Bond und seine im Außendienst noch unerfahrene Kollegin Eve Jagd auf einen französischen Söldner, der eine Festplatte mit brisanten Informationen in seinem Besitz hat: der Datenträger enthält die wahren Identitäten sämtlicher Undercover-Agenten und droht bei Öffentlichmachung den britischen Geheimdienst ins Chaos und die Agenten selbst in den sicheren Tod zu stürzen. Doch Eve unterläuft ein fataler Fehler, als sie auf Drängen von MI6-Chefin M versehntlich Bond von einem Zugdach und in den vermeintlichen Tod schießt. Kurze Zeit darauf geschieht das Unfassbare: ein Hackerangriff auf den MI6 führt nicht nur zur Entschlüsselung und Veröffentlichung der geheimen Daten, das Hauptquartier wird auch von einer verheerenden Explosion erschüttert. M gerät in der Folge zunehmend unter Druck, der Bürokrat Gareth Mallory drängt sie in einen „freiwilligen“ Abschied in zwei Monaten und die Regierung fordert eine Stellungnahme zu den jüngsten Fehlschlägen. Als sich seine Chefin in die Ecke gedrängt wiederfindet kehrt schließlich Bond zurück, angeschlagen zwar, aber tatbereit. Eine Spur führt ihn nach Shanghai und bald trifft Bond auf den Drahtzieher der Ereignisse, der einen ganz persönlichen Feldzug gegen M führt…
Der Film
Volle vier statt der sonst üblichen ein bis drei Jahre liegen zwischen Quantum of Solace und Skyfall, die drittlängste Pause zwischen zwei Bonds, die längste ohne zwischenzeitlichen Darstellerwechsel. Vier zunächst ungewisse Jahre, überdeckt vom Schatten der Insolvenz der altehrwürdigen Metro-Goldwyn-Mayer-Studios, die im Zuge der Finanzkrise einen Milliardenverlust zu verkraften hatten und ihren eigenen Skyfall erlebten. Das offiziell 23. Bond-Abenteuer nun setzt nicht die in Casino Royale und Quantum of Solace begonnene Storyline um Vesper Lynd, deren Tod und die verbrecherische „Quantum“-Organisation fort, es ist mehr die filmgewordene Krise seiner Produktionsstätte, übertragen auf den Kosmos des langlebigsten Franchise der Kinohistorie: Skyfall handelt von Verlust, dem Sturz scheinbar unumstößlicher Instanzen, der Angst vor dem längst nicht mehr durchschaubaren Angriff von Außen in den Kern des Inneren, von Alter und Resignation und einem fast schon verzweifelten Entgegenstemmen, einem Aufbäumen unter der kaum stemmbaren Last. 007 wird in Frage gestellt wie nie, mehr aber noch die Methoden seiner langjährigen Chefin, Fürsprecherin und heimlichen Sympathisantin M. Vertrauen, Verrat, Integrität, Skyfall.
Getreu dem Familienwappen der Bonds war die Welt schon 1999 in Pierce Brosnans drittem Einsatz nicht genug und so geht’s in Skyfall nicht um die Errettung des globalen Wohls, nicht ausschließlich um die idealistische Pflicht des Agenten im Dienste für das Vaterland, hier geht’s dem Establishment viel mehr an die Persönlichkeit. Und sehr lange macht Skyfall das sehr klasse. Der Opener in Istanbul ist spektakulär, man stelle sich die Parcour-Sequenz aus Casino Royale mit Motorrädern über den Dächern des großen Basars und später mit Zug und Bagger vor. Wuchtig, rasant, bondig und schon nach ein paar Sekunden zwiespältig, wenn 007 auf das Ausdrücklichste von M angewiesen wird, einen verwundeten Agenten zurück zu lassen. Die Titel Sequenz, umwoben von Adeles großartigem Theme Song, gibt (scheinbar) den Ton für das Folgende vor, Verwundung, Blut, Grabsteine, Totenschädel. Tatsächlich ist Bonds Schusswunde aus den Pre Credits nicht einfach ein paar Leinwandminuten später vergessen, sie wird mit in den Film genommen. Einem Bond, so sehr auf Physis und Agilität angelegt, wie es Craigs Inkarnation nun einmal ist, eben diese zu nehmen oder zumindest entscheidend zu handicappen, wirkt zunächst ganz interessant. Die Doppelnull hat Schwierigkeiten beim Fitnesstest, der ihn für den Außendienst requalifizieren soll, seine Zielgenauigkeit leidet unter einem zittrigen Arm, der Alkoholkonsum schlägt sich in den Furchen seines Gesichts ebenso nieder, wie in der Atemlosigkeit nach ein paar Klimmzügen. Bond, ein Rekonvaleszent fern der Dienstbefähigung und doch alsbald wieder dem Call of Duty seiner M erlegen.
Doch eine perfekt gelungene Einführung des neuen Q Ben Whishaw und einen Schurkentod in Shanghai später beginnt Skyfall langsam zu zerbröseln. Der buchstäblich in den Londoner Untergrund gedrängte MI6 weicht für einige Szenen asiatischer Exotik, Daniel Craig ist viel zu oft nackt in blendender Muskelausstattung zu sehen, um dem Film seinen »come undone«-Bond abzunehmen, Dame Judi Dench macht kurz dem etatmäßigen Bond-Girl Bérénice Marlohe Platz, die in ihrer „fuck, dead, forget“-Rolle die direkte Nachfolge der gänzlich unbedeutenden Liebesmädchen Caterina Murino (Casino Royale) und Gemma Arterton (Quantum of Solace) einnimmt. Und nicht nur sein Pin-up-Dekolleté geht Skyfall schnell flöten, sondern ab der Mitte und ausgerechnet mit dem stark aufgebauten Auftritt des Oberbösewichts Raoul Silva auch Drive und Identität. Bardems Entrance ist noch bestes schurkisches Chargieren, der willkommene frische Schwung, nachdem Skyfall bis dahin rapide an Tempo verloren hat, sein Dialog mit Bond ist schnittiger und schwuppiger, als jede Konfronation mit Fäusten und Waffe. Und wird hier etwa tatsächlich Bonds sexuelle Ausrichtung entheteroisiert oder meint sein »What makes you think this is my first time?« doch nur Le Chiffres unsanfte Eiermassage aus Casino Royale? Sei’s drum, [milder SPOILER voraus, obwohl die Richtung relativ schnell abzusehen ist] der Ex-MI6‘ler Silva bringt’s mit seinen Motiven nicht weit über den Eindruck dieser Einführung hinaus: was ihm im Außeneinsatz wiederfahren ist mag die beschissenst mögliche Lage sein, in die man als Agent geraten kann, dennoch ein Risiko, auf das man sich doch eigentlich in vollem Wissen einlässt, wenn man sich dem Geheimdienst anschließt. Niemand erkennt Tragik, sondern höchstens Ironie darin, wenn der Dachdecker beim Dachdecken vom Dach fällt und viel anders verhält es sich nicht mit Silva.
Schräge Gesten und Manierismen werden ja seit Johnny Depps wuschigem Jack Sparrow und Heath Ledgers schnalzendem Joker gerne ins Grüne gelobt, nur steckt hinter Raoul Silva wenig mehr, das Interesse wecken könnte. Sein Rachefeldzug gegen M bekommt überhaupt kein Gewicht, Bond guckt vielleicht mal desorientiert ins Rund des MI6‘schen Kellergewölbes (plumpe Metapher übrigens), doch ansonsten bleibt jedes Hinterfragen der Geheimdienstchefin bei verspießten Ministerinnen und an einem jammernden bad guy hängen, um von M persönlich mit einer flammenden Rede und durch Bonds in kaum einer Sekunde ernsthaft in Frage stehender Loyalität sogleich wieder für rechtens und gerechtfertigt erklärt zu werden. Silvas Plan hingegen ist nichts als eine behauptete Überlegenheit, die die Story in immer stockenderen Stößen voran bringt, die gestohlenen Daten tun irgendwann überhaupt nichts mehr zur Sache und dem Film und seinem Schurken zum Verhängnis wird der von Sam Mendes vor einiger Zeit genannte Einfluss eines gewissen Christopher Nolan: dessen Kopfblockbusterkino als »game changer« für die narrativen Möglichkeiten eines Action-Thrillers auszugeben ist durchaus nachzuvollziehen, es aber szenenweise und in gewichtigen Plotpunkten einfach nachzustellen kommt eher billig und fast schon verstörend einfallslos rüber, Bond teils zum Rezitat des Inception-Designs und eines The Dark Knight-Plottwists zu machen (dem sich in der Zwischenzeit außerdem die Avengers bedient haben) wirkt wie eine Anbiederung in Richtung des britischen Masterminds, der im Gespräch für die Nummer 24 der 007-Reihe ist, »see, Chris, it works, now sign the contract, man!«
Zwischen dem mehr als einmal deplatziert wirkenden Hommagieren und dem teilweisen Wiederbeleben seeliger alter 60er Jahre Bond-Tage, der härteren „more reality based“-Gangart der Craig-Ära, einem Schurken mit »ich verklag das Restaurant, wenn der Kaffee zu heiß ist«-Mentalität und mies geratener CGI-Fratze, sowie halbgarer und umgehend stichflammig beantworteter Hinterfragung der Methoden Ms verliert Skyfall völlig einen stringenten Ton, um das alles vereint zu halten, schiebt zum Showdown mit Albert Finney sogar ein comic relief in die Handlung, wie es unpassender nicht sein könnte und nimmt dem Film damit die letzte Möglichkeit einer tiefer gehenden Auseinandersetzung zwischen Bond und M. Stattdessen schmeißt Finney mit urigem Altersulk um sich und erklärt freundlicherweise alles, was später während der finalen Konfrontation mit Silva und seinen Männern einen Nutzen finden wird. Und schließlich mündet Skyfall in eine Schlusspointe, die jeden weiteren Bond eigentlich überflüssig machen könnte, die den Kreis schließt und da anknüpft, wo Sean Connery in Dr. No einst begann. Die Abkehr vom Neuen, die Besinnung auf’s Alte, James Bond will return. Wird man 007-Nostalgiker damit zurück gewinnen, bricht nun wieder die Zeit der Superschurken in ihren Vulkanen und mit Katzen auf dem Schoß an, ist Skyfall der Transferfilm hin zum traditionellen Bond, wäre das der richtige Weg für die Reihe? Keine Ahnung. Mehr noch als beim komplett vergeigten Quantum of Solace bleibt erstmal die Enttäuschung stehen. Darüber, dass Skyfall so grandios anfängt, wie ein perfekt abgestimmtes voluminöses Orchester, das dann plötzlich auf ein Tonband mit ungelenken ersten gemeinsamen Aufnahmen umschaltet, als Stücke wie „Bond Mythologie“ und „Nolans Mind“ noch nach Gehör und mit Küchengeschirr nachgespielt wurden…
Wertung & Fazit
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The Art of Film: JAMES BOND 007 – Poster Galerie (1962 – 2012)
The Art of Film: JAMES BOND 007 – alle Titel Sequenzen & Theme Songs (1962 – 2012)
Filmmusik: SKYFALL Score Review
Filmmusik: Adeles SKYFALL Theme Song
Filmmusik: SKYFALL Score Preview
Star-Profil: Daniel Craig
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